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Wie sich Frankreich vorbereitet

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Von: Birgit Holzer

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Kühlendes Fußbad am Louvre in Paris.
Kühlendes Fußbad am Louvre in Paris. © Michel Euler/dpa

In dem Land gibt es einen nationalen Plan, und zwar seit dem Trauma-Sommer 2003.

Das Thermometer steigt vor allem im Süden Frankreichs unerbittlich, stellenweise auf 40 Grad Celsius. Wenn wie derzeit eine Hitzewelle weite Teile des Landes erfasst, ist man vorbereitet: Seit 2004 legt ein nationaler Hitzeplan die zu treffenden Maßnahmen und die Zuständigkeiten fest.

Angestellte der Rathäuser erkundigen sich mit regelmäßigen Telefonanrufen bei besonders gefährdeten Bürger:innen nach deren Wohlergehen. Zu ihnen gehören allein lebende oder gesundheitlich geschwächte Senior:innen, Schwangere, Menschen mit einer Behinderung oder einer chronischen Krankheit, die in entsprechenden Datenbanken vermerkt sind. In den Radio- und Fernsehsendern laufen Spots, die die Menschen daran erinnern, zum Wasserglas zu greifen. Es gibt eine Hitze-Hotline und gekühlte „Frische-Räume“ in den Städten. Obdachlose werden mit Wasser versorgt oder zeitweise untergebracht.

Vom sogenannten Jahrhundert-Sommer ist ein Trauma geblieben. Einer Erhebung des nationalen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung zufolge forderte die extreme Hitze damals binnen weniger Wochen 19 490 Tote in Frankreich, 20 089 in Italien und 70 000 in ganz Europa. Seit 2004 gibt es daher einen Hitzeplan in vier Stufen. Zwischen 1. Juni und 31. August sind die Behörden demnach grundsätzlich in Alarmbereitschaft und fahren Informationskampagnen. Bei Warnstufe drei können die zuständigen Präfekten unter anderem öffentliche Versammlungen verbieten. Im Extremfall wird eine ministerielle Krisenzelle eingerichtet und freiwillige Verstärkung für das medizinische Personal angefordert. Krankenhäuser und Altenwohnheime können Angestellte aus dem Urlaub zurückbeordern.

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