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Frankreich

Le Pen zur Präsidentschaftskandidatin gekürt: Widerstand von rechts

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Marine Le Pen hat sich als Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei inthronisieren lassen – doch hinter den Kulissen brodelt es.

Perpignan - Die bisherige Chefin des „Rassemblement National“ (RN) wurde am Sonntag (04.07.2021) in Perpignan bei einem Parteitag einhellig als Präsidentschaftskandidatin bestätigt. Eine Leistung war das aber nicht: Marine Le Pen war die einzige Anwärterin. Wie geplant gab sie den Parteivorsitz ab, um sich auf die Wahlkampagne konzentrieren zu können. Zum Interimsstellvertreter wurde RN-Jungstar Jordan Bardella gewählt.

Der Jubel der 900 Delegierten wirkte allerdings aufgesetzt. In der Partei herrscht Katerstimmung. Bei den Regionalwahlen im Juni war das RN von 27,7 Prozent im Jahre 2015 auf 19,3 abgesackt. Louis Aliot, RN-Bürgermeister von Perpignan und früherer Lebenspartner Le Pens, erklärte selbstkritisch: „Wir müssen uns fragen, warum unsere Wähler nicht zur Urne gegangen sind. Wir waren offenbar nicht in der Lage, sie für unsere Anliegen zu interessieren.“

Frankreich: Katerstimmung bei Parteitag des „Rassemblement National“ – Kritik an Le Pen

Ein alter Mann hatte die Antwort schon Tage zuvor gegeben: Soeben 93-jährig geworden sagte Jean-Marie Le Pen, der Patriarch der französischen Rechtsextremen, in alter Frische und Boshaftigkeit, seiner Tochter fehle es eben an „Männlichkeit“. „Entweder findet sie zu klaren Positionen zurück – oder sie wird nach und nach ausgelöscht“, sagte der Gründer der französischen „Nationalen“ über Marine, die er nicht mehr beim Namen nennt, seit sie ihn 2015 aus der Partei geworfen hatte.

Lächelt parteiinterne Kritik weg: Rechtspopulistin Le Pen.

Für die 52-jährige Ex-Anwältin ist die Wortmeldung ihres Vaters ein Warnschuss. Auf dem rechten Parteiflügel rumort es, seitdem Marine den Austritt aus der EU und dem Euro auf Eis gelegt und notorische Antisemiten aus dem RN ausgeschlossen hat. Bisher vermochte die Parteichefin Kritiker:innen im Zaum zu halten. Die Wahlschlappe löst nun aber die Zungen.

So hatte der ultrarechte Journalist Eric Zemmour, der auf dem Livesender CNews jeden Abend seine Thesen verbreitet, in den letzten Tagen virulente Kritik an Le Pen geübt: Zwischen ihrem Diskurs zum Islam oder Europa und demjenigen von Macron gebe es „keinen Unterschied mehr“.

„Die Leute sagen sich, sie gibt alles auf, sie verrät alles – und dafür zahlt sie nun den Preis“, führte Zemmour aus. „Marine Le Pen spricht wie Emmanuel Macron, Emmanuel Macron spricht wie Marine Le Pen. Doch je mehr sie sich zur politischen Mitte bewegt, desto mehr entfernt sie sich von den Wählern, denn sie radikalisieren und verhärten sich.“

Marine Le Pen gibt sich kämpferisch: „Diesen Wahlsieg, wir werden ihn uns holen!“

Nun macht der selbst ernannte Vordenker der französischen Rechten sogar Andeutungen, er wolle bei den Präsidentschaftswahlen 2022 antreten. Laut Umfragen käme Zemmour auf 5,5 Prozent der Stimmen. Das wäre ein Achtungserfolg; und vor allem könnte dies Marine Le Pen am Einzug in den zweiten Wahlgang hindern. Zemmour wird zudem von Marine Le Pens Nichte Marion Maréchal unterstützt. Sie ist rechtsnationaler, medialer und verweigerte ostentativ die Antwort, ob sie 2022 „Marine“ wählen würde.

Das macht ganz schön viel Feinde für Marine Le Pen. Ihre Aussichten können sich wieder bessern, aber momentan sind sie nicht gut. Vor allem muss ihr ein Punkt zu denken geben: Der Streit um ihre Nachfolge hat begonnen, bevor Le Pen die Präsidentschaftswahl geschlagen hat.

Bei ihrer Parteitagsrede gab sie sich am Sonntagnachmittag betont optimistisch und „gegen den Fatalismus“ gerichtet. Kämpferisch rief sie aus: „Diesen Wahlsieg, wir werden ihn uns holen!“ Auf die Richtungskämpfe rechts von ihr ging sie nicht ein; umso mehr schoss sie sich auf den „Laxismus“ von Präsident Emmanuel Macron ein. Für den Fall eines Wahlsieges kündigte sie eine Volksabstimmung mit mehreren Fragen zur Immigration an. (Stefan Brändle)

Rubriklistenbild: © VALENTINE CHAPUIS/afp

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