1. Startseite
  2. Politik

„Winzig kleiner Diktator“: Lula und Bolsonaro liefern sich Schlagabtausch bei TV-Debatte

Erstellt:

Von: Kira Müller

Kommentare

Zwei Wochen vor der Stichwahl um das Präsidentenamt werfen sich die Kandidaten in einer TV-Debatte Korruption, Versäumnisse und Lügen vor.

São Paulo – Einen harten Schlagabtausch haben sich der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro und Amtsanwärter Luiz Inácio Lula da Silva in einer Fernsehdebatte am Sonntagabend (16. Oktober) geliefert.

Große Themen der Debatte waren unter anderem die Corona-Pandemie und die Abholzung des Amazonas. Lula nannte Bolsonaro einen „schamlosen Lügner“, der mit Covid „herumalberte“, was zu großen Todesfällen führte. 680.000 Menschen seien der Corona-Pandemie in Brasilien durch Bolsonaros „Versäumnisse“ zum Opfer gefallen, von denen wohl mehr als die Hälfte hätte gerettet werden können, so Lula.

„Noch nie zuvor in der Geschichte gab es eine Regierung, die so mit einer Pandemie oder dem Tod herumgespielt hat wie Sie“, sagte der 76-Jährige über Bolsonaro, der Covid als „eine kleine Grippe“ herabsetzte und behauptete, er sei nicht geimpft worden.

Luiz Inacio Lula da Silva und Jair Bolsonaro in einer Prsäsidentschaftsdebatte
Schwere Vorwürfe zwischen Luiz Inacio Lula da Silva (links) und Jair Bolsonaro in einer Prsäsidentschaftsdebatte. © Marcelo Chello/dpa

Bolsonaro stellt „Bedrohung für Demokratie“ dar

Es sei Bolsonaro, der eine Bedrohung für Brasiliens junge Demokratie darstelle. „Mein Gegner ist im Grunde der schamloseste Lügner, den es gibt“, sagte der linke Herausforderer. „Ich bin derjenige, der Demokratie und Freiheit verteidigt – viel mehr als dieser winzig kleine Diktator … Ich möchte dieses Land demokratisch regieren, wie ich es schon zweimal zuvor getan habe.“

Im Falle einer Wahl zum künftigen Präsidenten versprach Lula ein Ministerium für die Ureinwohner einzurichten und warf dem 67-jährigen Bolsonaro gleichzeitig vor, er habe dem Amazonas „überhaupt keinen Respekt entgegengebracht“. Er würde diese Wahlen gewinnen, damit sie sich um den Amazonas kümmern und die Invasion indigenen Landes und den illegalen Bergbau verbieten können.

Lula konnte sich in der ersten Wahlrunde 48 Prozent der Stimmen sichern, Bolsonaro erhielt 43 Prozent – obwohl Umfragen ihn vorher lediglich bei 37 Prozent gesehen hatten.

Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien

Datum30. Oktober 2022
Zahl der Wahlberechtigten\t156,7 Millionen
KandidatenJair Bolsonaro, Lula da Silva

Korruptionsskandale von Lula sind „nationale Schande“

Der Amtsinhaber Jair Bolsonaro wurde 2018 gewählt, nachdem Lula wegen Korruptionsvorwürfen inhaftiert worden war, die später niedergeschlagen wurden. Er beschimpfte seinen Gegner für die Korruptionsskandale, die die 14-jährige Amtszeit seiner Arbeiterpartei (PT) von 2003 bis 2016 zunichtegemacht hatten.

„Ihr seid eine nationale Schande“, erklärte Bolsonaro während der Debatte. Er hielt Lula vor, seine Bilanz als Präsident sei „schmachvoll“. Er habe „nichts für Brasilien getan, außer öffentliche Gelder in seine und die Taschen seiner Freunde zu stecken“.

Lula und Bolsonaro besuchen Menschen, die Wahlausgang entscheiden sollen

In den vergangenen Wochen besuchten beide Kandidaten die drei Staaten, die den Wahlausgang entscheiden sollen: Minas Gerais, Rio de Janeiro und São Paulo. Dort sind fast 64 Millionen der 156 Millionen Wahlberechtigte Brasiliens beheimatet.

Außerdem besuchte Lula eine der größten Favelas von Rio, den Complexo do Alemão, um die Arbeiterklasse für sich zu gewinnen. Bolsonaro behauptete, Lula habe die Gemeinde besucht, um mit Kriminellen in Kontakt zu treten. „Es gab keine Polizei um dich herum – nur Drogenhändler“, sagte Bolsonaro und löste damit Empörung bei Favela-Aktivisten aus. Rene Silva, Medienaktivist von Complexo do Alemão, der Lulas Besuch in der Favela arrangierte, twitterte daraufhin: „Bolsonaro mag die Armen nicht. Bolsonaro mag keine Schwarzen. Bolsonaro mag die aus der Favela nicht.“

In einem jüngsten Angriff wurde Bolsonaro in Zusammenhang mit Pädophilie gebracht. Lulas Wahlkampflager bezeichnete den Präsidenten als „verkommenen Kriminellen“ und zeigte sich „angewidert“ über Äußerungen, die der Staatschefs vor einem Jahr bei einem Besuch in einem Haus gemacht hatte, wo offenbar minderjährige Mädchen aus Venezuela als Prostituierte arbeiteten.
(Kira Müller)

Auch interessant

Kommentare