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Katrin Ebner-Steiner, stellvertretende AfD-Landesvorsitzende in Bayern, während der Wahlparty der AfD.

Landtagswahl in Bayern

AfD will "ideologiefrei arbeiten"

Aber an diesem Wahlabend will die AfD von Misstönen nichts wissen.

Von Marcus Mäckler

Ein kurzes Nicken, als wäre es gar nichts Besonderes. Als die erste Prognose über den TV-Bildschirm im Landtag läuft, steht Bayerns AfD-Chef Martin Sichert an einem Bistrotisch und wirkt, als hätte er sich noch mehr versprochen. „Das ist eine gute Basis“, sagt er dann kurz. Einen Raum weiter ist die Euphorie schon größer: „Jaaa“, ruft ein Parteifreund. „Zweistellig. Alle Ziele erreicht.“

Die AfD ist mit einer kleinen Delegation gekommen, so hatte es der Landtag schon im Vorfeld festgelegt. Zehn Parteivertreter sollten ab 18 Uhr Zutritt zum Maximilianeum bekommen, sofern die Prognose über 4,7 Prozent liegt. Am Ende geht es dann doch etwas schneller. Um 17.34 Uhr betritt die Gruppe um Sichert zum ersten Mal das Gelände des Maximilianeums. Es ist kein großer Triumphzug, eher ein Herantasten ans unbekannte Terrain.

Derjenige, der seine Freude nicht zurückhalten kann, ist der Münchner Uli Henkel. Er ist der einzige in der Gruppe, der als Landtagskandidat angetreten ist. Die meisten anderen Kandidaten sind um 18 Uhr noch in den Wahllokalen, um nachzuprüfen, ob auch richtig ausgezählt wird. Das tun sie wirklich.

Henkel ist keiner der ganz Radikalen in der Partei. Er spricht dem Freien Wähler Hubert Aiwanger seinen Respekt aus und bedauert das miese Abschneiden der SPD. Repräsentativ ist er damit nicht. Vor allem in den letzten Tagen das Wahlkampfes setzte die Partei noch mal dazu an, mit heftigen Worten Wähler-Ängste zu aktivieren. Niederbayerns Spitzenkandidatin Katrin Ebner-Steiner warnte vor der Auflösung der Deutschen. Der Landtagskandidat Andreas Winhart fürchtete sich vor „Negern“, die ihn anhusten.

Aber an diesem Wahlabend wollen sie von Misstönen nichts wissen. Es gehe nun darum, „ideologiefrei zu arbeiten“, sagt Henkel. Am Donnerstag oder Freitag werde sich die Fraktion bilden: Personalentscheidungen werde es aber nicht geben. Überhaupt glaubt Henkel, dass ein „ein eher unbekannter Kollege die Verantwortung in der Fraktion übernimmt“ – und keiner von dene, die sich zuletzt in den Vordergrund gespielt hatten.

Zum Beispiel Franz Bergmüller. Der eher gemäßigte oberbayerische Listenführer und Konkurrent der Niederbayerin Ebner-Steiner hatte sich für das Amt ins Spiel gebracht. Auch er ist am Sonntagabend im Landtag, allerdings auf Einladung eines Fernsehsenders, nicht als Mitglied der AfD-Gruppe. Er scheint eher mittelzufrieden. „Da wären auch 15 Prozent drin gewesen“, sagt er. Aber alles in allem sei es ein gutes Ergebnis.

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