Amnesty-Bericht zur Todesstrafe

Weltweit weniger Exekutionen

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Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht die Weltgemeinschaft angesicht sinkender Hinrichtungszahlen auf einem guten Weg. Doch einige Länder handeln gegen den Trend.

Auch im vergangenen Jahr sind weltweit Hunderte Menschen hingerichtet worden: Mindestens 657 vollstreckte Todesstrafen in 20 Ländern zählt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem Bericht für 2019. Zum vierten Mal in Folge geht die Gesamtzahl der Exekutionen damit zurück, dennoch wurden 2019 in einigen Ländern mehr Hinrichtungen als bisher beobachtet.

Wegen unzuverlässiger Daten ist China aus der Statistik ausgeschlossen. Amnesty geht allerdings davon aus, dass dort erneut mehr als 1000 mal die Todesstrafe vollstreckt wurde – mehr als in jedem anderen Land. Auch bei weiteren Staaten mit einer hohen Zahl von Hinrichtungen – Iran, Nordkorea und Vietnam – rechnet die Menschenrechtsorganisation mit einer Dunkelziffer. Von den offiziell bekannten Hinrichtungen entfallen 88 Prozent auf Länder im Nahen Osten und Nordafrika.

In 142 Ländern wurde die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis bereits abgeschafft, heißt es in dem Bericht. In mehreren afrikanischen Ländern wie Kenia, Gambia und Simbabwe sei 2019 eine Entwicklung in diese Richtung zu verzeichnen gewesen. Weltweit sank die Zahl der Hinrichtungen seit 2018 um fünf Prozent von 690 auf 657. Zwar wurden 2019 in 56 Staaten neue Todesurteile gerichtlich verhängt, mit 2307 aber weniger als im Vorjahr. Damit sieht die Menschenrechtsorganisation die Staatengemeinschaft auf einem guten Weg zur Abschaffung der Todesstrafe, für die sie sich einsetzt.

Mit Sorge betrachtet Amnesty, dass dem globalen Trend starke Anstiege in mehreren Ländern entgegenstehen: Im Irak hat sich die Zahl der hingerichteten Personen im vergangenen Jahr auf mindestens Hundert fast verdoppelt. Viele der Verurteilten wurden beschuldigt, der Terrororganisation „Islamischer Staat“ anzugehören. Ein starker Anstieg wurde außerdem in Südsudan, Jemen und Saudi-Arabien verzeichnet.

Die saudischen Behörden haben laut Bericht im vergangenen Jahr 184 Menschen – mehr als je zuvor – hinrichten lassen. Mehr als die Hälfte davon waren ausländische Staatsangehörige. Neben Drogendelikten und Mord käme die Todesstrafe dort auch als politische Waffe gegen Oppositionelle der schiitischen Minderheit zum Einsatz: Am 23. April 2019 fand eine Massenhinrichtung von 37 Personen statt, die auf der Grundlage von Geständnissen verurteilt worden waren. Mehrere Knochenbrüche eines Verurteilten während der Einzelhaft legen nahe, dass diese unter Folter abgelegt wurden.

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