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Japans Premierminister Fumio Kishida ist der Held der Hotelbranche im Land.
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Japans Premierminister Fumio Kishida ist der Held der Hotelbranche im Land.

Coronavirus

Wenn der Staat in der Corona-Pandemie den Urlaub bezuschusst

  • VonFelix Lill
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In Japan soll der Binnentourismus in der Corona-Pandemie die Verluste der Branche kompensieren. Nicht überall im Land kommt das gut an.

Um die wirtschaftliche Erholung voranzutreiben, habe ich entschlossen, die Go-To-Travel-Kampagne auf sichere Weise wiederaufzunehmen.“ Mit diesem Satz dürfte sich Fumio Kishida Anfang November zum Helden der Hotelbranche gemacht haben. Erst einen knappen Monat zuvor hatte der konservative Politiker das Amt des Premierministers angetreten. Schon machte er dem Gastgewerbe dieses Riesengeschenk mit dem eigentümlichen Namen „Go-To-Travel“.

Dass dieser Anglizismus falsches Englisch ist, überhören die Hotelbetreiber:innen Japans vermutlich gern. Seit Beginn der Pandemie kämpft die Branche ums Überleben. Für sie klingt der Begriff „Go-To-Travel“ daher weniger wie ein misslungener Versuch der Regierung, originell und international zu wirken, als nach barem Geld. Denn unter diesem Motto bezahlt der japanische Staat die Menschen dafür, quer durchs Land zu reisen, auswärtig zu übernachten, zu essen und zu shoppen.

Funktionieren soll der ungewöhnliche Schritt folgendermaßen: Wer innerhalb Japans reist, bekommt pro Übernachtung von bis zu 10 000 Yen (78 Euro) 30 Prozent der Kosten vom Staat bezahlt. Außerdem erhalten Reisende pro Tag einen Konsumgutschein in Höhe von 3000 Yen an Wochen- und 1000 Yen an Wochenendtagen.

Corona-Pandemie in Japan: Wachstumsmotor Tourismus kommt zum Erliegen

Für den Staat dürfte es ein teurer Spaß werden. Schon im Sommer vergangenen Jahres, als die japanische Regierung diese Idee zum ersten Mal präsentiert hatte, war für die Subventionskampagne rund eine Milliarde Euro eingeplant. Zu jenem Zeitpunkt hatte das ostasiatische Land gerade eine Infektionswelle überstanden, die Regelungen für das Sozialleben wurden wieder gelockert.

Das Virus in Japan

Was die Regierung nicht deutlich machte, aber offensichtlich war: Die reisenden Japaner:innen sollten das kompensieren, was das Vorgehen der Regierung gegen die Pandemie zunichte gemacht hatte. Sobald sich das Coronavirus auszubreiten begann, schloss der Inselstaat seine Außengrenzen. Was gesundheitspolitisch Sinn ergab, war wirtschaftspolitisch katastrophal. Denn gerade der Tourismus gilt seit Jahren als Wachstumsmotor.

Subventionen für den inländischen Tourismus sollten dies auffangen. Zwar stiegen hier und da die Einnahmen im Gastgewerbe wieder, aber vor allem schossen die Infektionszahlen in die Höhe. Auf großen öffentlichen Druck hin verkündete Yoshihide Suga dann im November vergangenen Jahres: „In Absprache mit Experten haben wir beschlossen, die Kampagne vorerst auszusetzen.“ Suga, der von September 2020 bis Oktober dieses Jahres als Premierminister regierte, musste auch wegen des Misserfolgs dieser Kampagne nach schon einem Jahr von allen Ämtern zurücktreten.

Corona-Pandemie in Japan: Regionen will Reisende locken

Riskiert nun auch sein Nachfolger Fumio Kishida ein frühes Scheitern? Zumindest derzeit steht Japan deutlich besser da als noch vor einem Jahr. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 0,55. Trotz anfänglicher Verspätungen sind mittlerweile gut 77 Prozent der Bevölkerung geimpft. Die nationale „Go-To-Travel-Kampagne“ soll nun Anfang kommenden Jahres wieder beginnen. Um Infektionsausbrüchen vorzubeugen, werden diesmal digitale Impfpässe verlangt.

Einzelne Präfekturen versuchen schon jetzt wieder, mit jeweils eigenen Programmen Reisende anzuziehen. So bietet etwa die Präfektur Kyoto unter dem Banner „Go-To-Eat“ Gutscheine für das Essen in lokalen Restaurants an. Im Frühjahr hatten noch zahlreiche Regionalregierungen entsprechende Kampagnen aussetzen müssen, nachdem die Infektionen einmal mehr gestiegen waren und das Gesundheitssystem gerade in Metropolregionen Kranke abweisen mussten. Seit kurzem aber bezuschusst sogar die Hauptstadt Tokio wieder Reisende.

Für die nationale „Go-To-Travel“-Kampagne können Betriebe derzeit ihre Unterlagen einreichen, um sich für die Subventionen zu registrieren. Aber auch diesmal ist das Vorhaben kontrovers. Kleinere Reiseunternehmen klagen, der Bürokratieaufwand für die Teilnahme sei zu hoch und nur für Konzerne leistbar. Und die vielen Betriebe, die sich auf Auslandstourist:innen spezialisiert haben, müssen ohnehin länger warten. Wie lange, weiß im Moment niemand. Als vor einigen Tagen die Omikron-Variante festgestellt wurde, hat Japan nach zuletzt zaghaften Öffnungen erst einmal wieder die Grenze komplett geschlossen.

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