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Ein Erdbeben hat viele Häuser in Onna zerstört. Die Menschen müssen in Zeltlagern leben.

Wehrmacht-Massaker in Onna

Wiederaufbauhilfe statt Reparation

Deutschland weigert sich seit langem, für die Verbrechen der Wehrmacht in der italienischen Stadt Schadenersatz zu leisten. Jetzt besucht die Kanzerlerin den Ort und bringt Mittel für die Erdbebenopfer mit. Von Dominik Straub

Von DOMINIK STRAUB

Die Hauptstraße von Onna heißt Via dei Martiri, Straße der Märtyrer. Sie erinnert an die 17 Zivilisten, die deutsche Soldaten am 11. Juni 1944 erschossen. Im Frühjahr, 65 Jahre nach dem Massaker im Zweiten Weltkrieg, erlitt Onna ein neues Martyrium: Beim Erdbeben vom 6. April wurden 90 Prozent der Gebäude zerstört, 40 der zuvor 280 Einwohner kamen ums Leben.

Es gibt niemanden in Onna, wenige Kilometer südöstlich vom G8-Tagungsort L'Aquila, der nicht den Verlust von Angehörigen oder Freunden zu beklagen hat. Die Überlebenden hausen in einem Zeltlager auf einer großen Wiese am Ortsrand. Der Zivilschutz baut jetzt Holzbaracken, damit die Einwohner den harten Winter in den Abruzzen nicht mehr im Zelt verbringen müssen.

Italienische Gerichte haben die Bundesrepublik mehrfach zu Schadenersatz für Verbrechen der Wehrmacht verurteilt; Deutschland weist dies unter Berufung auf die staatliche Immunität zurück. Als symbolische Wiedergutmachung für das Wehrmachts-Massaker in Onna immerhin konzentriert die Bundesregierung ihre Wiederaufbauhilfe nach dem Erdbeben auf diesen kleinen Ort.

Deshalb wird Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch am heutigen am Mittwochmorgen, kurz vor der offiziellen Eröffnung des G-8-Gipfels in Coppito bei L'Aquila, zusammen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi dem Ort einen Besuch abstatten. Sie treffen Bürgerinnen und Bürger Onnas sowie Vertreter des Technischen Hilfswerks.

Die Konzentration der Hilfe auf Onna geht auf die Initiative des deutschen Botschafters in Rom, Michael Steiner, zurück. Der ehemalige Bosnien-Beauftragte der Bundesregierung und Unmik-Chef im Kosovo hatte sofort nach dem Erdbeben begonnen, deutsche Hilfe aus staatlichen und privaten Mitteln zu mobilisieren.

Steiner war mehrmals in Onna, sprach mit den leidgeprüften Bewohnern, fragte, was sie brauchen. Er hat festgestellt, dass "die Leute gegenüber dem Angebot, die deutsche Hilfe auf Onna zu konzentrieren, sehr aufgeschlossen sind, obwohl das Verbrechen des Jahres 1944 bei allen noch sehr präsent ist".

Deutschland wird sich in erster Linie um den Wiederaufbau der zerstörten Kirche kümmern; Onnas württembergische Partnerstadt Rottweil sowie die Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen beteiligen sich am Aufbau weiterer Gebäude, darunter ein Gemeindezentrum mit Grundschule. Der Bundestag hat bereits drei Millionen Euro für die Hilfe in Onna bewilligt; eine weitere Million hat der VW-Konzern gespendet, mehrere zehntausend Euro sind außerdem an Privatspenden für Onna zusammengekommen.

Er habe schon im ehemaligen Jugoslawien gesehen, dass echte Krisen auch die Chancen bedeuten, "Dinge und Einstellungen zu ändern", sagt Steiner: "Man kann eine böse Geschichte in eine gute Erfahrung verwandeln." Die Bevölkerung von Onna setze große Hoffnungen in die deutsche Hilfe, diese dürfe Deutschland auf keinen Fall enttäuschen.

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