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Religionsfreiheit? Tibetische Mönche (hier in Lhasa) weisen immer wieder auf ihre verzweifelte Lage hin.
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Religionsfreiheit? Tibetische Mönche (hier in Lhasa) weisen immer wieder auf ihre verzweifelte Lage hin.

Tibet

Weniger Tibet, mehr China

  • VonFabian Kretschmer
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Die Kommunistische Partei entwickelt die Region wirtschaftlich und assimiliert es kulturell

Der Besuch war derart heikel, dass die Ankunft Xi Jinpings erst zwei Tage später von den Staatsmedien publiziert wurde. Am Freitag schließlich verbreitete die Nachrichtenagentur Xinhua Videos von Chinas Staatspräsidenten am Flughafen von Nyingchi: Xi wird dort von erratisch jubelnden Massen in traditionell tibetischer Volkstracht begrüßt.

Die Szenen erinnern mit ihrem exzessiven Führerkult auf befremdliche Weise an nordkoreanische Propaganda. Doch historisch ist die Visite in der Unruheregion allemal: Seit 1990 ist schließlich kein chinesischer Staatschef mehr nach Tibet gereist. Auch Xi, der 1998 und zuletzt 2011 zu Besuch kam, tut dies nun erstmalig in seiner Funktion als Präsident. Der Zeitpunkt ist natürlich kein Zufall: Vor 70 Jahren nämlich hat die chinesische Volksbefreiungsarmee Tibet „friedlich befreit“, wie es in der offiziellen Geschichtsschreibung des Landes heißt.

Peking brach schnell den Vertrag

Damals unterschrieb der junge Dalai Lama das sogenannte 17-Punkte-Abkommen, in dem China die Souveränität der Region im Austausch für Autonomie zugesichert wurde. Doch genau wie der Übergabevertrag der einst britischen Kronkolonie Hongkongs hat Chinas Staatsführung auch das Autonomie-Versprechen an Tibet schon bald gebrochen.

1959 schlug die Armee den ersten Volksaufstand blutig nieder und verschärfte seither seine Präsenz. Immer wieder machen Mönche mit Selbstverbrennungen auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam, Exil-Organisationen prangern Verhaftungswellen an. Bis heute ist die Region für ausländische Medienleute nicht zugänglich.

Eine Schnellbahn zum 100. Jährigen Geburtstag der Partei

Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Zhang Yun, einem der führenden Tibetologen Chinas, hält die vergangenen Jahrzehnte in Tibet für ein erfolgreiches Beispiel wirtschaftlicher Entwicklung: Die Partei führte erstmals ein flächendeckendes Gesundheitssystem ein, Schulen, moderne Infrastruktur und Behausungen. Die ökonomischen Errungenschaften haben auch die Staatsmedien beim aktuellen Besuch Xi Jinpings propagiert, allen voran die erste Schnellbahnstrecke in die Provinzhauptstadt Lhasa. Sie war ein „Geschenk der Partei“ zu ihrem eigenen 100-jährigem Gründungsjubiläum.

Was im offiziellen Narrativ jedoch verschwiegen wird, sind die Schattenseiten jener Entwicklung. So wurde wenig Rücksicht auf kulturelle Befindlichkeiten und individuelle Bedürfnisse genommen. Ganze Bergdörfer wurden in tiefergelegene Städte umgesiedelt, auch gegen deren Widerstand.

Wenn die Religion stört, wird sich abgewertet

„Wir wollen nur, dass sie neue Möglichkeiten bekommen, reich zu werden“, sagt Zhang – und wiederholt mantraartig: Reich werden, darum gehe es doch den Leuten. Daran zeigt sich die marxistische Weltsicht der chinesischen Staatsführung, auch wenn ihr staatlich gelenkter Kapitalismus mittlerweile nur mehr wenig mit dem Kommunismus des ideologischen Gründungsvaters zu tun hat. Sie sehen den Menschen vornehmlich durch seine ökonomischen Verhältnisse determiniert, während die ethnische und kulturelle Identität geradezu negiert wird. Die Leute sollen wohlhabend werden; und wenn die Religion dabei hinderlich ist, dann wird sie für rückständig erklärt und mit Repressalien belegt.

Viele der Unterdrückungsmechanismen, die derzeit in der muslimischen Provinz Xinjiang Anwendung finden, wurden ursprünglich in Tibet erprobt. Auch wenn diese dort subtiler umgesetzt werden, sind die Ziele dieselben: absolute Loyalität zur Volksrepublik unter der KP herzustellen und die Kultur und Religion weitestgehend zu „sinisieren“. Sprich: Der tibetische Buddhismus wird auf dem Papier geduldet, doch ist wenig mehr als eine folkloristische Fassade.

Xi als „spiritueller Führer“

Zhang sagt in seiner euphemistischen Sprache: „Es ist wichtig, mit der Zeit zu gehen. Der Buddhismus wurde lokal integriert und an das System angepasst: China ist ein sozialistisches System. Manche Aspekte des Buddhismus passen nicht in das sozialistische System.“

Wie dies ausschaut, zeigte sich bei einer jüngst von der Regierung organisierten Pressereise. Überall prangt in Tibet das Konterfei Xi Jinpings auf Plakaten und Bannern: in Klassenzimmern, über religiösen Stätten und selbst im Schlafzimmer eines tibetischen Mönchs. „Xi Jinping ist mein spiritueller Führer“, sagte damals ein Mönch gegenüber einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters.

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