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Kritik an Kretschmanns Waschlappen-Tipp: „Menschen mit fünfstelligem Monatseinkommen erklären, wie man spart“

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Von: Karolin Schäfer, Nail Akkoyun

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Die Energiekrise in Deutschland spitzt sich zu. Die Spartipps der regierenden Politikerinnen und Politiker gefallen jedoch nicht allen.

Update vom Samstag, 20. August, 11.00 Uhr: Nur einen Tag nach seinem Vorschlag, den Waschlappen zu nutzen, um Energie zu sparen, erntet der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann reichlich Kritik.

„Wenn der Staat Vorgaben zur Körperpflege macht, dann haben wir ein Niveau erreicht, das schwerlich unterboten werden kann“, sagte etwa FDP-Vize Wolfgang Kubicki der Bild. Denke man Kretschmanns Vorstoß zu Ende, „müsste die vierköpfige Familie sich dann einmal Wasser im Waschbecken teilen, um sich gemäß grüner Energieeinsparvorgaben zu verhalten“.

Winfried Kretschmann (Grüne) hat der Bevölkerung geraten, häufiger zum Waschlappen zu greifen. (Archivfoto)
Winfried Kretschmann (Grüne) hat der Bevölkerung geraten, häufiger zum Waschlappen zu greifen. (Archivfoto) © Arnulf Hettrich/Imago

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert sagte t-online.de: „Ich finde es schräg, wenn Menschen mit fünfstelligem Monatseinkommen anderen erklären, wie man spart.“ Ärmere Menschen wüssten nicht erst seit dem Ukraine-Krieg und der damit verbundenen Energiekrise, wie man im Alltag spart und wie hart dies sei. „Ich kommentiere mein Duschverhalten nicht. Die Hinweise von diversen Politikern und Politikerinnen zu diesem Thema haben in meinem Kopf Bilder ausgelöst, die ich gar nicht haben wollte“, sagte Kühnert.

Kretschmann will Energie sparen: „Der Waschlappen ist eine brauchbare Erfindung“

Erstmeldung vom Freitag, 19. August: Stuttgart – Die Lebenshaltungskosten in Deutschland werden teurer. Nicht nur die Preise für Lebensmittel steigen, auch die Gaspreise schießen derzeit in die Höhe. Dazu kommt die von der Bundesregierung beschlossene Gasumlage, für die Bürgerinnen und Bürger noch tiefer ins Portemonnaie greifen müssen.

Im Netz lassen sich angesichts der Energiekrise unzählige Spartipps finden. Von Heizkörper lüften, bis Temperatur runterdrehen, über Duschwasser auffangen, um die Blumen zu gießen – in nahezu jedem Bereich im Haushalt lässt sich ein bisschen Energie einsparen. Auch Politiker:innen plädieren für mehr Sparsamkeit im Alltag.

Energie sparen: Kretschmann hebt Bedeutung des Waschlappens hervor

Laut Winfried Kretschmann (Grüne), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, lässt sich besonders beim Duschen Energie sparen. „Man muss nicht dauernd duschen. Auch der Waschlappen ist eine brauchbare Erfindung“, erklärte der Grünen-Politiker im Interview mit der Südwest Presse am Donnerstag (18. August).

Kretschmann spare selbst im Alltag. So fährt der Ministerpräsident statt eines Verbrenners ein Elektroauto. Zudem habe er „eine riesige Photovoltaikanlage auf dem Dach. Unser Zuhause ist fast klimaneutral.“ Sein Wasser erhitze Kretschmann seit 25 Jahren zu 70 Prozent mit Solarenergie, auch eine Pelletheizung habe er bestellt. Zudem werde im Eigenheim „in der Regel nur ein Zimmer“ geheizt, informierte der Politiker im Interview.

Energie sparen: Habeck will mit Verordnung Spar-Ziel einhalten

Auch andere Politiker:innen rufen zum Energie sparen auf. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will etwa per Verordnung Gas in der Bundesrepublik einsparen. So soll an der Beleuchtung von öffentlichen Gebäuden, Denkmälern oder Werbetafeln gespart werden, verriet Habeck im Gespräch mit sueddeutsche.de.

Die Verordnung, die Anfang September in Kraft treten soll, sieht vor, öffentliche Gebäude je nach körperlicher Tätigkeit bis maximal 19 Grad zu beheizen. Durchgangsbereiche wie Wartezimmer sollen überhaupt nicht mehr beheizt werden, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen sind davon ausgenommen. Im privaten Raum soll es kaum Vorschriften geben. Lediglich private Pools dürfen nicht mehr mit Strom und Gas beheizt werden. Dennoch ruft Habeck Bürgerinnen und Bürger zum Energie sparen im Alltag auf. Dem Spiegel sagte er, dass er seine persönliche „Duschzeit (...) noch mal deutlich verkürzt“ habe.

Klimawandel und Ukraine-Krieg: Energie sparen als „Bürgerpflicht“

Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, nennt das Energiesparen angesichts des Klimawandels und des Ukraine-Krieges eine „Bürgerpflicht“. „Viele kleine Maßnahmen von Millionen Bürgerinnen und Bürgern können unter dem Strich einen großen Effekt erzielen“, sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Ende Juli. Sie selbst achte „schon seit langem darauf“, Energie und Ressourcen einzusparen.

„Jeder kann etwas bewirken“, sagte Oppositionsführer Christian Baldauf (CDU). „Ich bin ein begeisterter Radfahrer und nehme das Rad öfter auch, um das Auto zu meiden. So halte ich mich nebenbei auch fit.“ Mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach versorge er sein Zuhause mit Strom.

FDP-Politiker sieht Spartipps kritisch

Auch das Umweltbundesamt ruft dazu auf, sparsamer mit Ressourcen umzugehen. „Die beste Energie ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen“, betonte Pressesprecher Felix Poetschke. FDP-Fraktionsvorsitzende Philipp Fernis sieht die Spartipps von Politiker:innen hingegen kritisch. „Die Menschen brauchen keine Spartipps von Politikern. Jeder weiß selbst am besten, wo und wie er im Alltag den eigenen Energieverbrauch reduzieren kann.“ (kas/nak mit dpa)

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