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Auch der Chef der Amazon Studios, Roy Price, ist im Zuge des Weinstein-Skandals zurückgetreten. Die Produzentin einer Amazon-Serie wirft ihm vor, sie mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt zu haben.

Missbrauchsvorwürfe

Weinstein tritt als Verwaltungsrat seiner Firma zurück

Auch der Chef der Amazon Studios ist wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung zurückgetreten. Das Ausmaß der Erniedrigung in der Branche scheint größer zu sein als bisher bekannt.

Der unter Vergewaltigungs- und Missbrauchsverdacht stehende US-Filmproduzent Harvey Weinstein hat seinen letzten Posten in der von ihm mitgegründeten Firma aufgegeben. Der 65-Jährige trat nach Angaben aus seinem Umfeld am Dienstag aus dem Aufsichtsrat der Produktionsgesellschaft Weinstein Company zurück.

Demnach erfolgte der Rückzug bei einem Treffen von Weinsteins Anwälten mit Vertretern der Weinstein Company in New York. Die von den Brüdern Bob und Harvey Weinstein gegründete Produktionsgesellschaft hatte den 65-Jährigen bereits am 8. Oktober kurz nach Bekanntwerden der Belästigungsvorwürfe als Ko-Chef entlassen. Der Produzent hatte aber zunächst seinen Sitz im Aufsichtsrat behalten.

Unterdessen ist auch das weitere Schicksal von Harvey Weinsteins Bruder Bob ungewiss. Laut dem Magazin „Variety“ wird inzwischen auch er von einer Produzentin der Belästigung beschuldigt. Bob Weinstein wies den Vorwurf zurück.

Der ebenfalls mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontierte Chef der Amazon-Unterhaltungssparte, Roy Price, zog am Dienstag ebenfalls Konsequenzen und trat zurück. Der 51-Jährige war vergangene Woche bereits beurlaubt worden.

Price wird vorgeworfen, eine Mitarbeiterin mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt zu haben. Die ausführende Produzentin einer Amazon-Serie hatte Price im Magazin „Hollywood Reporter“ vorgeworfen, ihr 2015 in einem Taxi gesagt zu haben, sie werde seinen Penis lieben. Vor Kollegen auf einer Party habe er außerdem laut „Analsex“ in ihr Ohr gesagt. Am 12. Oktober war der 50-Jährige bereits suspendiert worden.

Auch "Game of Thrones"-Star beschuldigt Weinstein 

Das zum Onlineriesen Amazon gehörende Filmstudio arbeitete eng mit Hollywood-Mogul Harvey Weinstein zusammen. Die US-Schauspielerin Rose McGowan (44, „Death Proof – Todsicher“) hatte auch Amazon-Chef Jeff Bezos öffentlich angegriffen: Sie habe Price „wieder und wieder“ gesagt, dass „HW“ sie vergewaltigt habe, ohne dass dieser reagiert habe.

Die Initialen HW hatte sie nicht aufgeschlüsselt, allerdings Weinstein in einem früheren Tweet in den Zusammenhang von Vergewaltigungen gerückt. „Ich rufe Sie dazu auf, Vergewaltiger, mutmaßliche Pädophile und sexuelle Belästiger nicht weiter zu finanzieren“, schrieb die 44-Jährige an Bezos.

Auch die britische Schauspielerin Lena Headey, als „Game of Thrones“-Königsmutter Cersei Lannister bekannt, spricht nun offen über angebliche sexuelle Übergriffe von Harvey Weinstein. Auf Twitter berichtete die 44-Jährige über zwei Begegnungen mit dem Filmmogul, die sie „fassungslos“ und „völlig machtlos“ gemacht hätten.

Die erste soll 2005 beim Filmfest in Venedig stattgefunden haben, wo der Miramax-Film „Brothers Grimm“ gezeigt wurde. Eine anzügliche Geste und Bemerkung Weinsteins habe sie lachend abgewehrt, obwohl sie zutiefst schockiert gewesen sei, schreibt Headey. Danach habe sie keine weitere Rolle mehr in einem Miramax-Film erhalten.

Jahre später bei einem Arbeitstreffen in Los Angeles habe Weinstein vorgeschlagen, er wollte ihr in seinem Hotelzimmer ein Drehbuch geben. Sie habe schon im Aufzug ein ungutes Gefühl gehabt und klargestellt, dass sie an nichts anderem als Arbeit interessiert sei.

Nach Headeys Schilderung habe Weinstein sie nach dieser Äußerung wortlos und wütend zu seiner Zimmertür geführt. Nachdem die Schlüsselkarte nicht funktionierte, sei er noch wütender geworden und habe sie zum Ausgang begleitet. „Erzähle niemandem davon, nicht deinem Manager, nicht deinem Agenten“, habe er ihr ins Ohr geflüstert. „Ich bin in mein Auto gestiegen und habe geweint.“

Die Justiz in Los Angeles ermutigt indes mutmaßliche Opfer von Starproduzent Harvey Weinstein, nicht länger zu schweigen. „Wir nehmen solche Vorwürfe sehr ernst, und wo die Tatsachen für eine Verurteilung sprechen, werden wir sie strafrechtlich verfolgen“, sagte Staatsanwalt Mike Feuer am Dienstag (Ortszeit). Er sei sehr erfreut darüber, dass die Polizei von Los Angeles mutmaßliche Opfer aufgerufen hat, sich zu melden. 

„Bitte treten Sie vor, damit ermittelt werden und Gerechtigkeit geübt werden kann.“ Die Vorwürfe gegen den Hollywoodmogul hätten „ein Schlaglicht geworfen auf sexuelle Belästigung und sexuellen Missbrauch, besonders am Arbeitsplatz“, betonte der Staatsanwalt. Er wisse, dass es „ungeheuren Mut braucht, um oft intime Details sexueller Belästigung oder sexuellen Missbrauchs mitzuteilen“.

Nacktfotos als Inspiration für Diät

Im Zuge des Weinstein-Skandals berichten immer mehr Schauspielerinnen von sexuellen Erniedrigungen im Filmbusiness - auch Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence (27). Zu Beginn ihrer Karriere sei ihr nahegelegt worden, für eine Rolle in kürzester Zeit mehrere Kilo abzunehmen, sagte sie bei einem Event des Magazins „Elle“ am Montagabend (Ortszeit).

„Eine Produzentin ließ mich mit etwa fünf anderen, sehr viel dünneren Frauen in einer Reihe nackt aufstellen. Wir standen nebeneinander, nur unsere Geschlechtsteile mit Klebeband bedeckt“, sagte die 27-Jährige. „Die Produzentin empfahl mir, die Nacktfotos als Inspiration für meine Diät zu benutzen.“

„Ich war gefangen“, sagte Lawrence mit Blick auf ihre damalige Machtlosigkeit. „Ich wollte kein Whistle-Blower sein, ich wollte keine beschämende Geschichte, über die in einer Zeitschrift geredet werden würde – ich wollte eine Karriere.“ Erst als Hollywood-Star habe sie die Kraft gehabt, Nein zu sagen. Lawrence rief dazu auf, Missbrauchsvorwürfe ernst zu nehmen und zu verfolgen. „Wir werden zusammen und ab sofort verhindern, dass es weiter solche Verhaltensweisen gibt.“ 

Der Skandal um Harvey Weinstein war nach einem Bericht der „New York Times“ ins Rollen gekommen, wonach der einflussreiche Hollywood-Produzent („Pulp Fiction“, „The King‘s Speech“) über Jahrzehnte Schauspielerinnen und Mitarbeiterinnen seiner Firma belästigt und in einigen Fällen missbraucht hat. Der Zeitung zufolge hielt Weinstein mindestens acht Frauen mit Schweigegeld davon ab, an die Öffentlichkeit zu gehen. Weinstein bestreitet, Frauen zum Sex gezwungen zu haben. (dpa/afp)

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