WHO, World Vision, Oxfam, Alima, Ärzte ohne Grenzen

Kongo: „Helfer“ vor allem der WHO sollen Frauen missbraucht haben

  • Johannes Dieterich
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Mehr als 50 Kongolesinnen berichten von sexuellem Missbrauch und Erpressungen ausländischer Hilfswerkmitarbeiter. Dafür sollen sie den Frauen Jobs versprochen haben.

  • In der Stadt Beni im Kongo sollen Mitarbeiter von Hilfswerken wie der Weltgesundheitsorganisation WHO Frauen für Jobs zu Sex gezwungen haben.
  • 50 Frauen berichten davon, dass Hilfswerk-Mitarbeiter sie sexuell missbraucht und erpresst haben.
  • Die WHO, World Vision, Oxfam, Alima und die Ärzte ohne Grenzen kündigen interne Untersuchungen an.

Kongo - Die internationale Helferschar hat einen neuen Sexskandal. Experten, die an dem Einsatz gegen den schwersten Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo beteiligt waren, sollen kongolesische Frauen zum Sex gezwungen haben – vor allem indem sie ihnen Job versprachen. Das geht aus Recherchen der UN-Publikation „The New Humanitarian“ sowie der Thomson Reuters Foundation hervor, deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden.

WHO-Mitarbeiter sollen in Beni, Kongo, Frauen Jobs gegen Sex vermittelt haben (Archivbild)

Mehr als 50 Kongolesinnen berichten von sexueller Erpressung durch WHO-Mitarbeiter

Mehr als 50 Kongolesinnen berichteten den Reportern, ein- oder auch mehrere Male von „Helfern“ in der ostkongolesischen Stadt Beni zum Sex genötigt worden zu sein: Hätten sie dem Begehren nachgegeben, seien sie mit Jobs belohnt, im Fall einer Ablehnung gegebenenfalls gefeuert worden. Er und viele seiner Kollegen hätten zahllose ausländische Fachleute und ihre Opfer immer wieder zu Hotels chauffiert, zitieren die Journalisten einen nicht namentlich genannten Fahrer: „Das kam so regelmäßig wie Einkaufen vor.“

Bei der Mehrheit der beschuldigten Männer handelte es sich offenbar um Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation WHO, die beim Kampf gegen die vom August 2018 bis Juni 2020 anhaltenden Ebola-Epidemie federführend war. Andere hätten angegeben, für private Hilfswerke wie World Vision, Oxfam, Alima oder die Ärzte ohne Grenzen tätig zu sein. Auch je ein Mitarbeiter des UN-Migrationswerks IOM sowie des Kinderhilfswerks Unicef sollen an dem Sexskandal im Kongo beteiligt gewesen sein.

Ähnliche Vorgänge wie in Beni wurden in der Vergangenheit immer wieder bekannt: Zuletzt waren Mitarbeitern privater Hilfswerke in Haiti sowie französischen Blauhelmen in der Zentralafrikanischen Republik sexuelle Misshandlung Einheimischer vorgeworfen worden.

WHO-Mitarbeiter im Kongo: „Es gibt nur eine Bedingung für die Beförderung: mit mir zu schlafen“

Eine 25-jährige Reinigungsfrau erzählte den Reportern, sie sei von einem für die WHO arbeitenden Arzt in dessen Haus zitiert worden, angeblich um ihre Beförderung zu besprechen. Nach ihrer Ankunft habe sie der Mann mit den Worten in sein Schlafzimmer gedrängt: „Es gibt nur eine Bedingung für die Beförderung: mit mir zu schlafen.“ Der Frau gelang die Flucht, sie sei jedoch am nächsten Tag entlassen worden, erzählte sie. Eine 32-jährige Kongolesin berichtete von ihrer Enttäuschung, jeden Morgen am schwarzen Brett vor der WHO-Mission feststellen zu müssen, dass sie wieder keinen Job erhalten habe. Bis ihr ebenfalls ein im Auftrag der WHO tätiger Arzt eine Beschäftigung im Austausch gegen Sex versprochen habe. Heute ist die Frau offenbar schwanger.

WHO-Afrika-Regionaldirektorin Matshidiso Moeti: „Anschuldigungen herzzerreißend“ - Interne Untersuchungen angekündigt

Die mit den Fällen in Verbindung gebrachten Hilfswerke kündigten inzwischen interne Untersuchungen an. Die Afrika-Regionaldirektorin der WHO, Matshidiso Moeti, nannte die Anschuldigungen im Kongo „herzzerreißend“. Ihr ganzes Leben habe sie als Frau, Ärztin und Mutter für die Gleichbehandlung der Geschlechter gekämpft, gegen Missbrauch und sexuelle Belästigung: „Ich werde alles tun, um dazu beizutragen, dass die Täter dieser Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden.“

„Wir stolpern von einem Skandal zum nächsten“, klagt dagegen die Abgeordnete des britischen Unterhauses, Sarah Champion: „Und hören dauernd, dass etwas dagegen getan wird. Aber nichts wird getan!“ Die Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Entwicklung fordert die Hilfswerke dazu auf, ihre Mitarbeiter besserer Prüfungen zu unterziehen und den Frauen mehr Macht einzuräumen. (Johannes Dieterich)

Rubriklistenbild: © Jerome Delay/AP/dpa

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