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Wenige Jahre zum Umsteuern beim Klima

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Von: Friederike Meier

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FFF Klimastreik | 24.09.2021
Demonstration von Fridays for Future in Frankfurt © Peter Jülich

Die Zeit, die uns bleibt, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, ist begrenzt. Doch wir wissen, was zu tun ist.

Wenn wir so weitermachen wie bisher, dauert es noch sechs Jahre und zehn Monate, bis die Menschheit so viel fossile Rohstoffe verbrannt hat, dass sich die Welt um durchschnittlich 1,5 Grad erwärmt. Bis wir die Zwei-Grad-Grenze reißen, dauert es beim aktuellen Tempo noch gut 24 Jahre.

Der Thinktank MCC aus Berlin hat diese Zahlen aus den aktuellsten CO2-Budgets des Weltklimarats berechnet. Das sind die Mengen an Kohlendioxid, die die Staaten der Welt noch ausstoßen dürfen, um die jeweiligen Grenzen einzuhalten. Die Budgets sind so kalkuliert, dass die jeweiligen Ziele in zwei Dritteln der untersuchten Klima-Szenarien eingehalten werden. Dafür nehmen die Forscher:innen an, dass wir konstant weiterhin so viel CO2 emittieren wie im Vor-Corona-Jahr 2019.

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Die Ergebnisse bedeuten allerdings nicht, dass wir noch sechs Jahre Zeit haben, um unsere auf fossilen Rohstoffen basierende Wirtschaftsweise zu ändern. Denn dann müssten wir in sechs Jahren schlagartig aufhören, Treibhausgase zu verursachen, was unmöglich ist. Eine weitere Annahme der Forschenden ist, dass sich das Klima genau proportional zur Menge des CO2 in der Atmosphäre erwärmt. Doch wie genau das Klima auf die Emissionen reagiert, wird erst später sichtbar.

Die Botschaft, die dahintersteht: Es muss sich schnell etwas an unserer Wirtschaftsweise ändern. Im Pariser Klimaabkommen hat die Weltgemeinschaft beschlossen, die Erhitzung auf unter zwei Grad zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, eine Erhitzung von 1,5 Grad nicht zu überschreiten. Der Weltklimarat schreibt deshalb in seinem aktuellen Bericht: „Jedes bisschen an Erwärmung zählt.“

Was theoretisch passieren muss, damit die Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad begrenzt werden kann, ist klar. Die Emissionen bei der Energiegewinnung müssen schnell und stark reduziert werden - und das, obwohl der Strombedarf steigen wird. Denn für Elektroautos, Wärmepumpen und viele Energieprozesse wird mehr Strom gebraucht werden.

Bestehende Kohlekraftwerke müssen geschlossen werden, geplante abgesagt, auch aus dem Gas muss die Welt aussteigen. Und natürlich müssen die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden. Besonders günstig und effektiv sind hier Solar- und Windenergie. Außerdem müssen wir Energie viel effizienter als heute nutzen.

Gebäude müssen gedämmt und Städte dichter gebaut werden, sodass beispielsweise Arbeits- und Wohnorte enger beieinander liegen. Im Bereich Mobilität braucht es mehr öffentlichen Verkehr, Verbrenner müssen durch Elektroautos ersetzt werden.

Wenn die Welt so weitermacht wie bisher ...
Die Zeit läuft ab © FR

Der Weltklimarat bezieht zum ersten Mal Entscheidungen von Verbraucher:innen mit ein. Am meisten bringen hier Änderungen der Ernährungsgewohnheiten, wie ein geringerer Fleischkonsum oder auch der Verzicht auf unnötige Autofahrten im Verkehrsbereich.

Keines der Klima-Szenarien, mit denen der Klimawandel auf 1,5 oder zwei Grad begrenzt würde, kommt außerdem ohne Methoden aus, die Kohlendioxid der Atmosphäre wieder entziehen. Dazu zählt die Aufforstung von Wäldern, die Wiedervernässung von Mooren, aber auch die Nutzung von Bioenergie, bei der anschließend das CO2 gespeichert wird, oder direktes „Absaugen“ von CO2 aus der Luft.

Mit den Klimaversprechen, die die Mitgliedsstaaten des Pariser Klimaabkommens bis Ende 2021 bei den Vereinten Nationen eingereicht haben, erwartet der Weltklimarat eine Erderwärmung von 2,1 bis 3,4 Grad bis zum Jahr 2100. Und obwohl auf der Klimakonferenz in Glasgow beschlossen wurde, dass die Versprechen in diesem Jahr erhöht werden sollen, haben das bisher noch nicht viele Länder getan.

Immerhin: Einige größere Staaten wie die USA und Australien haben in diesem Jahr neue Gesetze und Investitionen in Erneuerbare verkündet und seit Jahren werden Erneuerbare günstiger.

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