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AfD-Sprecher Jörg Meuthen fordert die ersatzlose Streichung von jedweder Frauenförderung.

Alternative für Deutschland

AfD wettert gegen Gleichstellung

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Die Alternative für Deutschland beschließt eine mittelalterliche Familienpolitik. Nicht zufällig beginnt die programmatische Neuausrichtung der Partei in Baden-Württemberg, wo der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann regiert.

Alexander Ulfig klagt ein schreiendes Unrecht an. Die Medien, von „Spiegel“ bis „Welt“, hätten berichtet, dass eine 16-jährige Hobbyastrologin einen 560.000 Jahre alten Zahn gefunden habe, empört er sich in der Blogzeitung „Freie Welt“. In Wirklichkeit sei es aber ein 20-jähriger Mann gewesen. Typisch, findet der freischaffende Philosoph und Autor. Da werde nicht nur die Unwahrheit behauptet, sondern die Berichterstattung „in den Dienst des Gender Mainstreamings“ gestellt: „Das Mädchen muss der Finder gewesen sein“; der Junge mit dem sie zusammengearbeitet habe, werde in vielen Berichten gar nicht erwähnt.

Die „Freie Welt“ ist nicht irgendein Blog. Sie gehört zum kleinen Imperium von Internetforen, das Beatrix von Storch gemeinsam mit ihrem Mann Sven von Berlin aus aufgebaut hat. Ehe er gemeinsam mit Bernd Lucke den Kampf um den Kurs der AfD verlor, hat auch Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel hier gern und oft geschrieben. Seit Luckes Abgang ist die 44-jährige Europaabgeordnete stellvertretende Vorsitzende der AfD. Gegen die umfassende Gleichstellungspolitik des Gender Mainstreaming wettert die militante Abtreibungsgegnerin schon seit Jahren. Ohne ihre Hartnäckigkeit wäre das Thema kaum vom Rand ins Zentrum der AfD-Politik gerückt.

Zum Durchbruch verholfen hat ihr nun Jörg Meuthen, seit dem Parteitag im Juli hinter Frauke Petry zweiter Bundessprecher der AfD. In einem einstimmig verabschiedeten Antrag fordert sein baden-württembergischer Landesverband, die Gleichstellungspolitik „als durchgängiges politisches Leitprinzip“ sei „auf allen Ebenen unverzüglich und ersatzlos zu beenden“. Dieser „unzulässigen Eingriff des Staates“ in das Leben der Menschen sei „überdies aus biologischen Gründen zum Scheitern verurteilt“. Das Bundesgleichstellungsgesetz und ähnliche Regelungen wollen der AfD-Chef und seine Freunde aufheben, sämtliche Stellen für Gleichstellungsbeauftragte streichen.

"Eingriff in Kinderseelen"

Nicht zufällig beginnt die programmatische Neuausrichtung der Partei in Baden-Württemberg. Hier regiert der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Hier gibt es in konservativen Kreisen erhebliches Unbehagen über die Reform des Sexualkundeunterrichts durch Grün-Rot. Die CDU-hatte dagegen im vorigen Jahr fast 200.000 Unterschriften gesammelten. An diese Stimmung will die AfD offenbar anknüpfen. Große Teile ihres Parteitagsbeschlusses richten sich gegen diese Politik und bezeichnen es als „sittenwidrigen Eingriff in die Kinderseelen“, wenn im Unterricht zu „sexuellem Experimentieren“ ermutigt werde.

Der neue Kurs findet auch im Osten Anklang. Auf der Homepage der AfD in Thüringen heißt es, aktuell seien „die Themen Asylpolitik und Eurorettung in aller Munde“. Dagegen werde die „Gefahr die der Gesellschaft aus der Richtung des Gender Mainstreaming“ drohe, nur „sehr vereinzelt wahrgenommen.“ Der Brandenburger AfD-Chef und Bundesvize Alexander Gauland hatte sich schon zu Bernd Luckes Zeiten dafür stark gemacht, um konservative Menschen zu werben, die sich von der modernisierten CDU Angela Merkels nicht mehr angesprochen fühlten. Ehe, Familie, Frauenbild und der Umgang mit Homosexualität spielen dabei eine große Rolle. Gauland übt schon mal eine wahlkampftaugliche Formulierung: „Wir leiden an Kindermangel und die Union debattiert über die Homoehe.“

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