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Das Wetter spielt gegen Putin - das Ergebnis ist verrückt

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Von: Joachim Wille

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Dürfte sich über das warme Wetter in Deutschland nicht freuen: Wladimir Putin in Moskau.
Dürfte sich über das warme Wetter in Deutschland nicht freuen: Wladimir Putin in Moskau. © IMAGO/Mikhail Metzel

Zu Beginn des Herbstes hieß es, man müsse frieren für den Frieden. Doch nun schlägt sich das Wetter auf unsere Seite.

Frankfurt – „Frieren für den Frieden.“ Klar, da wollten die meisten mitmachen. In Umfragen hieß seit Wochen: Die Mehrheit der Deutschen möchte Energie sparen, um eine Gasknappheit zu verhindern. Und um Wladimir Putin ein Schnippchen zu schlagen. Manche auch, um was Gutes fürs Klima zu tun. Und viele natürlich, um finanziell überhaupt über den Winter zu kommen.

Aber nun das: Das Wetter schlägt sich auf unsere Seite. Über 20 Grad Ende Oktober, im Südwesten der Republik sogar 25 Grad. Manche, das ist verbürgt, haben die Heizung bis heute noch nicht angestellt. Ende September waren schon mal zwei Pullover übereinander nötig, um die 15, 16 Grad im Wohnzimmer auszuhalten. Aber zuletzt ging es ganz einfach, in einem Warmzeit-Oktober.

Warme Luft aus der Sahara gegen die Kälte des Putin-Regimes

Das Ergebnis ist verrückt – wie so vieles in diesen Zeiten. Der 2022 förmlich explodierte Großhandelspreis für Gas sank wieder, war zeitweise sogar negativ. Die Speicher in vielen EU-Ländern sind voll, und vor den Küsten stauen sich Flüssiggas-Tanker, die ihre Fracht nicht loswerden. Die meisten Gaskunden haben zwar vorerst nichts davon, aber trotzdem: Wer hätte das noch vor kurzem gedacht?

Der ungewöhnlich warme Oktober kann ein Ausreißer sein. Eine Wetterlage, wie man sie sonst aus dem Sommer kennt, schaufelt warme Luft aus der Sahara über Spanien nach Mitteleuropa. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass der Klimawandel dahintersteckt. Tatsächlich häufen sich milde Oktober-Perioden hierzulande. Früher gab es sie vielleicht alle zehn Jahre, heute kommen sie nahezu immer vor.

Das Wetter: Darauf verlassen kann man sich nicht

Bedeutet das, dass man wegen des Klimawandels ohnehin bald keine Heizung mehr braucht? So wie in den Tropen? Natürlich nicht. Das würde erst der Fall sein, wenn die Erderwärmung bereits wirklich katastrophale Ausmaße angenommen hätte. Und das kann niemand wollen, denn dann wären weite Teile der Erde so heiß, dass dort keine Menschen mehr leben könnten – mit ungeahntem Elend und gigantischen Migrationsströmen.

Zudem: Sicher können wir eh nicht sein, dass das Wetter zu uns hält, launisch wie es ist. Das heißt: Der anstehende Winter kann frostig werden, trotz globaler Erwärmung. Oder sogar wegen ihr, nämlich durch die veränderten Strömungsverhältnisse in hohen Luftschichten der Nordhalbkugel, die auch lang andauernde Kälteeinbrüche ermöglichen. Dann wäre doch wieder „Frieren für den Frieden“ angesagt. (Joachim Wille)

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