Spanien

„Wenn wir fallen, fällt das System“

  • schließen

Die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus bringt Spanien an den Rand der Belastbarkeit.

Notruf per Twitter: „In den Krankenhäusern mit Covid-19 haben wir langsam keine Schutzausrüstung mehr. Bald haben wir keine Betten auf Intensivstationen mehr. Die Antwort auf Covid-19 muss nationale Priorität sein.“ Die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus hat das Gesundheitssystem Spaniens in kurzer Zeit an den Rand seiner Belastbarkeit gebracht. Bis zum Mittwochmittag waren im ganzen Land 2109 Fälle vermeldet worden, 47 Menschen sind bisher gestorben. „Die Gesundheitsdienste stellen sich der Herausforderung – aber unter großem Stress“, sagte Fernando Simón, Spaniens oberster Epidemiologe. Den Stress beschreiben Ärzte und Pflegekräfte mit dramatischen Worten – wie José Ramón Arribas, Autor des Zitats am Anfang. Der Chefarzt für Infektionskrankheiten im Madrider Krankenhaus La Paz-Carlos III ist offizieller Sprecher der Region Madrid in Sachen Coronavirus. Die Epidemie könnte bestenfalls in vielleicht zwei Monaten unter Kontrolle sein, sagte Fernando Simón am Mittwoch, im schlechteren Fall in vier oder fünf Monaten.

„Wir stehen in der ersten Schlachtlinie. Wenn wir fallen, fällt das System“, sagte Julián Ezquerra, Chef der Ärztegewerkschaft AMYTS, der Nachrichtenagentur Efe. „Es gibt nicht genügend Schutzausrüstung für alle.“ Masken und Handschuhe werden unter Verschluss gehalten wie kostbare Medikamente. Zu viele sind schon weggekommen. Das Gesundheitsministerium der Region Madrid hat das nationale Gesundheitsministerium dringend um Nachschub gebeten.

Viele Infizierte in Madrid

Madrid steht im Zentrum der spanischen Covid-19-Epidemie. In der 6,5-Millionen-Einwohner-Region im Herzen des Landes sind bisher 1024 Fälle vermeldet worden, etwa die Hälfte aller Fälle in ganz Spanien. Hier sind 31 Menschen gestorben. Von insgesamt 126 Patienten, die auf einer Intensivstation betreut werden, liegen 102 in Madrider Krankenhäusern. Die konservativ regierte Region Madrid war die erste, die ankündigte, dass ab Mittwoch sämtliche Schulen und Unis für 15 Tage geschlossen werden. Spaniens linke Regierung schreckt vor einschneidenden Maßnahmen wie dieser bisher noch zurück.

Am Sonntag hielt die rechtsradikale Vox eine Großkundgebung ab – am Dienstag stellte sich heraus, dass ihr Generalsekretär Javier Ortega Smith mit dem Virus infiziert ist, nachdem er, wie in Spanien üblich, viel Körperkontakt zu Anhängern gehabt hatte. Öffentliche Sportveranstaltungen hat die Sánchez-Regierung für zunächst zwei Wochen untersagt. Die Regionalregierung Valencias hat gestern – zum ersten Mal seit 1939 – die Fallas abgesagt, eines der größten Volksfeste Spaniens.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion