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Merkel bleibt skeptisch, während Mursi Demokratie verspricht.

Mursi in Berlin

Wenig Verständnis für Besuch in Deutschland

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Die Lage in Ägypten bleibt angespannt. Die Regierung scheint zu ersten Kompromissen bereit.

KairoDie Äypter haben wenig Verständnis für die Deutschlandreise ihres Präsidenten. „Das Land brennt und was macht unser Präsident? Amüsiert sich in Berlin!“, schimpft Amr?Hassan, ein Kioskbesitzer in Kairo. Er kennt die Berichte in Zeitungen wie der staatlichen Al?Ahram. Dort wird die wirtschaftliche Bedeutung des Staatsbesuches herorgehoben. Amr?Hassan besänftigt das nicht. Die Lage am Nil ist zu ernst.

Rund um den Tahrirplatz im Zentrum der Hauptstadt wird noch immer gekämpft. Zwei Menschen kamen dort Sicherheitskreisen zufolge in der Nacht auf Mittwoch durch Schüsse ums Leben. Auch in den Städten am Suezkanal, in denen der Ausnahmezustand gilt, gibt es weiter heftige Auseinandersetzungen.

Die Regierung Mursi scheint zu ersten Kompromissen bereit. Ein Komitee soll die Änderung besonders umstrittener Verfassungsartikel vorbereiten. Dazu sollen auch Vertreter des Oppositionsbündnisses Nationale Heilsfront geladen werden. Aus dem Präsidentenpalast hieß es auch, dass die Regierung unter Ministerpräsident Hischam Kandil nach den Wahlen ausgewechselt werde. Alle im Parlament vertretenen Kräfte sollen dann an der Regierungsbildung beteiligt werden.

Der schwarze Block

Den Menschen auf der Straße reicht das nicht. Für Freitag mobilisiert ein breites Bündnis zum „Freitag des Endes“. Ziel ist Mursis Rücktritt.

Derweil sorgt ein neues Phänomen für große Diskussion. Vor einer Woche tauchten erstmals Filme in Online-Foren auf, in denen schwarz Vermummte ankündigten, gegen die Muslimbruderschaft und die Polizei zu kämpfen. Sie beriefen sich auf die Anti-Globalisierungsbewegung. Im Hintergrund war eine Anarchistenfahne zu sehen. Seither sind die Vermummten auf jedem Protestmarsch dabei.

Seit im Fernsehen Bilder von Maskenträgern gezeigt wurden, die Polizisten beschossen, ist der „schwarze Block“ das Feindbild des Staates. Der Generalstaatsanwalt ordnete die Verhaftung aller Mitglieder an. Ehemals bewaffnete Gruppen wie der „Dschihad“ und die „Gamat al-Islamiya“ gehen weiter: Sie rufen zum Mord an den Vermummten auf. Dabei handelt es sich dabei nicht um eine Organisation mit fester Mitgliedschaft. Vielmehr ist das Tragen schwarzer Masken zu einer Art Mode unter demonstrierenden Jugendlichen geworden.

Die Debatte um den „Schwarzen Block“ zeigt die Verunsicherung in Ägypten. Woher kommt die Gewalt? Sind die Randalierer wirklich nur empörte Jugendliche? Seit längerem gibt es Gerüchte, dass Vertreter des alten Regimes Waffen sammeln, um die Regierung zu stürzen. Andere vermuten, dass die Islamisten selbst die Gewalt eskalieren lassen, damit sie hart gegen die Proteste vorgehen können.

Die Erstürmung des Hotels Semiramis Intercontinental in Kairo hat die Spekulationen weiter befeuert: Wer waren die maskierten, bewaffneten Männer? Wieso kam die Polizei nicht? Die Unsicherheit zeigt, dass die Revolution in Ägypten auch nach zwei Jahren längst nicht beendet ist.

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