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AKK kämpft an der CDU-Basis um Zustimmung.

Annegret Kramp-Karrenbauer

"Wir brauchen ein intelligentes Grenzregime"

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CDU-Kandidatin für den Vorsitz, Annegret Kramp-Karrenbauer, spricht im Interview mit der FR über Ankerzentren, AfD-Wähler, ihren traditionellen Ehebegriff und wie das in ihrer Familie funktioniert

Frau Kramp-Karrenbauer, Sie gelten als die liberalste der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz. Sehen Sie das selbst auch so?
Ich sage gerne ironisch: Ich bin die klassische CDU-Promenadenmischung. Ich habe bei Gesellschaftspolitik und Lebensschutz ausgesprochen konservative Positionen. Bei Wirtschaft- und Sozialpolitik bin ich von der christlichen Arbeitnehmerschaft geprägt. In der Inneren Sicherheit vertrete ich eine harte Linie. Meine Erfahrung als Innenministerin ist: Die Leute erwarten konsequente Politik ohne schrille Töne.

Die Wahrnehmung ist anders. Viele sagen: Ach nöö, nicht „Merkel 2“.
Ich weiß, das ist ein Etikett, das mir anhängt. Sie haben mich wenigstens nicht Mini-Merkel genannt. Jenseits von Etiketten: Ich habe Angela Merkel viel zu verdanken, manches verbindet uns. Wir haben aber in einigen Punkten unterschiedliche Ansichten. Ich stehe für meinen Stil und muss mich nicht künstlich distanzieren.

Sind Sie Merkels Favoritin?
Sie ist klug genug, sich in der Nachfolge-Frage sehr zurückzuhalten. Die Partei interessiert mehr: Wem trauen wir zu, die CDU zu stärken und die Regierung stabil fortzusetzen? Bei mir ist klar: Angela Merkel und ich können vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Zur Migrationspolitik: Sie haben gesagt, 2015 dürfe sich nicht wiederholen. Das erklärt auch Merkel, ihr trauen aber viele Wähler nicht. Wie untermauern Sie Ihr Versprechen?
Die ganz große Frage ist ein funktionierender Außengrenzschutz. Nur dann können wir Binnengrenzen offen halten. Wir brauchen ein intelligentes Grenzregime: Transitzentren, Schleierfahndung, bilaterale Abkommen zur schnellen Rückführung. Ich stehe für den Beweis in der Politik, das umzusetzen.

Ankerzentren. . .
. . .haben wir im Saarland schon seit Jahren, das Prinzip der Sachleistung gilt, wir haben längst im Regelfall medizinische Altersfeststellungen bei jungen Flüchtlingen. In 30 Prozent der Fälle stellen wir fest, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind. All das machen wir ganz konsequent, ohne es an die große Glocke zu hängen. Übrigens: In unserer Landtagswahl hatte die AfD nur sechs Prozent.

Wollen Sie AfD-Wähler, die „Merkel muss weg“ skandiert haben, eigentlich für die CDU zurück?
Wer in der AfD am rechtesten Rand steht, Geschichtsklitterung betreibt, antisemitisch ist, war noch nie bei uns – solche Leute will ich in unserer Partei gar nicht haben. Aber es gibt auch diejenigen, die sich getrieben fühlen vom rasanten Wandel um sie herum; die gerne hätten, dass alles so bleibt, wie es ist. Viele verbinden ihren Frust mit einer Person an der Spitze. Um diese Menschen müssen wir uns kümmern und ihnen zeigen, dass wir einen Kompass und einen Plan haben, wie diese Veränderung positiv gestaltet wird.

Dieser Kompass – heißt der nicht für die CDU, dass sie wieder weiter nach rechts rücken muss?
Ich kann mit rechts/links nicht viel anfangen. Ich komme aus dem klassisch sozialdemokratisch-linken Saarland: hoher Anteil an Arbeitern, starke Gewerkschaften. In diesem Land haben wir als CDU absolute Mehrheiten geholt, aktuell zumindest über 40 Prozent – weil wir eine große Breite angeboten haben, aber eine Politik des Rechtsstaats garantieren. Das hat im Bund gelitten in den letzten Jahren. Da müssen wir wieder verlässlicher werden.

Sie vertreten ein sehr konservatives Familienbild. . .
Ich vertrete einen traditionellen Ehebegriff: die Vereinigung von Mann und Frau. Dazu stehe ich, und solche Positionen muss meine Partei aushalten. Dass der Bundestag bei der Homo-Ehe anders entschieden hat, akzeptiere ich. Und werde strikt gegen jede Diskriminierung eintreten.

Sie leben selbst doch eine eher moderne Ehe: Ihr Mann ist bei den drei Kindern zu Hause geblieben, Sie machen Karriere.
Wir haben nie diskutiert, ob das modern oder altmodisch ist, sondern pragmatisch entschieden: Wir wollen mehrere Kinder, haben beide eine gute Ausbildung, mein Mann ist Ingenieur. Wer mehr verdient, arbeitet Vollzeit, der andere reduziert.

Wer CDU-Chef wird, muss Kanzler können. Sie haben bisher ein kleines Bundesland regiert – andernorts ein mittelgroßer Landkreis. Reicht das als Rüstzeug?
Horst Seehofer hat mal gesagt, er könne an einem halben Tag durchs Saarland radeln. Ich habe ihn dazu eingeladen – leider hat er nie Zeit gefunden für unsere 400 Kilometer Radwege. Der Punkt ist: Ich habe 18 Jahre Regierungserfahrung als Innen-, Bildungs- und Sozialministerin, Ministerpräsidentin eines Landes in der Mitte Europas, das einen massiven Strukturwandel hingelegt hat. Es gibt keine große oder kleine Politik, nur gute oder schlechte. Wer schlechte macht, wird abgewählt.

Wie es aussieht, wird sich der Vorsitz zwischen Ihnen und Friedrich Merz entscheiden. Können Sie Jens Spahn versprechen: Du bleibst ein starker Repräsentant des konservativen Flügels?
Es wäre fahrlässig, ihn nicht einzubinden. Er kandidiert für das CDU-Präsidium, er führt ein starkes Ministerium, er steht ein Stück weit für die nächste Generation. Die Regionalkonferenzen haben klar gezeigt: Die Partei hat die Erwartung, dass sich keiner nach der Wahl abwendet, nur weil er verloren hat. Das gilt auch für mich: Wo immer die CDU mich braucht, werde ich mitmachen. Ich habe mein Ministerpräsidentenamt aufgegeben, um mich in den Dienst der Partei zu stellen.

Würde eine Bundeskanzlerin Kramp-Karrenbauer mit kühlem Lächeln Horst Seehofer als Innenminister verabschieden?
Eine neue Regierungschefin würde sich das Kabinett insgesamt genau ansehen, sowohl was Zuschnitte als auch Personen anbelangt.

Interview: Christian Deutschländer

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