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Greta Thunberg sprach beim UN-Jugendgipfel in New York und unterhielt sich mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Weltklimagipfel

Guterres erhöht den Druck und verschärft die Klimaziele

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Nach den weltweiten Klimaprotesten treffen sich die Regierungschefs zum UN-Sondergipfel in New York. Gefragt sind die besten Ideen zur Rettung der Erde.

Die Zeit, um das Weltklima bei plus 1,5 bis zwei Grad zu stabilisieren, wird immer knapper. UN-Generalsekretär António Guterres treibt das um. Er warnte jüngst: „Wir verlieren das Rennen“. Die Staats- und Regierungschefs, die er für den heutigen Montag zu einem Klimasondergipfel am Sitz der Vereinten Nationen in New York eingeladen hat, sollten deswegen „klare Pläne“ abliefern, wie sie die Klimaschutzambitionen hoch schrauben wollen – und nicht nur wohlfeile Reden. Damit steigt die Spannung. Dass der große Durchbruch schon bei diesem Treffen kommt, ist allerdings unwahrscheinlich.

Verschärfte Klimaziele für die Etappe bis 2030

Guterres hat allen Grund, Druck zu machen. Im Pariser Weltklimavertrag von 2015 ist die 1,5- bis Zwei-Grad-Grenze zwar fixiert. Die bisherigen CO2-Ziele und -Pläne der Staaten der Erde laufen aber auf einen Drei- bis Vier-Grad-Pfad hinaus. Jüngste Berechnungen zeigen, dass die 1,5-Grad-Schwelle ohne zusätzliche Anstrengungen zum CO2-Sparen um das Jahr 2035 und die Zwei-Grad-Grenze etwa 2053 überschritten würden. Bis zum Ende des Jahrhunderts droht dann eine Erwärmung um 3,2 Grad, so die Experten der Website „Climate Action Tracker“ (CAT). Die CO2-Ziele müssten schnell verschärft werden, kommentierte CAT-Experte Bill Hare. Bisher sei es so: „Wir schleichen bestenfalls vorwärts.“

Sie haben es den Mächtigen der Welt vorgemacht: 500 junge Klimaaktivisten diskutierten am Samstag im Beisein von UN-Generalsekretär António Guterres.

Der UN-Generalsekretär hat seinen Appell mit konkreten Forderungen an die Staaten unterlegt: Von 2020 an keine neuen Kohlekraftwerke mehr bauen, CO2-Preis einführen, Auslaufen der Subventionen für Kohle, Erdöl und Erdgas, deutlich verschärfte Klimaziele für die Etappe bis 2030 von mindestens minus 45 Prozent, CO2- und Klimaneutralität bis 2050.

Klimaschutz: Alles schaut auf China

Ungewöhnlich ist, dass bei dem Treffen in New York nicht automatisch alle angereisten Staats- und Regierungschefs sprechen dürfen. Es sind 60 Drei-Minuten-Präsentationen zu den Klimaplänen geplant, aber wer drankommt, soll davon abhängen, wie ehrgeizig diese jeweils sind. „Nur die besten und auf Veränderung zielenden Pläne werden es auf die Bühne schaffen“, erläuterte UN-Vizegeneralsekretärin Amina Mohammed.

Sicher ist schon, dass die Vertreter der notorischen Bremser der Klimapolitik wie die USA, Brasilien und Australien nicht auf dem UN-Event reden werden. Besonders Chinas Auftritt wird hingegen mit Spannung erwartet, nachdem der UN-Sondergesandte für Klimafragen, Luis Alfonso de Alba, die Hoffnungen auf „klare Zusagen“ aus Peking geschürt hatte. Beobachter sind hier allerdings skeptisch. Bislang hat China als weltweit größter Treibhausgasproduzent nur zugesagt, die Emissionen ab 2030 zu senken.

Indien, nach China und USA Nummer drei unter den globalen Einheizern, dämpfte die Erwartungen: Man könne derzeit nur den bestehenden Klimaplan erläutern, hieß es aus Neu Delhi.

Das UN-Hauptquartier in New York. Hier treffen sich die Staats- und Regierungschefs zum Klimasondergipfel.

Doch auch die EU ist noch nicht in der Lage, ein ambitionierteres CO2-Ziel für 2030 als die bisher gültige Reduktion um 40 Prozent gegenüber 1990 anzukündigen; die Gespräche dazu laufen noch. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) allerdings wird in New York den neuen, am Freitag beschlossenen deutschen Klimaplan wohl als wichtigen Fortschritt vorstellen – obwohl er nach Expertenmeinung nicht ausreicht, das nationale CO2-Ziel für 2030 einzuhalten.

Klimaaktivistin Greta Thunberg nahm an dem Gipfel teil

Vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs fand in New York der erste UN-Jugendgipfel für Klimaschutz statt, zu dem die Vereinten Nationen 500 Jugendliche sowie im Klimaschutz engagierte Unternehmer eingeladen hatten. Guterres lobte dort das Engagement der jungen Leute, sie hätten einen „Moment des Wandels“ herbeigeführt, sagte er mit Blick auf die weltweiten „Fridays for Future“-Demonstrationen. Zum Auftakt des Treffens hielt der argentinische Klimaaktivist Bruno Rodríguez eine flammende Rede. „Das Klima und die ökologische Krise sind die politische Krise unserer Epoche, die wirtschaftliche Krise unserer Epoche und die kulturelle Krise unserer Epoche.“ Junge Leute würden von den Politikern oft vertröstet. Die Zeit sei gekommen, „dass wir Anführer werden“, sagte er 19-Jährige. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die ebenfalls an dem Gipfel teilnahm, ergänzte: „Die jungen Leute können nicht aufgehalten werden.“

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