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Auch im belgischen Liège ist jetzt Land unter. Und wird es immer wieder sein.
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Auch im belgischen Liège ist jetzt Land unter. Und wird es immer wieder sein.

Extremwetterereignisse

Wetter in Zeiten des Klimawandels: Extreme mit Ansage

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Der Klimawandel verstärkt außergewöhnliche Wetterereignisse wie jene Überschwemmungen nach Starkregen, wie man sie nun im Westen Deutschlands und Nachbarländern gesehen hat.

Überschwemmte Straßen, gesperrte Bahnstrecken, vollgelaufene Keller, umgekippte Bäume – Unwetter mit solchen Folgen gab es schon immer. Gerade auch im Frühsommer. Die Monate Juni und Juli sind die typischen Gewittermonate. Was sich in den vergangenen Tagen in einigen Regionen Deutschlands und zuletzt dann in der Eifel abspielte, hat jedoch eine neue Dimension.

Starkregen und Gewitter fallen heute stärker aus

Der Eindruck täuscht nicht: Starkregen und Gewitter fallen heute stärker aus als früher. Dieser Trend ist weltweit nachweisbar, wie ein Team des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung schon 2015 mittels einer Studie nachwies. Danach werden seit etwa 1980 immer neue Rekorde bei extremen Regenfällen festgestellt. Bis dahin hätten sich Schwankungen bei Starkregen-Ereignissen mit natürlichen Faktoren erklären lassen, so die Klimafachleute. Seither aber gebe es aber einen „Aufwärtstrend nie dagewesener Regenfälle“. Dieser sei nur durch den Einfluss der Erderwärmung zu erklären.

Feuchte Regionen besonders betroffen

Laut der Studie sind von jeher feuchte Regionen auf dem Globus besonders stark betroffen. So gab es in Südostasien eine Zunahme bei den Rekord-Regenfällen um 56 Prozent. Aber auch in Europa ist das Phänomen messbar. Hier lag das Plus bei 31 Prozent. Auch Deutschland ist betroffen.

Beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach heißt es: „Die Extremereignisse werden zwar nicht unbedingt häufiger, fallen aber oft stärker aus“, so Sprecher Uwe Kirsche zur FR. Tief „Bernd“, das jetzt die Katastrophen auslöste, ist ein Beispiel dafür. Die verantwortliche Großwetterlage dazu ist das „Tief Mitteleuropa“, das feuchtwarme Mittelmeerluft anzapft.

Unwetter vor allem im Sommer

Laut DWD tritt diese Wetterlage heute deutlich häufiger auf als früher. Sie bringt vor allem im Sommerhalbjahr Unwetter mit Starkniederschlägen. Die meisten Tage mit einem „Tief Mitteleuropa“ wurden bisher 2002, dem Jahr der großen Elbeflut, gezählt. Einer DWD-Studie zufolge gab es solche Wetterlagen um 1950 im Schnitt an acht bis zehn Tagen im Jahr. Inzwischen sind es zwischen neun und 15. Bis 2100 rechnet der Wetterdienst mit einem Anstieg auf eine Spanne zwischen zehn und 17. Wetteramtsmann Kirsche erwartet: „Wir werden uns auf mehr solche Extrem-Wetterlagen einstellen müssen.“

Auch Klimafachleute warnen vor mehr Starkniederschlägen, wenn die globalen Treibhausgasemissionen nicht schnell drastisch heruntergefahren werden. „Es ist wissenschaftlich plausibel, dass heftige Unwetter zunehmen und sich gerade die stärksten Niederschläge noch intensivieren“, sagte Mojib Latif, Professor am Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, der FR. Er schränkt allerdings ein: Die Datenlage sei noch „sehr schlecht, um das mit hoher Sicherheit nachzuweisen“. Bei den Hitzewellen hingegen sei der Zusammenhang mit den Klimawandel schon klar belegt.

Physikalisch ist die Sache ohnehin klar: Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf als eine kältere aufnehmen. Pro Grad Celsius sind es sieben Prozent. Entsprechend stärker können die Niederschläge ausfallen. Hierzulande ist die mittlere Temperatur seit Beginn der Messungen 1881 um 1,5 Grad gestiegen.

„Wir werden uns auf ganz neue Extreme einstellen müssen“

Latif zufolge sagen die Klimamodelle eine weitere Verschärfung voraus. „Dabei ist der Zusammenhang zwischen Lufttemperatur und Energiegehalt der Luft exponentiell. Wir werden uns auf ganz neue Extreme einstellen müssen.“

Wetterfachleute weisen noch auf eine weiteren Trend hin - den zu mehr „stationären“, ungewöhnlich lang anhaltenden Wetterlagen. So dominierte hierzulande in den Sommern 2014 bis 2016 Tiedruckeinfluss, Folge waren in der schwülwarmen Luft häufige Unwetterereignisse. In den Jahren danach gab es dann lang andauernde Hochdrucklagen, die den Dürresommer 2018 und 2019 einen absoluten Hitzerekord - 42,1 Grad in Duisburg-Baerl und in Tönisvorst (beide NRW) - brachten. Der Meteorologe Björn Alexander erläutert: „Wir erleben im Prinzip öfter die zwei extremen Seiten des Sommerwetters: entweder langanhaltende und sich wiederholende Unwetterlagen oder dürreverheißende Hochdruck-Situationen.“

Veränderungen im Jet-Stream

Als Ursache für die häufigeren Dauerlagen hat die Klimaforschung Veränderungen im Jet-Stream ausgemacht. Dieses Starkwindband in der oberen Atmosphäre über der Nordhalbkugel steuert die Abfolge von Hoch- und Tiefdrucksystemen. Man spricht auch von einer „Autobahn für Wettersysteme“. Doch diese Autobahn, deren „Tempo“ von den Temperaturunterschieden zwischen Nordpol und Äquator gesteuert wird, wird wegen der besonders starken Erwärmung der Arktis langsamer. So werden ein paar heiße Tage zur Hitzewelle, und ein „steckengebliebenes“ Tief führt zu Dauerregen. Latif: „Beide Wettersituationen können dadurch länger anhalten und zu noch größeren Schäden führen.“ (Joachim Wille)

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