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Ein Greenpeace-Aktivist demonstriert vor der pakistanischen Botschaft in Athen gegen fünf Nuklearwaffentests, die Pakistan kurz zuvor durchgeführt hatte. Archivbild vom 19. Mai 1998).
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Ein Greenpeace-Aktivist demonstriert vor der pakistanischen Botschaft in Athen gegen fünf Nuklearwaffentests, die Pakistan kurz zuvor durchgeführt hatte. Archivbild vom 19. Mai 1998).

Die Welt sitzt weiter auf dem Pulverfass

50.000 Atomsprengköpfe gefährdeten die Welt / Auch Terroristen trachten nach der BombeUS-Chefwissenschaftler Robert Oppenheimer, der "Vater der Atombombe", verfolgte die Zündung der ersten Atombombe aus sicherer Ferne, und ihm ging - wie er danach schilderte - ein Satz aus einer Hinduschrift durch den Kopf: "Nun werde ich der Tod, der Zerstörer der Welt." Schon drei Wochen später wurde das wahr: Amerikanische Atombomben brachten im August 1945 Tod und Grauen nach Hiroshima und Nagasaki.

Von GABRIELE CHWALLEK (WASHINGTON, DPA)

Im Morgengrauen des 16. Juli begann vor 60 Jahren das Atomwaffen-Zeitalter. Ein gewaltiger Atompilz stieg über dem Gelände Alamogordo in der Wüste im US-Bundesstaat New Mexico auf und signalisierte, dass der erste Nuklearwaffentest gelungen war. US-Chefwissenschaftler Robert Oppenheimer, der "Vater der Atombombe", verfolgte die Zündung aus sicherer Ferne, und ihm ging - wie er danach schilderte - ein Satz aus einer Hinduschrift durch den Kopf: "Nun werde ich der Tod, der Zerstörer der Welt." Schon drei Wochen später wurde das wahr: Amerikanische Atombomben brachten im August 1945 Tod und Grauen nach Hiroshima und Nagasaki.

Seitdem sind Nuklearwaffen nicht mehr eingesetzt worden, aber sie haben die Welt stark geprägt. Das Wissen um die apokalyptische Wirkung wurde über Jahrzehnte zur Grundlage eines Sicherheitskonzepts, das auf einem "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion beruhte: der Anhäufung immer modernerer Atomwaffen auf beiden Seiten mit der gegenseitigen Gewissheit, dass ein Angriff unweigerlich die eigene Vernichtung nach sich ziehen würde.

50.000 Atomsprengköpfe gefährdeten die Welt

Der daraus resultierende Rüstungswettlauf hat Abermilliarden verschlungen - auf Kosten sozialer Programme. Zumindest einmal stand die Welt am Rande einer neuen nuklearen Katastrophe, eines dritten Weltkriegs mit einem unvorstellbaren nuklearen Inferno: Das war im Oktober/November 1962, als die damalige Sowjetunion in Kuba über 150 Atomraketen stationiert hatte. Das nukleare Wettrüsten ging danach umso stärker weiter: Bis Ende der achtziger Jahre häuften die damaligen Atommächte - USA, Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und China - insgesamt rund 50.000 Atomsprengköpfe an. Seit Ende des Kalten Krieges und einer Serie von Abrüstungsverträgen ist dieser Berg zwar stetig abgebaut worden, aber die Welt sitzt weiter auf einem Pulverfass.

Nicht nur verfügen die einstigen Rivalen Washington und Moskau nach wie vor über ein riesiges Arsenal, genug, um die Welt x-fach zu vernichten. Dazu hat sich der Kreis der Atommächte ausgeweitet. Mit Indien, Pakistan und Israel besitzen drei Länder in instabilen Regionen mit regionalen Konflikten Nuklearwaffen, und atomare Ambitionen des radikal-islamischen Iran stellen den Westen vor große Herausforderungen. Nordkorea hat sich offen zum Atomwaffenbesitz bekannt, Bemühungen um eine Einstellung des Programms Pjöngjangs treten auf der Stelle.

Auch Terroristen trachten nach der Bombe

Geheimdienstliche Hinweise schließlich, nach denen Al-Qaeda-Chef Osama bin Laden mehrfach versucht hat, atomares Material zu erwerben, haben das Schreckgespenst von Nuklearwaffen in Terroristenhand zu einer realen Bedrohung werden lassen. Der internationale Handel des pakistanischen Atomwissenschaftlers Abdul Quadeer Khan hat gezeigt, wie schwer es ist, die Weiterverbreitung von Atomtechnologien zu bremsen.

US-Präsident George W. Bush hat betont, dass so genannte Problemstaaten und Terroristen die "neuen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts" seien. Das Problem: Das Sicherheitskonzept der nuklearen Abschreckung, mit dem sich während des Kalten Krieges die Supermächte erfolgreich gegenseitig in Schach hielten, funktioniert bei dieser Art von Bedrohung nicht.

Machthungrige tollwütige Diktatoren und erst recht Terroristen, die kein Land haben, lassen sich nicht durch die Androhung einer nuklearen Antwort abschrecken. Robert McNamara war US-Verteidigungsminister unter John F. Kennedy, also während der Kubakrise, und unter Lyndon B. Johnson. Heute ist er ein entschiedener Gegner einer Politik, die weiter auf Atomwaffen als Mittel zur Drohung und Verteidigung setzt.

Den Kurs der US-Regierung, die sich weiterhin den Ersteinsatz von nuklearen Waffen im Fall einer Bedrohung vorbehält, nennt er unmoralisch, illegal, militärisch unnötig und hochgefährlich. Tatsächlich weist alles darauf hin, dass die USA auf lange Sicht Atomwaffen als integralen Bestandteil ihres Verteidigungskonzepts beibehalten werden. So wird daran gearbeitet, die Lebensdauer alternder Sprengköpfe zu verlängern.

Und der "Overkill" wird auch nach der Umsetzung amerikanisch-russischer Abrüstungsvereinbarungen bleiben. Dann wollen beide Seiten zusammen "nur" noch über 3200 Sprengköpfe verfügen - mit einer Zerstörungskraft, die zusammen 65.000 Mal so groß ist wie die der Hiroshima-Bombe.

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