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Als Ziel der Integrationskurse gilt das Sprachlevel B1.

Integration

Zu wenige Frauen mit Kleinkindern

Die Integrationskurse könnten besser laufen - eine Studie zieht eine Zwischenbilanz.

Integrationskurse sollen Flüchtlinge auf das Leben in Deutschland vorbereiten – vor allem durch das Lernen der Sprache. 61 Prozent derjenigen, die an einem solchen Kurs teilnehmen, schätzen ihre Deutschkenntnisse im Anschluss als gut oder sehr gut ein. Ohne Kursteilnahme sind es lediglich 17 Prozent. Das geht aus einer Untersuchung des Bundesministeriums des Innern und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hervor, die am Dienstag den Zwischenstand der Studie in Berlin vorgestellt haben.

Als Ziel der Kurse gilt das Sprachlevel B1 – das entspricht in etwa dem Englisch-Level deutscher Zehntklässler. Damit sollen Zuwanderer ihren Alltag selbst organisieren können. Die Zahl derjenigen, die dieses Niveau in den sogenannten allgemeinen Kursen erreicht haben, ist zwischen August 2017 und August 2019 von 65 auf 62 Prozent leicht gesunken. Jedoch wird von den Ministerien auch das Erreichen des Levels A2 als Erfolg der Integrationskurse gewertet. Hier hat sich die Zahl im selben Zeitraum von 92 auf 93 Prozent erhöht. Grundsätzlich können die Teilnehmer der Kurse nicht durchfallen – sie erhalten lediglich ein ihrem Sprachniveau entsprechendes Zertifikat.

Vor allem die Zusammensetzung der Teilnehmer an Integrationskursen habe sich von überwiegend EU-Zuwanderern hin zu mehr Flüchtlingen geändert, sagte Forscherin Anna Tissot. Die Voraussetzungen für den Spracherfolg seien bei Flüchtlingen schlechter, da diese ein niedrigeres Bildungsniveau sowie einen niedrigeren Alphabetisierungsgrad hätten.

Hinzu kommen Probleme wie Traumata, die Trennung von der Familie und schlechte Wohnverhältnisse, die das Lernen negativ beeinflussen. Allein 30 Prozent aller neuen Kurse sind Alphabetisierungskurse. Hier sind die Erfolgsquoten besonders gering und zudem sinkend.

Bestimmte Gruppen unter Flüchtlingen nehmen zudem seltener an Kursen teil. Das zeigt sich vor allem im Geschlechtsunterschied. Nur 22 Prozent der Frauen mit Kleinkindern besuchen die Sprachkurse. Bei den Männern sind es 54 Prozent. Um dem entgegenzuwirken, bauen die Ministerien ein Angebot auf, bei dem Kinder während der Kurse professionell betreut werden.

Die Entwicklung fordert besonders die Lehrkräfte in den Sprachkursen heraus. Sie müssten mit unterschiedlichem Lerntempo, Konfliktsituationen sowie einem hohen Beratungsbedarf über den Spracherwerb hinaus umgehen, wie es von den Forschern heißt. Eine Befragte der Studie bezeichnete den Job als „Knochenarbeit“.

Damit die Lehrkräfte besser auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge eingehen können, gibt es Fortbildungen im Bereich Trauma. Dennoch sollten sie nicht therapieren, sondern traumasensibel unterrichten, sagte Corala Cichos, Referatsleiterin im Bamf. Dazu gehöre beispielsweise, keine Familienthemen in den Mittelpunkt zu stellen. Um den Lehrkräften gerecht zu werden, hat das Ministerium das Mindesthonorar für 45 Minuten Unterricht von 23 auf 35 Euro erhöht.

Derzeit gibt es acht verschiedene Integrationskurse in Deutschland – unter anderem für Frauen, Jugendliche, Eltern und eben allgemeine sowie für Analphabeten. Die Kurse sollen die sprachliche und politische Bildung von Zuwanderern fördern. Im Jahr 2018 haben mehr als 200 000 Menschen erstmalig einen der rund 14 500 neu gestarteten Kurse besucht.

Mit der Studie wollen die Ministerien das Angebot fortlaufend evaluieren. Grundlage der Untersuchung sind Daten der Ministerien, eine repräsentative Befragung von Flüchtlingen sowie 22 Interviews mit Lehrkräften sowie Kursteilnehmern. Zukünftig wollen die Forscher wissen, warum Kurse abgebrochen werden und wie nachhaltig das Gelernte ist. Die Evaluation der Integrationskurse läuft noch bis 2022.

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