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Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten  Sabotageakte auf vier Handelsschiffe, die im Golf von Oman geankert hatten.

Krisenherde

Westliche Alliierte sind uneins

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Während die USA eine wachsende Bedrohung durch den Iran sehen, wiegeln Briten ab. Londoner Institut IISS mahnt zu Zurückhaltung.

Eigentlich, sagt Kori Schake, soll es an diesem Vormittag um bereits bestehende Kriege und bewaffnete Auseinandersetzungen gehen. Aber natürlich können die Vize-Direktorin und die Expertinnen des Londoner Strategieinstituts IISS bei der Vorstellung des Jahrbuchs Armed Conflict Survey (ACS) am Mittwoch der aktuellen Frage nicht ausweichen, die Beobachtern unter den Nägeln brennt: Wie brisant ist die Lage am Persischen Golf? Droht der vorläufig noch kalte Krieg zwischen Saudi-Arabien mit seinen Verbündeten USA und Israel einerseits sowie dem Iran und dessen Unterstützergruppen andererseits, zu einem heißen Konflikt zu werden?

Zu den ohnehin gestiegenen Spannungen haben zuletzt zwei Zwischenfälle beigetragen. Zu Wochenbeginn meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Sabotageakte auf vier Handelsschiffe, die im Golf von Oman geankert hatten. Tags darauf bestätigte Saudi-Arabien, zwei der angegriffenen Schiffe stünden unter saudischer Flagge. Die beiden Hauptstädte Abu Dhabi und Riad hüteten sich allerdings davor, dem Nachbarn Iran auf der anderen Seite des Persischen Golfes die Verantwortung zuzuweisen. Teheran distanzierte sich ausdrücklich und warnte vor „Abenteurertum“ in der Region.

Darauf verwiesen auch die IISS-Experten ausdrücklich: Es gebe zu viele Unklarheiten, um sich ein klares Bild zu verschaffen. Immerhin würden alle Seiten „von kriegstreiberischer Propaganda absehen“, analysierte Emile Hokayem. Der Nahost-Spezialist warnte zudem davor, der Selbstbezichtigung jemenitischer Huthi-Milizen für zwei Anschläge auf saudische Ölanlagen unbesehen Glauben zu schenken. Zwar haben die vom Iran geförderten Rebellen gegen die von Saudi-Arabien gestützte Regierung des Jemen bereits mehrfach Ziele im großen Nachbarland mit Drohnen und Raketen angegriffen. Ihre Effizienz steht aber in Zweifel. 

Straße von Hormus im Fokus

Unter westlichen Alliierten bleibt umstritten, wie groß die militärische Bedrohung durch den Iran eigentlich ist. Bereits am Wochenende hatte der britische Außenminister Jeremy Hunt beide Seiten davor gewarnt, „aus Versehen“ eine bewaffnete Auseinandersetzung vom Zaun zu brechen. Am Mittwoch handelte sich der höchste im Nahen Osten stationierte Soldat Großbritanniens dann sogar einen schriftlichen Tadel seiner US-Alliierten ein, weil er gegen die offizielle Nachrichtenlinie des Pentagon verstoßen hatte.

Washington hatte nämlich die Verlegung zusätzlicher Streitkräfte, darunter einen Flugzeugträger und seine Begleitflotte sowie Bombenflugzeuge vom Typ B-52, in die Region mit „verstörenden Nachrichten und Warnungen“ begründet; Analysten vermuteten den israelischen Geheimdienst Mossad als Quelle. Hingegen teilte der britische Generalmajor Christopher Ghika in einer Videokonferenz mit, von einer zusätzlichen Bedrohung durch den Iran und seine verbündeten Gruppen im Irak und in Syrien könne keine Rede sein. Natürlich gebe es in beiden Staaten jede Menge von Milizen, die mit dem Iran zusammenarbeiten: „Wir erkennen von keiner einzigen derzeit eine erhöhte Bedrohung.“ Das mochte das US-Militär nicht auf sich sitzen lassen: Das US Central Command beharrte schriftlich auf „identifizierten glaubwürdigen Gefahren“.

Brisant ist die Krise auf jeden Fall, geht es doch für alle Beteiligten stets auch um die Straße von Hormus, den Zugang zum Persischen Golf. Durch die Schifffahrtsstraße wird ein beträchtlicher Teil des weltweiten Ölbedarfs abgewickelt. Teheran hat bei früheren Streitigkeiten mit der USA immer wieder mit der Sperrung der Straße gedroht. Nach den Genfer Seerechtskonventionen (1962/66) wäre dies erlaubt, nach dem UN-Seerechtsübereinkommen (1994) nicht. Letzteres haben aber weder der Iran noch die USA ratifiziert.

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