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Der 99-jährige John Jenkins war vor 75 Jahren dabei, als die Alliierten an der Nordküste Frankreichs landeten.  

D-Day

„Wir dürfen niemals vergessen“

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Bewegendes Gedenken zum 75. Jahrestag des D-Days mit 300 Veteranen im südenglischen Portsmouth.

Es ist ein berührender Moment, als John Jenkins die Bühne betritt; als sich Königin Elizabeth II. erhebt und auch unter großem Beifall die zahlreichen Staats- und Regierungschefs und die rund 300 Veteranen sowie Tausende Soldaten und Zuschauer aus aller Welt. Hier steht er nun auf der Bühne in Portsmouth, der 99-Jährige, der vor 75 Jahren als junger Mann von eben jenem Ort im Süden Englands zu der gefährlichen Reise an die Nordküste Frankreichs aufbrach, um mit Tausenden Soldaten der Alliierten den Kampf gegen das Nazi-Regime aufzunehmen. Um Europa vom nationalsozialistischen Deutschland zu befreien.

Der 6. Juni 1944, D-Day. Er markiert als Schlüsselereignis den Auftakt der Befreiung Europas von Westen her und gilt in Großbritanniens Erinnerungskultur als bestimmendes Ereignis im Zweiten Weltkrieg. Am Mittwoch würdigten es neben der Queen und Thronfolger Prinz Charles auch US-Präsident Donald Trump, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die scheidende Premierministerin Theresa May und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er fühle sich geehrt, hier zu sein, sagte der Brite Jenkins, sichtlich bewegt, stellvertretend für die Kameraden zu sprechen. Seine Botschaft: „Wir dürfen niemals vergessen.“ Erinnerungen an jenen Tag hat auch die 93 Jahre alte Königin Elizabeth II., die damals eine Ausbildung zur Kraftfahrerin und Automechanikerin bei der Armee absolvierte. Die Kriegsgeneration, „meine Generation“, sei widerstandsfähig, sagte die Monarchin zum Abschluss der offiziellen Zeremonie. Ihr Vater, König George VI., habe einen neuen Geist und eine unbezwingbare Entschlossenheit gefordert. „Genau das haben viele mutige Männer mit in die Schlacht gebracht, nun, da das Schicksal der Welt von ihrem Erfolg abhing.“

Die Queen, gewohnt farbenfroh in pinkem Mantel und passendem Hut, wandte sich an die Veteranen. „Es ist mit Demut und Freude, dass ich im Namen des gesamten Landes, in der Tat der ganzen freien Welt, zu euch sage: Danke.“ In der Zeremonie ging es weniger um aktuelle Politik als um die Erinnerung an jene Menschen, die größte Opfer brachten, ob Männer an der Front oder Frauen, die in der Heimat eine wichtige Rolle spielten. Immer wieder wurden Briefe, Berichte und Tagebucheinträge von Soldaten oder Angehörigen vorgelesen, im Hintergrund liefen auf einem großen Bildschirm Schwarz-weiß-Aufnahmen von damals.

Queen Elizabeth II. dankte den Veteranen. 

Merkel betonte die Bedeutung, als deutsche Kanzlerin bei der Veranstaltung dabei sein zu können. „Dass wir heute gemeinsam für den Frieden und die Freiheit eintreten, das ist ein Geschenk der Geschichte, das es zu schützen und zu pflegen gilt.“ In einer gemeinsamen Erklärung bekannten sich die 16 teilnehmenden Länder zu ihrer Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich die Schrecken des Zweiten Weltkriegs niemals wiederholen.

„In den vergangenen 75 Jahren haben sich unsere Nationen für den Frieden in Europa und der Welt eingesetzt, für Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit“, hieß es. „Wir werden als Verbündete und Freunde zusammenarbeiten, um diese Freiheiten zu verteidigen, wann immer sie bedroht sind.“

Zum Abschluss der Gedenkzeremonie flogen mehrere historische und moderne Militärflugzeuge über das Hafenareal in Portsmouth, von einem Kriegsschiff wurden Salutschüsse abgefeuert. Der D-Day war der Auftakt zur Operation Overlord, der größten alliierten Invasion der Militärgeschichte: Rund 156 000 Soldaten aus den USA und Großbritannien, aus Frankreich, Polen, Kanada oder Australien, landeten an fünf Stränden, 7000 Schiffe und Landungsboote sowie 10 000 Fahrzeuge kamen zum Einsatz. Allein an diesem Tag starben 4400 Soldaten der alliierten Kräfte. Bis zu 9000 Deutsche wurden getötet. Außerdem verloren Tausende französische Zivilisten ihr Leben.

Am Donnerstag, dem eigentlichen Jahrestag, wird es an der französischen Küste eine große Gedenkveranstaltung geben, an der auch US-Präsident Donald Trump teilnimmt. Für ihn und First Lady Melania war gestern der letzte Tag des dreitägigen Staatsbesuchs im Vereinigten Königreich.

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