Politiker raten insbesondere Behörden von der Nutzung von WhatsApp ab.
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Politiker raten insbesondere Behörden von der Nutzung von WhatsApp ab.

Enthüllt

Nach Enthüllung beim BKA: Politiker warnen vor Nutzung von WhatsApp

  • Nico Scheck
    vonNico Scheck
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Weil das BKA offenbar schon seit Jahren eine Lücke nutzt, um bei WhatsApp heimlich mitlesen zu können, raten jetzt zahlreiche Politiker von der Nutzung der App ab.

  • Eigentlich haben Ermittler keinen Zugriff auf Inhalte aus verschlüsselten Kommunikationskanälen
  • Ein Bericht enthüllt jetzt: Das BKA liest heimlich bei WhatsApp mit
  • Das soll aus Unterlagen aus dem Ermittlungsverfahren gegen Breitscheidplatz-Attentäter Anis Amri hervorgehen

Update von Mittwoch, 22.07.2020, 11.09 Uhr: Die Enthüllungen über das Bundeskriminalamt (BKA) haben einige Digitalpolitiker in Deutschland aufhorchen lassen. BR und WDR hatten am Dienstag berichtet, dass das BKA schon seit Jahren heimlich bei WhatsApp mitlesen kann. Angesichts der offenen Datenschutzfragen raten Digitalpolitiker von der Nutzung des Messengerdienstes WhatsApp ab.

„Wer wirklich sicher kommunizieren will, für den ist WhatsApp offensichtlich auch weiterhin keine Alternative“, sagte der Grünen-Digitalexperte Dieter Janecek dem „Handelsblatt“. Vor allem Behörden riet er davon ab, den zum Facebook-Konzern gehörenden Dienst zu verwenden. „Es sollten nur Anbieter, die strengste Datenschutz- und Sicherheitsstandards gewährleisten, genutzt werden - idealerweise auch europäische Anbieter“, empfahl er. „Innerhalb der Grünen-Bundestagsfraktion verwenden wir beispielsweise Threema aus der Schweiz.“

Auch Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Manuel Höferlin (FDP) stimmten in den Tenor mit ein. Laut Höferlin gibt es eine ganze Reihe von Messenger-Diensten, auch aus Europa, die in Sachen Datenschutz und Datensicherheit „wesentlich besser aufgestellt“ sind als WhatsApp.

BKA liest heimlich bei WhatsApp mit - Eine Lücke im System macht‘s möglich

Erstmeldung von Dienstag, 21.07.2020: Frankfurt - In den Zeiten von Whattsapp ist es für die Sicherheitsbehörden schwieriger geworden, Zielpersonen genau im Blick zu behalten. Die altgedienten Mittel, zum Beispiel per richterlicher Anordnung Telefone anzapfen und SMS mitverfolgen, greifen oft zu kurz.

Telefongespräche abhören und SMS mitlesen reicht nicht mehr. Das Stichwort heißt: Messengerdienste wie WhatsApp. Doch diese sind meist derart verschlüsselt, dass nur Sender und Empfänger die Nachrichten lesen können. Ermittlern bleibt das Nachsehen. Richterliche Anordnung hin, richterliche Anordnung her. Eigentlich.

AnwendungWhatsApp
Erstveröffentlichungsdatum3. Mai 2009
Geschrieben inErlang
EntwicklerWhatsApp Inc. / Facebook Inc
Erscheinungsjahr2009
EigentümerFacebook Inc.
Ursprüngliche AutorenBrian Acton, Jan Koum

Denn laut einem Bericht der Sender WDR und BR greift das Bundeskriminalamt (BKA) auf eine einfache Methode zurück, um eigentlich verschlüsselte WhatsApp-Kommunikation mitzulesen - und das schon seit Jahren.

BKA liest heimlich bei WhatsApp mit: Auch WhatsApp-Kontakte können bekannt gemacht werden

Der Bayerische Rundfunk (BR) zitiert aus einem internen Schreiben der Polizeibehörde: „Das BKA verfügt über eine Methode, die es ermöglichen kann, Text, Video-, Bild- und Sprachkurznachrichten aus einem Whatsapp-Konto in Echtzeit nachzuvollziehen.“ Selbst die Whatsapp-Kontakte einer Zielperson könnten auf diese Weise „bekannt gemacht werden“. Wie das geht? Ermittler machen sich dabei Whatsapp Web zunutze. Diese Funktion ermöglicht es, die App mit dem Webbrowser auf dem Computer zu verknüpfen. Alle Inhalte von WhatsApp werden in einem Browser-Fenster gespiegelt.

Allerdings müssen die Ermittler dafür kurzzeitig Zugriff auf das Mobiltelefon der Zielperson haben, um diesen Schritt durchführen zu können. So hat WhatsApp eine Hürde eingebaut. Wer sich über einen Browser oder die Desktop-Version mit der App verbinden möchte, muss mit der WhatsApp-Anwendung auf dem Smartphone einen QR-Code auf dem Computer-Bildschirm einscannen. Heißt übersetzt: Das Telefon muss entsperrt sein.

BKA liest heimlich bei WhatsApp mit - doch eine entscheidende Frage bleibt offen

Auf Anfrage von WDR und BR wollte sich das BKA am Dienstag zunächst nicht äußern. Die Behörde teilte lediglich mit, dass sie „zu technischen bzw. operativen Ermittlungsfähigkeiten (...), beispielsweise im Bereich der informationstechnischen Überwachung, grundsätzlich keine detaillierten öffentlichen Auskünfte“ erteile.

Unklar bleibt also, wie das BKA die Hürde, das Mobiltelefon zunächst mit dem PC synchronisieren zu müssen, überwindet. Wird auf Schwachstellen auf dem Computer der Zielperson gesetzt? Wird die App mit den eigenen PCs verknüpft? Dabei würde bei der Zielperson in WhatsApp jedoch die Anmeldung eines weiteren Computers in der Liste auftauchen. Die Tarnung der Ermittler wäre damit dahin.

Mitlesen bei WhatsApp? BKA nutzt Methode wohl nur sporadisch

Dass das BKA bei WhatsApp mitlesen kann, sei aus Unterlagen aus dem Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwalts gegen den Terrorverdächtigen Magomed-Ali C. hervorgegangen, berichten WDR und BR. C. gilt als Bekannter des Breitscheidplatz-Attentäters Anis Amri. Darin heißt es allerdings auch, dass die Methode zur WhatsApp-Überwachung durch das BKA bislang kaum eingesetzt werde. Die Begründung: Es sei nur mit einem vergleichbar hohen Aufwand umzusetzen und daher für viele Ermittlungsverfahren nicht praktikabel.

Die Kommunikation bei WhatsApp und einigen anderen Chatdiensten wie etwa Apples iMessage sind mit sogenannter Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt. Nur die beteiligten Nutzer haben Zugriff darauf. Da selbst den Anbietern der Zugriff auf die Inhalte der Kommunikation verwehrt bleibt, können sie entsprechend auch auf Anfrage der Ermittlungsbehörden keine Inhalte herausrücken.

Daher verweisen Sicherheitsbehörden und das Bundesinnenministerium schon seit Jahren darauf, dass eine Überwachung via Kommunikationsdiensten wie WhatsApp für Ermittler möglich sein muss. Das BKA hat offenbar einen Weg gefunden.

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