1. Startseite
  2. Politik

Weniger Auto, kürzere Wege

Erstellt:

Von: Joachim Wille, Friederike Meier

Kommentare

Öfter mal vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen: Damit lässt sich spürbar CO2 einsparen.
Öfter mal vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen: Damit lässt sich spürbar CO2 einsparen. © Imago

Kleinere Fahrzeuge mit Elektroantrieb, weniger Auto fahren und weniger fliegen hilft im Verkehr dem Klimaschutz am meisten. Damit das funktioniert, braucht es aber mehr Radwege, Busse und Bahnen.

Klimaschutz im Verkehr ist überfällig – weltweit und besonders im Autoland Deutschland. Seit 1970 hat sich der Treibhausgasausstoß in diesem Sektor global mehr als verdoppelt, und über 80 Prozent dieser Zunahme wurden vom Straßenverkehr verursacht. Inzwischen gibt es mehr als eine Milliarde Autos auf der Erde, eines pro acht Erdenbürger. Der Thinktank „International Transport Forum“ des Industrieländerclubs OECD geht davon aus, dass sich der Personen- und der Güterverkehr weltweit bis 2050 verdreifachen wird.

Wer in Deutschland lebt, kann im Bereich Mobilität am meisten erreichen, wenn er oder sie weniger Auto fährt. Dadurch kann etwa eine Tonne CO2 pro Jahr eingespart werden, das ist etwa ein Zehntel des CO2-Fußabdrucks in Deutschland. Auch wer statt eines SUV einen Kleinwagen oder ein (möglichst kleines) Elektroauto fährt, spart ein. Am meisten kann natürlich sparen, wer, sofern möglich, ganz aufs Auto verzichtet. Der Öffentliche Nahverkehr und das Fahrrad sind klimafreundliche Alternativen.

Was für den Alltag gilt, gilt selbstverständlich auch für den Urlaub. Der zweite große Hebel im Bereich Verkehr ist nämlich der Verzicht auf Flüge. Wer einmal im Jahr nach New York fliegt, verursacht über zwei Tonnen CO2- wer stattdessen 4 000 Kilometer Bahn fährt, nur einen Bruchteil davon.

Aktiv werden

Zusammentun Wer sich ein Auto teilt, spart Geld und Emissionen. Einen Überblick über Carsharing-Angebote mit Karte gibt es auf der Webseite des Bundesverbands Carsharing.

Kompensieren Wenn eine Flugreise nicht vermieden werden kann, gibt es die Möglichkeit, die durch die Reise verursachten Emissionen zu „kompensieren“. Dadurch werden sie natürlich nicht vermieden, sondern es wird an Klimaschutzprojekte gespendet, die mit dem Geld Emissionen in Höhe der verursachten Emissionen einsparen. Vertrauenswürdige Anbieter sind mit dem „Gold Standard“ ausgezeichnet.

Umsteigen Eine Liste der derzeit förderfähigen Elektroautos gibt es beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa).

Doch damit mehr Einzelpersonen sich klimafreundlich verhalten und zum Beispiel auf den ÖPNV umsteigen, müssen politisch die Weichen gestellt werden. In Deutschland hat der Verkehr seit dem Start der Klimapolitik praktisch nichts zum CO2-Sparen beigetragen. Der Grund: Effizienzgewinne, etwa bei den Motoren, wurden aufgefressen – im Personenverkehr durch schwerere Fahrzeuge. Verkehrswende bedeutet hierzulande bisher vor allem Antriebswende. Die Merkel-Regierungen, aber auch die neue „Ampel“ in Berlin versuch(t)en, CO2-Einsparung schwerpunktmäßig durch den Umstieg vom Verbrenner auf Elektroautos zu erreichen. Der Kauf von reinen E-Pkw, aber auch Hybrid-Pkw (Benzin- plus E-Motor) wird kräftig subventioniert, die Kaufprämie von Staat und Herstellern beträgt bis zu 9000 Euro. Wer diese hohe Förderung kassieren will, muss sich allerdings sputen, ab Ende des Jahres wird sie verringert, und Hybride mit vergleichsweise hohen Emissionen und geringer elektrischer Reichweite fallen teilweise ganz heraus.

Die nötige radikale Klimawende würde jedoch scheitern, wenn versucht würde, die komplette Flotte von 48 Millionen Autos und rund 3,6 Millionen Lkw auf E-Antrieb oder E-Fuels, die mit Ökostrom hergestellt werden, umzustellen; Viele in der Verkehrswissenschaft argumentieren, dass die Zahl der Fahrzeuge sinken muss.

Um das zu erreichen, gibt es eine Reihe Optionen, darunter vor allem der Ausbau der Alternativen Bus und Bahn. Entlastung können auch mehr Homeoffice, das Bilden von Fahrgemeinschaften und das Auto-Teilen („Car-Sharing“) bringen. Moderne Leihsysteme gibt es auch für Fahrräder, E-Roller und E-Tretroller. In den Städten kommt es zudem darauf an, die Bewegungsmöglichkeiten für Fußgänger und Fahrradfahrer zu verbessern, vor allem durch den Ausbau von Rad- und Fußwegen und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit für Autos. Für die Verkehrswende auf dem Land braucht es unter anderem die Reaktivierung stillgelegter Bahnlinien, zudem den Aufbau eines Schnellbus-Systems, das Städte verbindet.

Auch interessant

Kommentare