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Karl Grobe wurde 85 Jahre alt.
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Karl Grobe wurde 85 Jahre alt.

Nachruf

Weltensammler mit Herz

Der langjährige FR-Redakteur Karl Grobe ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Ein Nachruf von Wolf Gunter Brügmann.

Ganz ohne Zweifel haben seine Beiträge, die immer pointilistische Detailanalyse und weltpolitischen Weitblick kombinierten, in dieser Republik nachdrücklich zu einer aufgeklärten außenpolitischen Urteilsbildung beigetragen. Die Dramatik von Weltpolitik und das wechselvolle Schicksal von Individuen darin, die Konvulsionen und Umbrüche der Politik, die engagierte Kritik von Despotie und eine beharrliche Orientierung an humanen Zielen; das sind geschichtsmächtige Sachverhalte, die Karl Grobe jahrzehntelang umtrieben und ihn zu gleichermaßen politisch zielgerichteten wie einfühlsamen Essays veranlassten.

So war beispielsweise sein Zugang zu Ostasien niemals nur einer des Intellekts, sondern auch der, wenngleich analytisch eingehegten, politischen Emotion. Gerade aus dieser Kombination resultierten die scharfsinnigen und empathischen Analysen, die in den vergangenen Jahrzehnten vielen Lesern halfen, für sich selbst einen Zugang zu fernen Ländern zu finden.“ So würdigte der renommierte Friedens- und Konfliktforscher Professor Dieter Senghaas den FR-Journalisten Karl Grobe zu seinem 65. Geburtstag. Nun ist Karl Grobe im Alter von 85 Jahren gestorben.

Gut 43 Jahre hat Karl Grobe das außenpolitische Profil der FR geprägt, von 1968 bis Ende 2001 als Redakteur für Außenpolitik und danach noch zehn Jahre als immer wieder gerne in Anspruch genommener Autor.

Bestechend war sein phänomenales Gedächtnis und eine ungeheuer schnelle Auffassungsgabe. „Unvergessen, wie er aus Anlass der so genannten islamischen Revolution in Iran die Ayatollahs der Reihe nach durchdeklinierte, als sagte unsereiner das Abc auf“. So erinnerte sich Brigitte Kols. Das galt gleichermaßen für die Führungskader in der Sowjetunion und in China.

Bestechend auch seine Sprachkenntnisse: Englisch, Russisch, Chinesisch, Französisch, Spanisch. Und seine Leidenschaft, ausländische Zeitungen zu lesen und entfernteste Rundfunksender in Originalsprache zu hören und was ihn interessierte, auch in einem ausgeklügelt organisierten Archiv zu sammeln.

Selbstverständlich hat er auch viele der Länder, über die er schrieb, selbst bereist. Auf einer seiner China-Reisen lernte er 1980 seine Frau Irmgard Hagel kennen. Als viele Jahre später sein Sohn Hein Hagel, der in Vietnam als Agrarfachmann tätig war, eine Vietnamesin heiratete, bot das neue, nun familiäre Anlässe, für Reisen nach Ostasien.

Grobe wurde 1980 an der Uni Hannover mit einer Arbeit über Pekings neue Außenpolitik promoviert („Chinas Weg nach Westen“, 1981). Er veröffentlichte auch Bücher mit ungewöhnlichen Perspektiven, vor allem über China, Vietnam, Russland, Tschetschenien, Irak, Afghanistan, Kosovo.

Als Karl Grobe 2001 formell in Rente ging, schenkte ihm die Redaktion eine gut bestückte Website mit persönlichen Würdigungen und vielen Kommentaren, Glossen, Reportagen und Porträts aus mehr als vier Jahrzehnten, die sie zugleich als ein Stück Geschichtsvermittlung verstand. Als „Abschiedsgeschenk für einen der profiliertesten deutschen Journalisten“.

Was Karl Grobe geleistet hat und wer er war – das ist auf www.karl-grobe.de noch immer nachzulesen.

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