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Bekennend homosexuell: Nitzan Horowitz.

Israel

„Wir kämpfen für unser aller Freiheit“

Israels linke Merez-Partei wählt Nitzan Horowitz zu ihrem Vorsitzenden.

In Israel ist erstmals ein bekennender Homosexueller als Parteichef gewählt worden: Der frühere israelische Parlamentsabgeordnete und Journalist Nitzan Horowitz führt künftig die linksliberale Merez-Partei. Horowitz erhielt bei einer Abstimmung 54 Prozent der abgegebenen Stimmen und setzte sich damit gegen die bisherige Vorsitzende Tamar Sandberg durch, wie Merez in der Nacht zu Freitag auf Facebook schrieb. „Wir sind die Partei des freien und demokratischen Israels“, sagte Horowitz nach seinem Sieg. „Merez wird für die Freiheit von uns allen kämpfen, die Freiheit von Diskriminierung und Rassismus“ – aber auch für „die Freiheit von der (israelischen) Besatzung“.

Der 54-Jährige saß von 2009 bis 2015 für Merez im Parlament. Er arbeitete früher als Journalist unter anderem für den Armeesender und schreibt heute noch für die linksliberale Zeitung „Haaretz“.

In Israel gibt es eine einflussreiche und zahlenmäßig starke homosexuelle Gemeinde. Auch im öffentlichen Leben werden Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung zunehmend akzeptiert. Am 5. Juni ernannte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erstmals einen bekennenden Schwulen als Minister, indem er seinen Vertrauten Amir Ohana an die Spitze des Justizressorts stellte. 2002 zog erstmals ein bekennender Homosexueller ins Parlament ein, im gegenwärtigen Parlament gibt es fünf homosexuelle Abgeordnete.

Die gesellschaftliche Bewegung der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans- und Intersexuellen (LGBTI) ist in der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv besonders stark vertreten, in Jerusalem hat sie einen vergleichsweise schweren Stand. Religiöse und orthodoxe Parteien, auf deren Unterstützung Netanjahu angewiesen ist, lehnen die Liberalisierung ab.

Vor rund 25 Jahren war Merez als Koalitionspartner der sozialdemokratischen Arbeitspartei von Itzchak Rabin entscheidend am Abschluss der Friedensverträge mit den Palästinensern beteiligt. 1995 wurde der damalige Regierungschef Rabin von einem jüdischen Fanatiker ermordet, der weitere Konzessionen an die Palästinenser verhindern wollte. Seitdem ist Israels Gesellschaft deutlich nach rechts gerückt, auch unter dem Eindruck palästinensischer Anschläge. Friedensverhandlungen beider Seiten liegen seit fünf Jahren brach. Israels linkes Lager ist heute stark geschwächt und gespalten.

Die 1992 gegründete Merez-Partei steht für eine gerechte Friedensregelung in Nahost und eine Zwei-Staaten-Lösung mit den Palästinensern. Die letzte Regierungsbeteiligung endete 2001. Bei der Wahl im April scheiterte Merez fast an der 3,25-Prozent-Hürde und erhielt vier Mandate. Für September sind in Israel erneut vorgezogene Parlamentswahlen angesetzt, weil Netanjahu mit der Regierungsbildung scheiterte. (dpa/afp)

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