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Hand drauf: Bischof Fellay segnet einen neuen Priester.

Piusbruderschaft

"Weil wir die Kirche lieben"

Allen Warnungen der Kurie zum Trotz: Die reaktionären Piusbrüder nutzen die Priesterweihe in Zaitzkofen für Rechtfertigungen.

Allen Warnungen der Kurie zum Trotz: Die reaktionären Piusbrüder haben am Samstag im bayerischen Zaitzkofen drei neue Priester geweiht. Die Brüder rechtfertigen ihr aus Vatikansicht illegales Treiben wortreich. Allein: Der Papst schweigt am Wochenende. Er überlässt das Feld den erzkonservativen Abweichlern.

Fast 2000 Menschen sind in das Zaitzkofener Schloss gekommen, das die Bruderschaft seit fast 30 Jahren bewohnt. Mit dem Einzug der Fahnen- und Kreuzträger beginnt die beinahe fünfstündige Liturgie nach einem Ritus, dessen Ursprünge bis ins vierte Jahrhundert zurückgehen.

Alfonso de Galarreta spendet das Sakrament der Priesterweihe - ein direkter Affront gegen den Papst: Galarreta ist einer jener vier Bischöfe der Bruderschaft, deren Exkommunikation Benedikt XVI. im Januar aufgehoben hatte. Mit ihm war auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson begnadigt worden. Der Papst begründete seinen viel kritisierten Schritt mit dem Streben nach Wiederannäherung zwischen Amtskirche und Piusbruderschaft. Es fehlen aber Indizien dafür, dass die Brüder bereit wären, ihre erzkonservativen spalterischen Positionen zu räumen. Im Gegenteil.

Zwar fordert Galarreta die neuen Priester auf, sich ganz in "den Dienst der katholischen Kirche zu stellen", verlangt aber von ihnen, "Traditionen zu bewahren". Es ist dieser Traditionalismus, der die Bruderschaft von der Kirche des Zweiten Vatikanischen Konzils trennt. Und eben das scheint viele Katholiken zu faszinieren; nach eigenen Angaben haben die Piusbrüder Zulauf, der Amtskirche rennen die Gläubigen weg.

"Ich bin sehr glücklich", sagt eine Besucherin am Rande der Weihe, "dass ich den katholischen Glauben durch die Piusbruderschaft richtig kennenlernen durfte." Ein Mann aus der Schweiz, dessen Sohn in Zaitzkofen studiert, moniert: "Die Menschen in den Gottesdiensten der Amtskirche haben keine Ehrfurcht mehr." Die Anhänger der Piusbrüder schon. Die Kritik an der Bruderschaft lassen viele hier nicht gelten: Die Äußerungen von Bischof Williamson über den Holocaust zum Beispiel, seien, so der Schweizer "unklug gewesen". Aber man habe den Bischof auch "in eine Falle gelockt".

Der Leiter des Priesterseminars, Pater Stefan Frey, kontert die Kritik. Vor Beginn der Feier verliest er eine Erklärung: "Wir bedauern die verbale Ausgrenzung, die wir in diesen Tagen massiv von Seiten mehrerer deutscher Bischöfe erfahren." Insbesondere der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hatte die Bruderschaft kritisiert und Rom aufgefordert, die Weihen zu verbieten. Frey definiert es dagegen als "Gewissenpflicht", die Ausbildung nach überbrachter Lehre fortzusetzen, "weil wir die Kirche lieben".

Der Medienandrang zur Weihe ist groß. Trotz Unstimmigkeiten im Vorfeld. So wurde der FR-Korrespondent am Freitag ausgeladen. Als Begründung verwies der dafür zuständige Pater Andreas Steiner auf einen Artikel, der an diesem Tag erschienen war. Darin war der Politologe Gerd Langguth zitiert worden, der den Piusbrüdern "rechtsradikale Positionen" vorwirft. Steiner warf "einigen Medien", darunter der FR, vor, Unwahres zu schreiben und vorurteilsgesteuert zu sein. Deren Vertreter könne man daher nicht zur Berichterstattung zulassen.

Günstiges Klima für Rechte

Am Samstag finden dann aber zum Teil auch solche Medienvertreter Einlass, die zunächst draußen bleiben sollten. Anders als angekündigt verzichtet die Bruderschaft auch darauf, die Texte der Journalisten vor der Veröffentlichung zu prüfen.

Nach der Zeremonie stellt sich Bruderschafts-Bischof Bernard Fellay den Fragen. Er räumt ein: "Es hat immer Versuche von Seiten der Rechten gegeben, sich einzumischen", weil die Bruderschaft für sie "ein günstiges Klima" biete. "Ich habe mich aber immer davon distanziert." Williamsons Holocaust-Leugnung tut er als private Verlautbarung ab.

Ansonsten bemüht sich Fellay, seinen Willen zum Gespräch mit dem Vatikan herauszustreichen. So widerspricht er dem Vorwurf, die Weihe von Zaitzkofen sei eine gezielte Provokation. Zugleich beharrt er: "Wir betrachten das Konzil als Bruch mit der katholischen Tradition." Die Gründung der Piusbruderschaft sei ergo eine überlebensrettende Maßnahme. "In zehn bis zwanzig Jahren ist die Kirche nicht mehr da." Den Vatikan lässt er wissen: "Es gibt Probleme, die gelöst werden müssen."

Mit Blick auf ein anstehendes Gespräch mit Rom zeigt sich Fellay genervt von der Kritik deutscher Bischöfe: "Wir versuchen, das Klima zu verbessern, aber ich habe den Eindruck, dass gewisse Leute das platzen lassen wollen." Das kann man auch anders sehen: Schon heute sollen im schweizerischen Econe die nächsten Pius-Priester geweiht werden.

Dieser Text basiert auf einem Augenzeugenbericht. Er erscheint auf Wunsch des Beobachters anonymisiert.

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