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Aufbau eines neuen Windrads in Niedersachsen. Inzwischen liefert Windkraft rund ein Viertel des in Deutschland verbrauchten Stroms.

Leserfrage

Wie kann trotz des Widerstands vieler Bürger die Windkraft ausgebaut werden?

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Für die FR-Serie haben Leserinnen und Leser Fragen eingeschickt, wir beantworten sie.

Joachim Wille antwortet:

Die Windkraft galt lange als Zugpferd der erneuerbaren Energien. Sie liefert inzwischen rund ein Viertel des in Deutschland verbrauchten Stroms. Zuletzt ist der Zubau aber eingebrochen: 2019 kamen nur noch Anlagen mit rund einem Gigawatt (GW) Leistung hinzu, in der Spitze waren es 5,3 GW gewesen. Ursachen sind die Umstellung auf Ausschreibungen, langwierige Genehmigungsverfahren und Klagen von Anwohnern. Hinzu kommen in Bundesländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen Abstandsregelungen, die die potenziellen Flächen für neue Windkraftanlagen zusammenschnurren ließen. 

Hier muss angesetzt werden. Denn ohne einen kräftigen Zubau bei den erneuerbaren Energien droht in den kommenden Jahren in Deutschland eine Stromlücke, Importe wären nötig. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Thinktanks Agora Energiewende. Auch die Windkraft muss wieder stärker zulegen, je nach Szenario im Schnitt um rund zwei bis fünf GW pro Jahr. Das ließe sich erreichen. Die große Mehrheit der Bürger steht dem Ausbau positiv gegen, bei einer Umfrage Ende 2019 meinten 82 Prozent, sie sei „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Auch 78 Prozent der Befragten, in deren Wohnumfeld sich ein Windrad dreht, sind mit diesem einverstanden. 

Um die Akzeptanz weiter zu stärken, ist eine frühe und transparente Beteiligung der Betroffenen wichtig, um verträgliche Standorte für die Anlagen zu finden. Um den Gesundheitsschutze der Anwohner zu berücksichtigen, hat das Umweltbundesamt statt pauschaler Abstandregelungen, wie sie auch das Bundeswirtschaftsministerium geplant hat, eine Einzelfallabwägung vor Ort vorgeschlagen. Zudem kommt es darauf an, die betroffenen Anwohner von den Windparks finanziell profitieren zu lassen – etwa durch eine direkte Beteiligung der Kommunen an den Umsätzen der Betreiber, direkte Geldflüssen an die Bürger oder günstigere Stromtarife für sie. 

So genannte Bürgerwindparks, etwa in Schleswig-Holstein, zeigen seit langem, dass das die Beteiligung funktionieren kann. Die Akzeptanz dort ist sehr hoch. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist eine bedarfsgerechte Beleuchtung der Windkraftanlagen, wenn Flugzeuge oder Hubschrauber sich nähern, statt des bisher üblichen Dauerblinkens in der Nacht. Eine aktuelle Gesetzesänderung macht das möglich. Ebenso kommt es auf eine Standortauswahl an, die auf besonders gefährdete Vogelarten Rücksicht nimmt, das sind zum Beispiel Greifvögel.

Diese Frage stellte Jürgen H. Winter aus Schöneck

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