1. Startseite
  2. Politik

Weniger, aber besser

Erstellt:

Von: Verena Kern

Kommentare

Ein T-Shirt ist bis zu 20.000 Kilometer unterwegs, bis es im Laden liegt.
Ein T-Shirt ist bis zu 20.000 Kilometer unterwegs, bis es im Laden liegt. © Imago

Der Trend zur „Fast Fashion“ befeuert die hohe Umweltbelastung durch Kleidung. Den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, ist aber auch ohne Shopping-Verzicht möglich.

Kleidung macht das Leben schön. Wer hat nicht ein paar Lieblingsstücke im Schrank hängen, die mit angenehmen Erinnerungen verbunden sind? Doch ausgerechnet bei einem unverzichtbaren Alltagsgegenstand wie der Kleidung ist es besonders schwierig, sich umwelt- und klimafreundlich zu verhalten.

Schockierende Zahlen über den gigantischen ökologischen Fußabdruck unserer Kleidung hat bestimmt schon jeder und jede gehört. Dass ein T-Shirt bis zu 20.000 Kilometer unterwegs ist, bis es im Laden liegt. Dass für ein Kilo Kleidung bei der Herstellung dieselbe Menge an Chemikalien eingesetzt und das 60-fache an Wasser verbraucht wird, wobei der exorbitante Wasserbedarf etwa beim Baumwollanbau noch nicht mit eingerechnet ist. Dass der Trend zur „Fast Fashion“ den Textilkonsum auf 40 bis 70 Teile pro Kopf und Jahr hochgetrieben hat, von denen viele nur zwei Mal und ein Fünftel niemals angezogen wird. Dass der enorm gestiegene Lieferverkehr durch Online-Bestellungen und Retouren den Klimaschutz im Verkehrsbereich zusätzlich ausbremst.

Die Klimawirkung dieser Kleiderflut ist schwer zu beziffern. Die Europäische Umweltagentur spricht von 270 Kilo CO2 jährlich pro Person, das Umweltbundesamt von 135 Kilo. Allerdings werden die Emissionen, die bei der Produktion entstehen, den Herstellerländern angerechnet und damit quasi ausgelagert. Um die Klimalast ganz genau zu bestimmen, müsste man den gesamten Lebenszyklus der Kleidung betrachten. Schließlich entstehen auch Treibhausgase, wenn Hosen, Pullover und Schuhe als Müll entsorgt werden – oder bei der Produktion der Pestizide, die auf den Baumwollfeldern landen.

Aktiv werden

Weiterlesen Das Umweltbundesamt gibt Tipps für den nachhaltigen Umgang mit Kleidungstücken:

Kleider tauschen Die eigenen, nicht mehr genutzten Kleidungsstücke mitbringen, die von anderen wieder mitnehmen. Das spart Ressourcen und schon den Geldbeutel. Infos unter kleidertausch.de

Kleidung finden Kleidertausch-Events, Läden mit nachhaltiger Kleidung sowie Unverpackt-Läden zeigt die Greenpeace-Webseite „Reuse-Revolution“ auf einer Übersichtskarte.

Spenden Einen Überblick über seriöse Altkleidercontainer zum Spenden von nicht mehr benötigter Kleidung gibt es auf fairwertung.de

Was kann man nun tun? Umfragen zeigen, dass diese Frage mittlerweile sehr viele Menschen bewegt. Die einfachste Antwort wäre: Man kauft weniger Kleidung. Das ist der Punkt, wo es schwierig wird. Es gibt psychologische Hürden. Die große Mehrheit hält zwar Nachhaltigkeit beim Modekonsum für grundsätzlich wichtig, sieht aber die Modeindustrie in der Pflicht. Sie soll Kleidung anbieten, die Umwelt und Klima weniger belastet als bisher – und die auch ohne großen Aufwand zu finden ist. Derzeit ist das nicht so. Ökologisch produzierte Textilien sind nur ein Nischenprodukt, nach dem man gezielt suchen muss. Ihr Marktanteil lag 2020 nur bei 1,4 Prozent. Ende März hat die EU zwar eine Strategie für nachhaltige Textilien vorgestellt. Doch bis diese wirklich greift, dürfte noch viel Zeit vergehen.

Zudem wird Kleidung, auch das ist ein wichtiger Faktor, nicht zu den „Big Points“ des nachhaltigen Konsums gezählt. Also zu den Bereichen, wo besonders große CO2-Einsparungen möglich sind, wie etwa das Fliegen und der Fleischverzehr. Der Kauf eines T-Shirts fällt viel weniger ins Gewicht als eine Flugreise. Der Verzicht darauf ist subjektiv deshalb auch viel weniger einleuchtend. Es macht ja keinen so großen Unterschied. Bei der riesigen Menge an gekauften Kleidungsstücken allerdings schon.

Doch auch ohne Shopping-Verzicht und tiefgreifende Verhaltensveränderungen lässt sich bei der Kleidung CO2 einsparen. Wer Secondhand-Ware kauft, verlängert die Lebenszeit von Kleidung und schont die Umwelt. Gut 70 Prozent der Deutschen nutzen diese Möglichkeit mindestens zweimal im Jahr. Nicht oder nicht mehr getragene Kleidung kann man für soziale Projekte spenden. Wo und wie, lässt sich beim Netzwerk gemeinnütziger Organisationen FairWertung e.V. erfragen. Auch Leihen ist eine Option, wenn zu einem besonderen Anlass ein Kleidungsstück gebraucht wird, das man sonst nie anzieht. Ein vom Umweltbundesamt zusammengestellter Ratgeber empfiehlt zudem, auf Siegel zu achten, möglichst Textilien mit Biobaumwolle zu kaufen und sich beim Einkaufen für Stücke zu entscheiden, die gut verarbeitet sind – und dann auch repariert werden können, was wiederum die Lebenszeit erhöht und dem Trend zur schnellen Mode entgegenwirkt. „Buy less, buy better“, lautet einer der Tipps. Und: „Behandeln Sie Ihre Lieblingsstücke gut.“

Auch interessant

Kommentare