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Malala Yousufzai wird in Birmingham behandelt.

Anschlag auf Malala

Wenige wagen Solidarität

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Nach dem Anschlag auf die 14 Jahre alte Malala Yousafzai setzt die pakistanische Regierung umgerechnet knapp 800.000 Euro Kopfgeld auf den Sprecher der Taliban aus. Außerdem soll das Mädchen eine "Medaille des Mutes" erhalten.

Pakistans Streitkräfte wollen die Behandlungskosten für die 14-jährige Malala Yousufzai in Großbritannien bezahlen. Pakistans Innenminister Rehman Malik verkündet, seine Regierung habe eine Belohnung von einer Million US-Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen, die vor einer Woche die Schülerin im Schulbus in den Kopf geschossen hatten. Die Tageszeitung Express Tribune in Karachi hat am Dienstag ihre gesamte Meinungsseite mit dem Thema Malala und Terrorismus gefüllt.

Der Mordversuch an der Schülerin hat, so scheint es, einen Ruck durch Pakistan ausgelöst, dessen Einwohner überwiegend Muslime sind. Der Terrorismus durch die eigenen Extremisten wird wieder debattiert. Aber die Juristin Ayesha Ijaz Khan warnt bereits, dass die Ablehnung der Taliban nicht lange anhalten wird: „In der Vergangenheit sind wir, die wir vor der extremistischen Gefahr gewarnt haben, immer als Agenten des Westens beschimpft worden.“

Es spricht einiges dafür, dass sie Recht behält. Die Taliban haben zur Gegenoffensive angesetzt. Malala sei eine Spionin des Westens, und der Islam befehle den Tod von Spionen des Feindes, verbreiteten sie. „Die Scharia sagt, dass selbst ein Kind getötet werden kann, wenn es sich gegen den Islam wendet.“ Die Taliban verkündeten außerdem, dass sie bereits ein neues Mordkommando auf das Mädchen angesetzt hätten, und drohten Medienvertretern mit dem Tod.

Die pakistanischen „Terek e Taliban“-Milizen wissen gut, dass ihre Mordaktionen allenfalls heimliche Unterstützung haben. In der Öffentlichkeit wird auch in Pakistan kaum jemand Killerkommandos befürworten. Deshalb setzen sie auf Einschüchterung. Wie erfolgreich sie damit sind, zeigt sich just in diesen Tagen der laut verkündeten Solidarität mit Malala. Nur eine einzige Partei wagt es nach fast drei Jahrzehnten der systematischen Indoktrination mit konservativen islamischen Prinzipien, noch öffentlich für säkulare Prinzipien einzustehen.

Weder die regierende Pakistan Peoples Party von Präsident Asif Ali Zardari, noch die Oppositionspartei Pakistan Muslim League unterstützen die Kundgebung. Und Ex-Kricketstar Imran Khan, als „schöner Taliban“ verspottet, mochte sich nur mühsam zu dem Eingeständnis durchringen, dass die Täter des Anschlags Taliban gewesen seien.

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