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Weltmeister im Dauerherrschen: Äquatorialguineas Staatschef regiert seit 1979

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Von: Johannes Dieterich

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Teodoro Obiang führt Äquatorialguinea seit dem Jahr 1979 quasi diktatorisch. Foto by Samuel OBIANG / AFP.
Teodoro Obiang führt Äquatorialguinea seit dem Jahr 1979 quasi diktatorisch. Foto by Samuel OBIANG / AFP. © Samuel Obiang/afp

Teodoro Obiang Nguema Mbasogo soll es dieses Mal sogar auf 99 Prozent der Stimmen gebracht haben – ein Resultat, das im Rest der Welt nicht gerade auf Glaubwürdigkeit stößt.

Aus Äquatorialguinea, einem Kleinstaat am afrikanischen Golf von Guinea, kommt eine triumphale Nachricht. Dort konnte sich der längstdienende Staatschef der Welt – zumindest in der Kategorie bürgerlicher Amtsinhaber – eine weitere Amtszeit sichern: Hält der 80-jährige Teodoro Obiang Nguema Mbasogo auch diesen Turnus durch, bricht er mit einem halben Jahrhundert an der Staatsspitze endgültig alle Rekorde.

Allerdings hat Obiangs Genugtuung einen Schönheitsfehler. Wurde der Chef der „Demokratischen Partei Äquatorialguineas“ (PDGE) vor 13 Jahren noch mit 95,8 Prozent und bei den Wahlen 2016 mit 93,53 Prozent der Stimmen gewählt, soll er dieses Mal auf 99 Prozent gekommen sein – ein Resultat, das im Rest der Welt nicht auf Glaubwürdigkeit stößt. Obiangs Herausforderer Esono Ondo hatte schon vor den Wahlen am vergangenen Sonntag sein Urteil zu der Abstimmung abgegeben: „Sie ist eine einzige Farce.“

Äquatorialguinea: Wer Glück hat, dem gelingt die Flucht ins Ausland

Kritiker:innen der Dauerherrschaft Obiangs leben gefährlich: Wer Glück hat, dem gelingt die Flucht ins Ausland, andere enden im berüchtigten Black-Beach-Gefängnis oder müssen sich in gezähmter Version wie Ondo mit weniger als einem Prozent der Stimmen begnügen. Bei der Zubereitung der Wahlergebnisse pflegt die regierende PDGE jedenfalls nichts dem Zufall zu überlassen: „Wie man sät, so erntet man“, lautet das Motto des Parteichefs.

In diesem Fall: eher unzutreffend. Denn die ehemalige spanische Kolonie verdankt ihren relativen Reichtum nicht etwa dem weisen Regierungsstil des Autokraten Obiang: Vielmehr wurde in dem Urwaldstaat von der Größe Brandenburgs vor 26 Jahren Erdöl entdeckt. Mit täglich rund 100 000 geförderten Fässern ist Äquatorialguinea der sechstgrößte Erdöl-Produzent des Kontinents.

Äquatorialguinea: Armut statt Ölreichtum

Doch das schwarze Gold kommt auch in Äquatorialguinea nur einem Bruchteil der Bevölkerung zu Gute: Viele müssen weiterhin mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen. Auf der beleuchteten Prunkstraße der Hauptstadt Malabo, die vom Flughafen zu einem Fünf-Sterne-Hotel führt, sind nachts im Schein der Straßenlampen studierende Schülerinnen und Schüler zu sehen, die zu Hause kein Licht zum Lesen haben.

Teodoro Obiang war 1979 durch einen Putsch gegen seinen Onkel an die Macht gekommen, den er dann erschießen ließ. Keiner weinte Francisco Macias Nguema eine Träne nach: Er hatte als blutrünstiger Tyrann gewütet.

Dagegen nimmt sich die anschließende Dauerherrschaft des Neffen fast harmlos aus. Obiang zeigt sich eher an den Schätzen des Landes als am Blut der Bevölkerung interessiert: Keiner bestreitet, dass er viele Petrodollar in seinen Taschen verschwinden ließ. Das wissen nachweislich auch die Mineralölkonzerne: Trotzdem ließen sie nie von ihren Geschäften mit Obiang ab. Dieser nutzte die Zeit, um seine Herrschaft zu zementieren: Er setzte einen Sohn als Stellvertreter ein, machte einen anderen zum Minister und lässt einen Bruder die Armee leiten. So wird sichergestellt, dass Äquatorialguinea wie seit seiner Unabhängigkeit vor 54 Jahren auch nach Obiangs Tod von einem Nguema geführt wird. jod

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