Würdigung Fritz Bauers

"Wegbereiter der NS-Bewältigung"

Fritz Bauer habe gewusst: "Vom Gesetzesfetischismus führt ein schnurgerader Weg zu den Konzentrationslagern", sagte Oberbürgermeisterin Petra Roth am

Fritz Bauer habe gewusst: "Vom Gesetzesfetischismus führt ein schnurgerader Weg zu den Konzentrationslagern", sagte Oberbürgermeisterin Petra Roth am Mittwochabend bei einem Festakt zum 100. Geburtstag des langjährigen hessischen Generalstaatsanwalts, der 1968 in Frankfurt, knapp 65-jährig, überraschend an einem Herzschlag gestorben war.

Roth erinnerte an den Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965, den sie als 20-jährige Neu-Frankfurterin miterlebt habe. Bauer hatte maßgeblich an der Vorbereitung der Anklage mitgewirkt. Der aus einem deutsch-jüdischen Elternhaus in Stuttgart stammende Jurist war von den Nationalsozialisten aus politischen und rassischen Gründen verfolgt und vertrieben worden und 1949 aus der Emigration nach Deutschland zurückgekehrt.

Fritz Bauer habe im Auschwitz-Prozess den Massenmord der Nationalsozialisten als historische Tatsache unbestreitbar gemacht und im Remer-Prozess das Recht auf Widerstand gegen eine verbrecherische Diktatur verteidigt, sagte Justizminister Wagner (CDU). (Der spätere Generalmajor Otto Ernst Remer hatte als Major und Kommandeur des Wachregiments in Berlin wesentlichen Anteil an der Niederschlagung des Aufstandes gegen Hitler am 20. Juli 1944.)

Der jetzige hessische Generalstaatsanwalt Dieter Anders hob hervor, dass sein Amtsvorgänger Bauer ein Wegbereiter der Bewältigung der NS-Vergangenheit gewesen sei. Er habe klargestellt, dass die Täter individuelle Schuld auf sich geladen hätten und keine Erfüllungsgehilfen des NS-Staates gewesen seien.

Der "klassische liberale Strafrechtstheoretiker Fritz Bauer" habe das Strafrecht weder zur Sühne noch zur Vergeltung nutzen wollen, sondern als Instrument gesellschaftlicher Selbstaufklärung verstanden, sagte der Direktor des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts, Micha Brumlik. Er habe erkannt, wie lange Lernprozesse in einer "von Schuldabwehr besessenen Gesellschaft" dauern, fügte Brumlik mit Blick auf den noch immer nicht abgeschlossenen Prozess der Aufarbeitung der NS-Verbrechen hinzu. dpa

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