Weltweite Betroffenheit

Merkel wünscht baldige Genesung / Bush: "Mann des Mutes und des Friedens" / US-Vermittlungsmission verschoben

Berlin/Washington/Paris (ap). Die Nachricht von der Gehirnoperation des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon hat von den USA bis Japan große Betroffenheit ausgelöst. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas brachte am Donnerstag in einem Telefongespräch mit israelischen Regierungsvertretern seine Sorge über den Zustand des in Narkose versetzten Regierungschefs zum Ausdruck. Bundeskanzlerin Angela Merkel drückte dem 77-Jährigen ihre Anteilnahme aus.

"Meine Gedanken sind in diesen schweren Stunden bei Ariel Scharon und seiner Familie", zitierte ein Regierungssprecher die Kanzlerin. "Ich wünsche ihm von ganzen Herzen baldige Genesung". US-Präsident George W. Bush nannte Scharon einen "Mann des Mutes und des Friedens" und erklärte, er bete gemeinsam mit seiner Frau Laura für den Ministerpräsidenten.

Eine geplante US-Vermittlungsmission zum Streit über die palästinensische Parlamentswahl wurde wegen Scharons Schlaganfall verschoben. Elliott Abrams vom Nationalen Sicherheitsrat der USA und David Welch vom Außenministerium wurden ursprünglich am Donnerstag in Israel erwartet. Sie wollten eine Einigung in dem Streit herbeiführen, ob Einwohner von Jerusalem an der Wahl am 25. Januar teilnehmen dürfen. Die Verschiebung wurde vom Büro des palästinensischen Präsidenten Abbas bekanntgegeben.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac äußerte in einer Erklärung die Hoffnung, "dass der israelische Ministerpräsident die schmerzhafte Prüfung übersteht, die er durchlebt". Er sei mit seinen Gedanken bei Scharon. Dessen Stellvertreter Ehud Olmert, der am Mittwochabend die Regierungsgeschäfte übernahm, sicherte Chirac "die Unterstützung, die Freundschaft und die Solidarität Frankreichs" zu.

Auch der Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger übermittelte Scharon Genesungswünsche. "Der Schweizer Bundesrat und das Schweizer Volk teilen die Sorge des israelischen Volkes und der Regierung über Ihren Gesundheitszustand", schrieb Leuenberger in einem Telegramm.

Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi sagte wegen Scharons Erkrankung seinen für Samstag geplanten Besuch in Israel ab. Er sei besorgt und hoffe, dass Scharon bald wieder gesund werde, erklärte Koizumi. Während seiner Reise wollte der japanische Regierungschef auch mit Abbas zusammentreffen.

Geteiltes Echo in der arabischen Welt

Arabische Beobachter zeigten sich vor allem über die möglichen Folgen der Krise in Israel für die geplante palästinensische Parlamentswahl besorgt. Vereinzelt wurde Scharon für den Abzug aus dem Gazastreifen sogar ausdrücklich gelobt. So würdigte ihn ein palästinensischer Kommentator des Fernsehsenders Al Arabija als "ersten israelischen Staatsmann, der aufhörte, Israel ein Anrecht auf das gesamte palästinensische Land zuzusprechen".

Die palästinensische Abgeordnete Hanan Aschrawi bezeichnete Scharon als durchsetzungsstark und charismatisch, betonte aber zugleich, Israel brauche nun eine Führung, die stärker auf einen Frieden zusteuere. Ein Sprecher der militanten Volksfront für die Befreiung Palästinas Generalkommando (PFLP-GC) bezeichnete Scharons Schlaganfall als "Geschenk Gottes" im neuen Jahr.

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