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Wind- und Sonnenkraft voraus

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Von: Joachim Wille

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Windräder bei Bernau (Brandenburg). epd
Windräder bei Bernau (Brandenburg). epd © © epd-bild / Lothar Steiner

In ihrem ersten Jahr baut die Ampel-Regierung die erneuerbaren Energien deutlich aus.

Die Ampel-Bundesregierung hatte sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, den Ausbau der erneuerbaren Energien „drastisch zu beschleunigen“ und den Ökostromanteil von derzeit unter 50 Prozent bis 2030 auf rund 80 Prozent anzuheben. Eine erste Auswertung zeigt nun, dass der Zubau von Solar- und Windkraftanlagen im ersten kompletten Regierungsjahr 2022 tatsächlich deutlich zugenommen hat. Die neu in Betrieb genommenen Anlagen kommen zusammen auf eine Leistung von fast 10 000 Megawatt (MW), wie das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) aus Münster mitteilt. Es hat die vorläufigen Daten aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur analysiert, in dem die Anlagen angemeldet werden müssen.

Das bedeutet: Die erhoffte Trendwende beim Ausbau der Ökoenergien im Stromsektor nach dem Bremserkurs der Merkel-Regierungen nimmt offenbar Fahrt auf. Bei der Solarenergie wurde erstmals seit 2012 wieder die bisherige Spitzenmarke von 7000 MW Zubau überschritten. Aber auch die Windkraft konnte nach dem starken Einbruch in den letzten Jahren mit einem Plus von 2700 MW wieder spürbar zulegen.

Die rot-grüne Bundesregierung hatte im Jahr 2000 mit dem EEG die Grundlage für den Ausbau der Erneuerbaren gelegt. Als die Solarenergie nach schwachem Start ein Jahrzehnt später ungeahnte Zubau-Raten erreichte, trat Schwarz-Gelb unter Merkel hart auf die Bremse, senkte die Einspeisevergütungen und legte einen niedrigen Zubaukorridor von nur noch 2500 MW fest. Der Ausbau brach denn auch nach 2012 ein. Ähnliches passierte später unter den Merkel-Grokos mit der Windkraft, als der Zubau auf Ausschreibungen umgestellt wurde. Hier wurde das absolute Zubau-Tief im Jahr 2020 erreicht. 2021 ging es in beiden Sektoren nun weder spürbar aufwärts.

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Im Solarsektor wurden nach den vorläufigen Daten, die sich noch etwas erhöhen können, Anlagen mit einer Leistung von 7107 MW neu in Betrieb genommen – ein Plus gegenüber 2021 (5707 MW) von rund einem Viertel. Damit wurde der von der Ampel beschlossene Ausbaupfad Photovoltaik von 7000 MW für das Jahr 2022 erreicht. Im Bundesländer-Ranking vorne liegt hier mit Abstand Bayern mit 2072 MW, vor NRW (892), Brandenburg (793), Baden-Württemberg (779) und Niedersachsen (559).

Bei der Windkraft sind solche Zubauraten trotz der besseren Entwicklung noch nicht wieder in Sicht. Im Jahr 2022 gingen laut IWR an Land und Offshore insgesamt 591 Anlagen (2021: 496) mit 2741 MW neu in Betrieb. Damit stieg die Zubauleistung gegenüber dem Vorjahr um 42 Prozent (2021: 1926 MW). Hier schneiden, wie immer in den vergangenen Jahren, die nördlichen Bundesländer besser ab als die im Süden. Die Top drei sind Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg, Schlusslichter sind neben den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg, wo keine neuen Windenergieanlagen errichtet wurden, Bayern, Baden-Württemberg und das Saarland.

Erstmals wieder aufwärts ging es auch mit Offshore. Nachdem 2020 und 2021 keine neuen Anlagen in Nord- und Ostsee ans Netz gingen, änderte sich das im zweiten Halbjahr 2022. Bis Ende 2022 wurden alle 38 Turbinen des neuen Offshore-Windparks Kaskasi mit einer Leistung von 342 MW in Betrieb genommen, angelaufen sind zudem die Arbeiten an zwei weiteren Projekten, Arcadis Ost 1 sowie Baltic Eagle.

Nicht alle diese Erfolge kann sich die neue Bundesregierung auf die Fahnen schreiben, die Offshore-Projekte zum Beispiel wurden weit vor Ampel-Start projektiert. Doch tatsächlich hat sie im ersten Jahr eine Reihe Ausbau-Bremsen gelöst, die einen echten Schub für den Ausbau der Ökoenergien im Stromsektor bewirken können.

Energiewende: Auch bei der Windkraft gibt es Neuerungen

Bei der Photovoltaik hat die Ampel zum Beispiel Kauf und Installation kleinerer Anlagen bis 30 Kilowatt, also die typischen Anlagen für Ein- und Zweifamilien-Häuser, von der Mehrwertsteuer befreit. Das senkt die Kosten hier um fast ein Fünftel. Außerdem wurde die Einspeisevergütung für Dachanlagen deutlich erhöht, und es fielen bürokratische Hürden im Bereich der Steuern und der Netzeinbindung. Bestellungen und Absatz gerade von Hausdach-Anlagen haben im zweiten Halbjahr stark angezogen und dürften es weiter tun.

Auch bei der Windkraft gibt es Neuerungen, die den Ausbau beschleunigen sollen. So gibt es nun die Vorgabe, dass die Bundesländer zwei Prozent ihrer Fläche für Windkraftanlagen ausweisen sollen, sowie höhere Zubau-Ziele für Offshore-Anlagen. Außerdem sollen Genossenschaften hier wieder stärker zum Zuge kommen. Aufgelegt wurde dafür ein Förderprogramm zur Unterstützung der Bürgerenergie, das sie bei den hohen Vorlaufkosten des Windrad-Baus entlastet. Außerdem gibt es für sie eine Befreiung von der Ausschreibungspflicht bis 18 Megawatt. Doch anders als bei der Photovoltaik lässt der nötige steile Aufwind hier on- wie offshore noch auf sich warten. In Ländern wie Bayern kommt der Windkraft-Ausbau nicht in Fahrt, weil Abstandsregeln den Bau neuer Anlagen stark begrenzen, und generell liegen die Genehmigungszeiten für neue Windräder mit vier bis fünf Jahren sehr hoch.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte mit Blick auf die Erneuerbaren im Jahr 2022 kürzlich betont: „Dieses Jahr hat gezeigt, dass wir wirklich vorangekommen sind“. Allerdings sei man mit den Verbesserungen „noch lange nicht durch“. Und zwar gerade bei der Windkraft. Habeck hält hier einen dauerhaften Zubau von zehn Gigawatt pro Jahr für notwendig, um die Klimaziele zu erreichen, also fast viermal so viel wie 2022. „Zehn Gigawatt Zubau pro Jahr sind natürlich eine wirklich hohe Zahl, das haben wir noch nie geschafft in Deutschland.“ Man darf also gespannt sein, wie die Ampel das erreichen will.

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