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WHO-Chef kritisiert Fokussierung der Weltgemeinschaft auf Ukraine-Krieg statt Äthiopien

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Von: Sonja Thomaser

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Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO). © Fabrice Coffrini/dpa

Die Welt schenke Schwarzen und weißen Menschen nicht die gleiche Aufmerksamkeit, kritisiert Tedros Adhanom Ghebreyesus im Hinblick auf die Tigray-Krise.

Genf - Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kritisierte die Fokussierung der Weltgemeinschaft auf den Ukraine-Krieg, berichtet die britische Tageszeitung The Guradian. Krisen anderswo, auch in seinem Heimatland Äthiopien, werden nicht gleichwertig berücksichtigt, möglicherweise weil die betroffenen Menschen keine Weißen seien.

Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus stellte die Frage, ob „die Welt dem Leben von Schwarzen und Weißen wirklich die gleiche Aufmerksamkeit schenkt“, da die anhaltenden Krisen in Äthiopien, Jemen, Afghanistan und Syrien nur einen „Bruchteil“ der Besorgnis um die Ukraine hervorgerufen hätten.

Tigray-Krise: Es fehlt an lebensnotwendigen Gütern

Wie der Guardian berichtete, sagte Tedros im vergangenen Monat, es gebe „nirgendwo auf der Erde, wo die Gesundheit von Millionen Menschen stärker bedroht ist“ als in der Region Tigray in Äthiopien.

Seit in Tigray vor drei Wochen ein Waffenstillstand erklärt wurde, hätten rund 2000 Lastwagen in der Lage sein sollen, Lebensmittel, Medikamente und andere lebensnotwendige Güter in das Konfliktgebiet zu bringen, sagte er am Mittwoch (13.04.2022) während einer virtuellen Pressekonferenz aus Genf. Stattdessen seien jedoch nur etwa 20 Lastwagen angekommen.

Ukraine-Krieg: Tedros kritisiert fehlenden Aufmerksamkeit für andere Krisen

„Während wir hier sprechen, verhungern die Menschen“, so Tedros, ehemaliger Gesundheitsminister von Äthiopien und ein ethnischer Tigrayaner. „Dies ist eine der längsten und schlimmsten Belagerungen sowohl durch eritreische als auch durch äthiopische Streitkräfte in der modernen Geschichte.“

Er räumte ein, dass der Krieg in der Ukraine weltweit von Bedeutung sei, fragt aber, ob anderen Krisen genügend Aufmerksamkeit geschenkt werde. „Ich muss unverblümt und ehrlich sagen, dass die Welt die Menschheit nicht auf die gleiche Weise behandelt“, sagte er. „Einige sind gleicher als andere.“

WHO-Chef: „Hoffe, dass die Welt wieder zur Besinnung kommt und alle Menschen gleich behandelt“

Tedros beschrieb die Situation in Tigray laut Guardian als tragisch und fügte an, er „hofft, dass die Welt wieder zur Besinnung kommt und alle Menschen gleich behandelt“.

Er kritisierte auch das Versäumnis der Medien, Gräueltaten in Äthiopien zu dokumentieren. Menschen seien bei lebendigem Leib verbrannt worden. „Ich weiß nicht einmal, ob das von den Medien ernst genommen wurde“.

Äthiopische Regierung unterstellt Tedros „Fehlverhalten“

Anfang dieses Jahres sandte die äthiopische Regierung einen Brief an die WHO, in dem sie Tedros des „Fehlverhaltens“ beschuldigte, nachdem er den Krieg und die humanitäre Krise im Land scharf kritisiert hatte.

Darin heißt es laut Guardian, Tedros nutze sein Büro, „um seine politischen Interessen auf Kosten Äthiopiens voranzutreiben“, und er sei weiterhin ein aktives Mitglied der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Tedros war Äthiopiens Außen- und Gesundheitsminister, als die TPFL die beherrschende Kraft in der Koalition Revolutionäre Demokratische Front der Äthiopischen Völker (EPRDF) war, die Äthiopien bis 2019 regierte. (Sonja Thomaser)

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