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Wer sprengt Kachowka?

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Von: Peter Rutkowski

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Staumauer des Wasserkraftwerks Kachowka. imago Images
Staumauer des Wasserkraftwerks Kachowka. imago Images © Imago/SNA

Kämpfe im Süden der Ukraine: Ein Wasserkraftwerk vor Cherson ist wohl nach dem AKW Saporischschja die nächste zivile Infrastruktur die zu einem Fokus der Gefechte werden könnte.

Um die Frage aus dem Titel gleich zu beantworten: Vorzugsweise niemand. Wobei man einschränken muss: In den Reihen der russischen Invasionstruppen dienen derartig viele unsichere Kantonisten, dass die Wahrscheinlichkeit einer Sprengung der Dnepr-Staustufe bei der eigens für sie in den 50er Jahren erbauten Stadt Nowa Kachowka durch die Besatzer größer ist.

Ähnlich dem AKW Saporischschja zuvor, häufen sich in jüngster Zeit die gegenseitigen Beschuldigungen, die Ukraine würde durch Beschuss die Statik der Staumauer gefährden und russische Pioniere verteilten Sprengsätze (oder tschetschenische oder separatistische oder Wagner-Söldner oder ...). Je nachdem, wie weit die ukrainischen Truppen gerade von Nordost her vorrücken, bei ihrer langsamen Befreiung der Oblast Cherson.

Nach dem von fliehenden Russen schon anderswo benutzten Prinzip der „verbrannten Erde“ wäre eine Sprengung durch sie logisch, so sie vor den Ukrainern weichen müssen. Dann würden die 18,2 Milliarden Kubikmeter Wasser im Kachowker Stausee in den letzten Abschnitt des Dnepr rasen, durch Cherson hindurch und über das Flussdelta ins Schwarze Meer. Für die zahlreichen Siedlungen am Dnepr und die vielleicht noch 200 000 Menschen in der Großstadt Cherson wäre das eine Katastrophe, deren Schäden nur langfristig beseitigt werden könnten. Für die Ukraine würde der Ausfall von Kachowka eine weitere Reduzierung ihrer ohnehin schon prekären Energieinfrastruktur bedeuten. Kachowka wäre nicht kriegsentscheidend – aber ein Kriegsverbrechen.

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