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Stimmte da die Chemie noch zwischen Union und SPD? Das schwarz-rote Kabinett bei seiner Klausur im April im Schloss Meseberg.

CDU

Weniger Interessenten für Merkel-Nachfolge

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Der Reihe der zwölf möglichen Merkel-Nachfolger dürfte sich bald lichten.

Es wäre ein interessantes Experiment gewesen, den ehemaligen CDU-Generalsekretär zu reaktivieren. Peter Tauber hat für den CDU-Parteivorsitz folgende Assoziation gehabt: „Jetzt fehlt nur noch Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“, twitterte Tauber, jetzt Staatssekretär im Verteidigungsministerium, angesichts der zwölf Kandidaten, die Interesse daran angemeldet haben, Angela Merkel an der Spitze der CDU zu beerben. In dem Kinofilm „Isch kandidiere!“ von 2009 spielt der Komiker Hape Kerkeling einen Außenseiter-Bundeskanzlerkandidaten.

Statt eines Generalsekretärs, der in der CDU-Zentrale einen Komiker als Parteichef empfiehlt, trat allerdings die Noch-Amtsinhaberin Angela Merkel nach der Klausurtagung der CDU-Spitze vor die Presse. Und die blieb sehr nüchtern. Es gebe jetzt zwar zwölf potenzielle Bewerber, dies allerdings bedeute nicht, dass letztlich auch so viele Kandidaten auf dem Parteitag anträten.

Schon beim Schaulaufen an der Parteibasis, den acht Regionalkonferenzen, hat die CDU-Spitze ein erstes Sieb eingebaut: Als Kandidaten vorstellen können sich dort nur CDU-Mitglieder, die von einer der Parteigliederungen von Kreisverband bis Bundesvorstand nominiert worden sind. Zunächst war das am Montag lediglich CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, die von ihrem Landesverband Saarland ins Rennen geschickt wird. Die zwei anderen prominenten Kandidaten, Gesundheitsminister Jens Spahn und Ex-Unions-Fraktionschef Friedrich Merz, kommen beide aus Nordrhein-Westfalen, dürften also vermutlich eher von einem Kreisverband vorgeschlagen werden.

Von den neun übrigen Interessenten haben der Berliner Jura-Student Jan-Philipp Knoop, der hessische Unternehmer Andreas Ritzenhoff und der Bonner Staatsrechts-Professor Matthias Herdegen ihr ernsthaftes Interesse bekundet. Ritzenhoffs Kreisverband Marburg allerdings hat bereits frühzeitig erklärt, die Kandidatur ihres Mitglieds nicht zu unterstützen. Bei einigen der weiteren Bewerber sei noch offen, ob ihr Bewerbungsschreiben mehr sei als eine augenblickliche Laune, hieß es in der CDU. Erwartet wird, dass auf den Regionalkonferenzen letztlich lediglich eine Handvoll Kandidaten auftritt. Ab kommender Woche bis kurz vor dem Parteitag Anfang Dezember sind die Konferenzen angesetzt.

Eine erneute Blockade der Koalitionsarbeit in Berlin, die bereits unter den langen Streitereien der Union über die Flüchtlingspolitik und der wochenlangen Auseinandersetzung über Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen gelitten hatte, wollte Merkel im Vorsitzwechsel ihrer Partei nicht sehen. Auch international müsse es wegen eines solchen demokratischen Prozesses in der CDU „keinerlei Sorge“ geben. „Ich glaube, dass das, was wichtig ist, weitergeht“, sagte Merkel. Die Partei fühle sich dem Koalitionsvertrag verpflichtet. Einhellige Zustimmung des Parteivorstands wollte Merkel zu dieser Aussage wahrgenommen haben – schränkte aber umgehend ein: „Jedenfalls hat sich niemand dagegen ausgesprochen.“

Und einer, dem in Teilen der CDU zumindest zugetraut wird, die Koalition durch harsche Töne oder inhaltliche Schwerpunktsetzung ins Wanken zu bringen, war gar nicht da: Friedrich Merz gehört dem Parteivorstand nicht an, der sich in Berlin zur Parteitagsvorbereitung zurückgezogen hatte. Wie sie als Bundeskanzlerin mit einem Parteivorsitzenden zusammenarbeiten würde, der sich mit seinen Vorschlägen gegen sie stellt, darüber wollte Merkel lieber mal nicht sprechen. Spekulationen seien das, schließlich sei ein Vorsitzender noch gar nicht gewählt.

Zu ihrem Verhältnis zu Merz ließ sie so viel aber dann doch wissen. Sie seien beide politikbegeistert und hätten „immer Lösungen gefunden“. Sie habe jedenfalls keinen Zweifel, dass sie „auch mit Friedrich Merz“ zusammenarbeiten könne – „wenn es sich ergibt“. Sie sei jedenfalls nicht nur bereit, sondern auch gewillt, die gesamte Wahlperiode zu regieren. „Eine Bereitschaft ohne Wille ist mir nicht bekannt“, sagte Merkel. Mitglieder des Parteivorstands berichteten, die Kanzlerin sei so gelöst wie selten zuvor.

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