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Wie Sie Geld nachhaltig anlegen und damit das Klima schützen können

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Von: Antje Mathez

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Im sächsischen Lippendorf grenzt ein Solarpark unmittelbar an das Gelände des Braunkohlekraftwerks.
Im sächsischen Lippendorf grenzt ein Solarpark unmittelbar an das Gelände des Braunkohlekraftwerks. © dpa

Ob Fonds, Anleihen oder Aktien: Immer mehr Menschen, die umweltbewusst leben, legen auch bei ihren Investments Wert auf Nachhaltigkeit. Aber nicht alles, was als grün beworben wird, hält einem genaueren Blick stand.

Glaubt man den Umfragen, dann will die Mehrheit der Menschen in Deutschland ihr Geld am liebsten grün anlegen oder tut dies bereits. Die Idee, mit dem eigenen Geld – wenn man denn welches übrig hat – einen aus Umweltgesichtspunkten positiven Einfluss auf die Entwicklung der Wirtschaft zu nehmen, ist im Mainstream angekommen.

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) sprach kürzlich bei der Vorlage seines Jahresberichts gar von einem „historisch“ hohen Zulauf an Anlagegeldern. Das Anlagevolumen privater Anlegerinnen und Anleger verdreifachte sich den Angaben zufolge im Jahr 2021 auf 131,2 Milliarden Euro. Das entspricht einem Wachstum von 230 Prozent. Insgesamt, also inklusive der Gelder der institutionellen Investoren, waren zum 31. Dezember 2021 somit 501,4 Milliarden Euro nachhaltig investiert – 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Das sind beeindruckende (und begrüßenswerte) Zahlen, die aber in Relation zu sehen sind. Denn insgesamt betrachtet ist der Marktanteil grüner Geldanlagen am Gesamtanlagevolumen in Deutschland damit im Jahr 2021 zwar ordentlich gestiegen, liegt aber nach den Zahlen des FNG weiterhin unter zehn Prozent (9,4 Prozent).

Die Zahlen zeigen: Nicht alle Anlegerinnen und Anleger tun auch das, wovon sie sprechen

Auf den ersten Blick ist das ernüchternd. Entweder sind Wort und Tat der Anlegerinnen und Anleger nicht deckungsgleich oder ein Teil ihres Geldes landet nicht wie gewünscht in nachhaltigen Investments.

Für Letzteres spricht eine Studie von Finanzwende Recherche, einer gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Bürgerbewegung Finanzwende. Diese untersuchte Ende vergangenen Jahres 314 Fonds mit einem Volumen von etwa 100 Milliarden Euro. „Das Ergebnis“, so schreiben die Fachleute, „ist ein vernichtendes Zeugnis für den Boom grüner Geldanlagen.“ Vermeintlich nachhaltiges Geld werde tatsächlich kaum anders angelegt als konventionelles.

Weder besonders problematische Unternehmen noch schädliche Sektoren würden bei nachhaltigen Fonds ausgeschlossen, heißt es in der Studie. So lägen über 70 Prozent der nachhaltigen Investitionen in Energie in fossilen Energien, darunter fast 100 Millionen Euro in Kohle. Dafür gibt es einen Begriff: Greenwashing. Es wird eine Wirkung versprochen, die nicht eingehalten werden kann.

Was „Nachhaltigkeit“ sein soll, ist eine Definitionsfrage. Eine allgemeingültige Bedeutung des Begriffs gibt es nicht.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen existiert noch immer keine allgemeingültige Definition davon, was konkret „Nachhaltigkeit“ bedeuten soll. Das hat dazu geführt, dass Emittenten von Wertpapieren im Wesentlichen selbst ihre Anleihen als „grün“ bezeichnen können, eine externe Prüfung findet nicht statt. Die neuen Taxonomie-Regeln der EU sollen das ändern, indem sie festlegen, welche Geldanlagen sich in Zukunft „nachhaltig“ nennen dürfen. Sie sind aber heftig umstritten, da sie Investitionen in Atom und Gas als grün einstufen. Zum anderen ist schlicht die Menge an renditesuchendem Kapital am Markt ein Problem. Es gibt einfach noch nicht genug nachhaltige Anlagemöglichkeiten, die den Namen auch verdienen.

Was also können Anlegerinnen und Anleger tun, die trotz der genannten Unklarheiten nicht länger warten und schon jetzt ihr Geld so einsetzen möchten, dass sie damit Umweltschutz und Ressourcenschonung unterstützen? Zuallererst sollten sie in Ruhe nachdenken: Ganz am Anfang steht, dass sie sich mit grünen Investments auseinandersetzen und für sich klären, welche Ziele sie im Detail mit der Geldanlage verfolgen möchten. Im Folgenden einige Hinweise, die auf diesem Weg hilfreich sein können – in sechs Schritten zur nachhaltigen Geldanlage:

1. Umziehen

Vor der Frage nach der richtigen Geldanlage steht die Frage nach der richtigen Bank. Ziehen Sie mit Girokonto, Depot und Festgeld zu einer nachhaltigen oder ethischen Bank um. Denn die Banken arbeiten mit Ihrem Geld. Nachhaltigkeitsbanken gehen sehr transparent damit um, welche Firmen oder Projekte sie finanzieren und welchen Kriterien diese Firmen dafür genügen müssen. Konventionelle Banken, das hat der aktuelle Klima-Stresstest der Europäischen Zentralbank ergeben, wissen häufig selbst gar nicht so genau, welche Klimarisiken sie in ihren Büchern haben. Nur 20 Prozent der 104 geprüften Banken zögen ein Klimarisiko überhaupt als Variable der Kreditvergabe heran, bemängelte die EZB.

2. Definieren

Sie kommen nicht drum herum, eine Definition festzulegen: Wenn Sie nachhaltig anlegen möchten, müssen Sie sich mit dem Begriff der Nachhaltigkeit auseinandersetzen. Denn in Ermangelung einer allgemeingültigen Definition müssen die eigenen Ansprüche das Kriterium sein. Ist Atomkraft also für Sie ein No go oder betrachten Sie diese als CO2-arme Brückentechnologie, die finanziert werden muss? Wie wichtig ist Ihnen der Schutz von Arbeitnehmer:innen in den Lieferketten? Wie viel Prozent Umsatz darf ein Unternehmen mit fossilen Brennstoffen erwirtschaften? Und wie stehen Sie zum Tierschutz? Orientierung geben können Ratingagenturen oder Nachhaltigkeitslabel wie etwa das FNG-Siegel.

Der GCX-Index

Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben dieses Jahrhunderts. Nachhaltige Geldanlage spielt dabei eine wichtige Rolle, weil sie Kapital und damit Potenzial in die klimapolitisch gewünschte Richtung lenkt.

Der Global Challenges Index (GCX), der 50 internationale Aktien von besonders nachhaltig orientierten Unternehmen umfasst, hat sich seit dem Jahr 2007 im Schnitt deutlich besser entwickelt als etwa der Deutsche Aktienindex. Nachhaltiges Investment, das ist inzwischen unstreitig, lohnt sich.

Die Frankfurter Rundschau begleitet den von der Börse Hannover initiierten Index redaktionell eng. Auf der Themenseite FR.de/gcx bündeln wir die Berichterstattung dazu. Anleger:innen, die in Produkte investieren möchten, die den GCX abbilden, werden fündig bei der BÖAG Börsen AG, der Trägergesellschaft der Börsen Düsseldorf, Hamburg und Hannover. FR

3. Beratung

Den Markt an nachhaltigen oder eben nicht so nachhaltigen Anlagemöglichkeiten zu überblicken, ist schon für Fachleute fast unmöglich. Deshalb: Suchen Sie sich Beratung. Für Banken gelten in dem Zusammenhang seit August neue Richtlinien: Ihre Beschäftigten sind künftig angehalten, das Thema Nachhaltigkeit bei Gesprächen mit ihren Kundinnen und Kunden zu berücksichtigen und deren Wünsche und Vorstellungen festzuhalten. Und noch ein Hinweis: Bei nachhaltigen, ethischen Banken werden die Beraterinnen und Berater nicht danach bezahlt, wie viele neue Produkte sie den Kunden und Kundinnen verkaufen.

4. Fonds

Um ihr Risiko zu streuen, investieren viele Anleger:innen in Fonds, insbesondere in Exchange Trades Funds (ETF). Das sind börsengehandelte Aktienfonds, die bestimmte Wertpapierindizes nachbilden. Das Angebot an nachhaltigen ETF ist mittlerweile sehr groß und sie sind zudem kostengünstig. Aus diesem Grund empfiehlt auch die Stiftung Warentest ETF für die Geldanlage. Allerdings sind nachhaltige ETF nichts für jemanden, der Wert auf eine enge Nachhaltigkeitsdefinition legt. Sie nennen sich zwar „ESG Screened“ („ESG-geprüft“), „ESG Enhanced“ („ESG-verbessert“) oder „ESG Leaders“ („ESG-Vorreiter“). Doch in vielen Fällen ist das schlicht Marketing-Sprech. Die meisten ETF haben sehr laxe Ausschlusskriterien. Da bedeutet „Ex Fossil Fuels“ („ohne fossile Brennstoffe“) nicht etwa, dass es im ETF keine Aktien von Firmen gibt, die auf fossile Energie setzen. Ein Beispiel ist der iShares Global Clean Energy, ein ETF einer Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock aus den USA: In dem Aktienkorb erzeugen 22 der insgesamt 83 Unternehmen Strom auch aus Kohle oder Uran.

Wer nach strengen Nachhaltigkeitskriterien anlegen will, muss also nach den Perlen unter den ETF suchen. Dabei helfen nicht die Selbstdarstellungen der Fonds, sondern unabhängige Tests aus der Fachpresse oder sich im Bereich der aktiv gemanagten Fonds umzuschauen. Der Nachteil: Aktiv gemanagte haben höhere Verwaltungskosten als die passiv gemanagten ETF. Und auch hier muss man genau hinschauen und nachfragen, denn auch aktiv gemanagte Fonds sind nicht vor Greenwashing gefeit, wie der Fall der Deutsche-Bank-Tochter DWS zeigt.

5. Aktien

Wem die Paketlösung eines Fonds zu undurchsichtig ist, kann Aktien von einzelnen nachhaltigen Unternehmen kaufen. Aber auch da ist die Auswahl nicht einfach. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz weist darauf hin, dass Anleger:innen sich in dem Fall mit den einzelnen Firmen beschäftigen müssen. Geschäftsmodell, Umsatz- und Gewinnzahlen sowie der Nachhaltigkeitsbericht sollten studiert und verstanden werden, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird. Und wichtig: nicht nur Aktien von Solar- oder Windkraftunternehmen kaufen, sonst ist das Verlustrisiko zu hoch, Stichwort Diversifizieren.

6. Anleihen

Grüne Anleihen gelten als wichtige Katalysatoren bei der Umstellung der Weltwirtschaft hin zu weniger Kohlenstoffverbrauch. Denn während beim Aktienkauf in der Regel Papiere gehandelt werden, die bereits am Markt im Umlauf sind, also kein frisches Geld für ein Unternehmen bedeuten, verschaffen sich Banken, Unternehmen oder die Öffentliche Hand durch die Ausgabe von Bonds frisches Kapital, das sie gezielt einsetzen können.

Von der Grundstruktur her funktionieren Green Bonds wie andere Anleihen: Für das geliehene Kapital ist bis zum Ende der Laufzeit ein fester Zins zu entrichten. Der Unterschied zwischen Grünen Anleihen und üblichen Obligationen: Bei Green Bonds nutzen die Emittenten das Fremdkapital für Klimaschutz- sowie andere Umweltprojekte. Doch auch hier gilt: Jedes Unternehmen, jede Bank, jedes Land kann die Kriterien für seine „Green Bonds“ selbst bestimmen. So gilt etwa für von China ausgegebene grüne Anleihen, dass die Hälfte des Bond-Volumens in nachhaltige Projekte fließen muss; europäische Green-Bond-Standards schreiben dagegen 95 Prozent vor.

Vorsicht, Risiko: Es gibt unendlich viele als grün beworbene Geldanlagen, etwa ökologische Beteiligungsprojekte, die sich über Crowdfunding-Plattformen finanzieren. Meist geht es darum, für ein Projekt wie den Bau von Solarparks oder die energetische Sanierung von Immobilien Geld von Privatanleger:innen einzusammeln. Es locken zwar hohe Renditen, aber es droht auch ein Totalverlust des eingesetzten Geldes. Denn die sogenannten Nachrangdarlehen, die Anleger:innen an das Projekt vergeben, werden im Fall einer Insolvenz erst nach allen anderen Gläubigern bedient – in der Regel also gar nicht.

Zwei kleine grüne Kunststoffbullen stehen in der Börse in Frankfurt vor der Anzeigetafel mit dem Tagesverlauf des Dax.
Zwei kleine grüne Kunststoffbullen stehen in der Börse in Frankfurt vor der Anzeigetafel mit dem Tagesverlauf des Dax. © dpa

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