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Raus aus der Atomenergie - oder besser noch nicht? Die Netzagentur befürchtet Stromknappheit.
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Raus aus der Atomenergie - oder besser noch nicht? Die Netzagentur befürchtet Stromknappheit.

Bundesnetzagentur

Im Winter könnte Strom fehlen

  • VonJakob Schlandt
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Besonders in Süddeutschland könnte im kommenden Winter der Strom knapp werden, befürchtet die Netzagentur - und will deshalb alte Atomkraftwerke in Betrieb lassen.

Die Bundesnetzagentur ist derart besorgt über die Sicherheit der Stromversorgung im kommenden Winter, dass sie empfiehlt, alte Kernkraftwerke zur Sicherheit doch wieder ans Netz zu bringen. Im Winter drohe eine kritische Situation im Stromnetz, weil besonders in Süddeutschland zu wenig Strom zur Verfügung stünde. Deshalb, so die Agentur in einer gestern vorgestellten Untersuchung, „sollte die Option, die fehlende Kapazität auch aus den im Moratorium befindlichen Kraftwerken insbesondere im Süden decken zu können, erhalten bleiben“.

Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, die politisch neutral sein muss, wird sich diese Empfehlung gut überlegt haben – weiß er doch um die politische Brisanz dieses Schritts. Die derzeit abgeschalteten alten Kernkraftwerke im Süden Deutschlands wie Biblis und Isar 1 wieder in Betrieb zu nehmen, ist in der schwarz-gelben Koalition hoch umstritten, die Bevölkerung lehnt es mehrheitlich ohnehin ab.

Die Bundesnetzagentur ist offenbar derart beunruhigt über die Ergebnisse ihrer detaillierten Untersuchung, dass politische Rücksichtnahme keine Rolle mehr gespielt hat. Für den Sommer werden gerade noch beherrschbare Situationen erwartet – selbst, wenn viele Kraftwerke zusätzlich zum Moratorium vom Netz sind wie derzeit. Auch ein Tag im Winter, an dem viel Windstrom im Norden produziert und im Süden viel verbraucht wird, sei mit eingriffen ins Stromnetz beherrschbar.

Noch gefährlicher sei der Fall eines Tages im Winter, an dem viel Strom verbraucht wird, aber kaum Wind weht und damit die Erzeugung aus erneuerbaren Energien sehr niedrig ist. Falle dann eine der hoch belasteten Nord-Süd-Stromtrassen aus, entstünde zum Beispiel „im Raum Frankfurt ein kritisches Spannungsniveau, selbst wenn der Übertragungsnetzbetreiber die ihm dann noch zur Verfügung stehenden Entlastungsmaßnahmen ergreift“, so die Behörde.

Käme in einer solchen Situation noch eine weitere Belastung hinzu, also der Ausfall eines Kraftwerks oder eines wichtigen Netzelements, trete eine Leitungsbelastung von 140 Prozent und mehr auf, „die wegen des kaskadenartigen automatischen Auslösens der Schutzeinrichtungen nicht mehr beherrschbar wäre“.Was für Schritte empfiehlt die Netzagentur neben ihrer politisch brisanten Empfehlung, gegebenenfalls alte AKW ans Netz zu bringen? Die Übertragungsnetzbetreiber, die dafür sorgen, dass die Spannung im Netz stabil bleibt, werden den Kraftwerken immer häufiger Vorschriften machen, wie viel Strom sie wann produzieren – und zum Beispiel auch anordnen, Reparaturarbeiten zu verschieben.

Darüber hinaus müssten die für die kommenden Jahre geplanten fossilen Kraftwerke unbedingt ans Netz gehen. Auch sollten die Kraftwerksbetreiber dazu gezwungen werden können, eingemottete Kraftwerke („Kaltreserve“) in Betrieb zu nehmen. Besonders für die Regionen südlich des Mains sei das nötig. Die Netze müssten schleunigst ausgebaut werden, um den erzeugten Strom besser verteilen zu können. Der Markt, so räumt die Agentur ein, werde durch die Maßnahmen aber immer stärker durch einen zentral gesteuerten planerischen Ansatz ersetzt.

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