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Prost! Robert Habeck und Sigi Hagl, grüne OB-Kandidatin für Landshut.

Die Grünen

Wider alles Pöbeln

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Grüne: In Landshut gibt sich der Norddeutsche Robert Habeck gar keiune Mühe, für ein paar Stunden bayrisch rumzudiffamieren. Der Grünen-Chef gibt sich ganz und gar staatstragend.

Grünen-Chef Robert Habeck fremdelt mit der Tradition des politischen Aschermittwochs. Jedenfalls mochte der Lübecker diesen Eindruck erwecken, als er in Landshut auf die Bühne trat. Die Tradition dieses Tages bestehe im „persönlich Beleidigen, mal deftig Austeilen“, meinte Habeck. Das aber empfinde er in dieser politisch aufgeheizten Zeit als unpassend.

„Wie reden wir Klartext, ohne dem Populismus weitere Munition zu geben?“, fragte Habeck. Seine Rede gab Antwort auf diese Frage: Sie fiel ziemlich staatstragend aus und gipfelte in einer für die Karnevalszeit nicht unbedingt naheliegenden Forderung: „Wir brauchen ein Schutzschild des Anstandes.“

Die Bauern waren’s

Deutschlandverdankt den politischen Aschermittwoch den bayrischen Bauern, die 1580 erstmals zum Viehmarkt in Vilshofen an der Donau zusammenkamen und sich dabei ausgiebig die Mäuler über die Fürsten zerrissen.

1919belebte der Bayrische Bauernbund diese schöne alte Tradition neu und rief zu einer entsprechenden Kundgebung auf. Man darf annehmen: Die just von einer linken Räteregierung „befreiten“ Bayern nutzten den Termin zu wüsten Verbalattacken auf die in Weimar das Reich zusammenhaltenden „vaterlandslosen Gesellen“ (SPD und andere). Den nächsten Aschermittwoch gab es erst 1927 wieder.

1932traten erstmals unterschiedliche Parteien bei dem Termin an, um in Bierzelt-Atmosphäre derbe Polemiken gegen die politischen Gegner loszuwerden. Die NSDAP hatte den größten Zulauf. Nach 1933 war der Aschermittwoch alleinige Plattform der Nazis für Hetze und Hass.

1946belebte die Bayernpartei den demokratischen Aschermittwoch neu, die CSU verhalf ihm ab 1953 zu bundesweiter Bedeutung. Seit 1965 war dann auch die SPD dabei. Inzwischen macht jeder mit: Grüne, FDP, Linke, Republikaner, AfD, Piraten, ÖDP ... (rut)

Gewiss verzichtete auch Habeck nicht auf Kritik am politischen Gegner. Die CSU und ihr Chef Markus Söder kamen dabei erwartungsgemäß schlecht weg: Die Christsozialen – die seien doch bloß „eine große Regionalpartei“. Zudem drückte Habeck sein Misstrauen am Anti-AfD-Kurs der CSU aus, den diese an den Tag legt, seitdem sie bei der Landtagswahl 2018 viele Stimmen an die Grünen verlor. Er frage sich, „ob diese Einsicht einer tiefen Überzeugung folgt oder ob man seine Überzeugung sucht wie am Grabbeltisch beim Black Friday“. Habecks Botschaft war klar: Wer bei den bevorstehenden bayerischen Kommunalwahlen am 15. März für Weltoffenheit und Toleranz stimmen will, der geht lieber auf Nummer sicher und wählt Grün statt CSU-Blau.

Viel wurde im Vorfeld dieses Aschermittwochs von einem Fernduell zwischen Habeck und Söder geschrieben. Schließlich machen die Grünen der CSU ihre Vormachtstellung im Freistaat streitig - Umfragen verorten sie bei 20 Prozent. Doch statt sich dem rhetorischen Schlagabtausch hinzugeben, entsagte Habeck den Erwartungen.

In fast präsidialem Tonfall forderte der Grünen-Chef: „Halten wir Aschermittwochsreden der Zuversicht und nicht der Bepöbelung des politischen Gegners.“

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