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Ein Iraker, der versucht, in die Al-Arab-Bank in Bagdad zu gelangen, wird von einem US-Soldaten zurückgehalten. Viele Einwohner standen stundenlang Schlange, um irakische 10.000-Dinar-Scheine zu tauschen, die nicht mehr akzeptiert werden.

Widerstand in Irak nimmt zu

Fünf US-Soldaten sterben bei Anschlägen / Täglich zwölf Angriffe auf AlliierteDie Angriffe auf US-Soldaten in Irak halten an: Die Zahl der getöteten Amerikaner erhöhte sich auf 163. Damit schwindet die Hoffnung der US-Militärs, der Tod von Saddam Husseins Söhnen könne die Lage beruhigen. Mehr dazu im Dossier Irak nach dem Krieg

BAGDAD, 27. Juli (rtr/dpa/ap). "Wir sind hier immer noch in der Offensive. In Irak gibt es immer noch einen Krieg", sagte ein US-Militärsprecher am Sonntag in Bagdad. Im Schnitt gibt es rund zwölf Angriffe täglich gegen US-Soldaten. Binnen 24 Stunden kamen am Wochenende allein fünf Soldaten bei verschiedenen Angriffen meist nahe Bagdad ums Leben. Darunter sind auch drei Soldaten, die vor einem Kinderkrankenhaus in Bakuba nördlich von Bagdad ihren Dienst versahen.

US-Regierungsvertreter machen Saddam-Anhänger für die Angriffe verantwortlich. Maskierte Männer hatten im arabischen Fernsehen Rache für den Tod der Saddam-Söhne Udai und Kusai angekündigt. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Angriffe auf die rund 140000 in Irak stationierten US-Soldaten und dem Tod der Saddam-Söhne gibt, wird von vielen Irakern bezweifelt. Die Menschen seien über die weiter schlechten Lebensbedingungen in ihrem Land mit fast täglichen Stromausfällen und einer mangelnden Wasserversorgung mehr als unzufrieden, hieß es.

Bei einer Razzia von US-Soldaten am Sonntagmorgen sei Ex-Diktator Saddam Hussein mit seinem Sicherheitschef offenbar nur knapp entwischt, teilte das US-Militär mit. Nach einem Hinweis von Anwohnern hätten Soldaten drei Häuser in Husseins Heimatstadt Tikrit gestürmt. "Wir haben ihn um 24 Stunden verpasst", sagte Oberstleutnant Steve Russell. Belege für seine Behauptung legte er nicht vor.

In Kerbela, einer den Schiiten heiligen Stadt, in der es bisher kaum zu Widerstand gekommen war, wurde am Sonntag ein Mann beerdigt, den US-Soldaten nach Angaben von Zeugen am Vortag erschossen haben sollen. Eine aufgebrachte Menschenmenge sei von den Soldaten mit Schüssen in die Luft vertrieben worden, berichtete ein Kameramann.

Amnesty International prangerte erneut die Methoden des US-Militärs bei Hausdurchsuchungen und die Behandlung von Gefangenen an. Die US-Armee leitete Ermittlungen gegen vier Soldaten wegen der Misshandlung irakischer Kriegsgefangener ein. Den Männern des 320. Militärpolizei-Bataillons aus Pennsylvania wird vorgeworfen, irakische Soldaten in einem Gefangenenlager brutal geschlagen zu haben. Einige Opfer hätten Knochenbrüche erlitten. Seit dem Einmarsch der Alliierten in Irak starben 6000 bis 7800 irakische Zivilisten.

Derweil hat der Anführer des Abul- Nasr-Clans, zu dem die Familie Saddams zählt, nach eigenen Angaben das US-Militär um die Übergabe der Leichen von Udai und Kusai gebeten. Scheich Mahmud Nada sagte dem arabischen Sender Al Dschasira, die USA hätten die Herausgabe der Toten abgelehnt. US-Regierungsvertreter sagten, sie würden mit dem irakischen Regierungsrat besprechen, was mit den Leichen der Brüder passieren soll.

Nach dem Beschluss des japanischen Parlaments, Soldaten nach Irak zu schicken, ist es nach Ansicht japanischer Kommentatoren ungewiss, wann, wohin und wie viele Truppen Tokio entsenden kann. Diese sollten nur in "sicheren Gebieten" stationiert werden. Das Entsendegesetz gilt bis 2007, kann aber bei Bedarf um vier Jahre verlängert werden.

Deutschland sollte sich nach Ansicht von Bundespräsident Johannes Rau am Wiederaufbau Iraks und an der Demokratisierung des Landes beteiligen. Wenn die UN oder die irakische Regierung darum bäten, "können viele staatliche und nichtstaatliche Organisationen gewiss helfen und natürlich auch viele deutsche Unternehmen", sagte Rau der Welt am Sonntag.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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