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Weder Sieg noch Niederlage

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Ukrainische Streitkräfte räumen die Stadt Lyssytschansk.

Die Russen werden nicht gewonnen haben, die Ukrainer werden nicht verloren haben.“ Das ist die Prognose von Lord Dannatt, ehedem Oberkommandierender der britischen Streitkräfte, im Interview mit dem Sender „Sky News“ vom Sonntag. Der Ex-General wurde danach befragt, wie er glaube, dass der Krieg im Donbass sich weiter entwickeln könne, jetzt, nachdem Lyssytschansk am Ufer des so lange so heftig umkämpften Siwerskyj Donez den russischen Invasoren und ihrer Separatistenklientel überlassen wurde.

Offenbar Samstag auf Sonntag früh zogen sich praktisch alle ukrainischen Verbände aus dem Stadtgebiet zurück; von russischer Seite in den Online-Netzwerken gepostete Videos zeigen umherschweifende Soldaten, die sich nicht in einer Kampfsituation zu befinden scheinen. Am Sonntagnachmittag widersprachen sich zwar noch einige diesbezügliche Äußerungen ukrainischer Autoritäten, aber der erwartete und auch von vielen westlichen Fachleuten erhoffte taktische Rückzug auf eine Linie Slowjansk-Bachmut ist wohl nun ein Faktum. Zwei Vorteile hat diese Linie: Ihre Endpunkte sind befestigte größere Städte, die bisher alle russischen Vorstöße haben abweisen können. Die Linie selbst ist bedeutend kürzer als die nun aufgegebene Frontausbuchtung, also auch viel leichter zu verteidigen, weil die ukrainischen Verteidiger dichter stehen.

Wenn man den Überlegungen Lord Dannatts folgt, so dürfte sich ungefähr an dieser Linie dann die letzte verbliebene russische Offensivkraft totgelaufen haben. Die ukrainische Seite würde dann so viele Verluste zählen müssen (und nur schlechteren, weil kürzer ausgebildeten Ersatz in Stellung bringen können), dass ihr Vermögen einer Gegenoffensive gleich Null wäre. So kann es im Donbass ausgehen.

So muss es aber nicht in der Ukraine ausgehen. Im Norden bei Charkiw zeigt sich immer deutlicher die höhere Kampfkraft der dort nun eingesetzten westlichen Waffen. Und im Süden bei Cherson werden die russischen Besatzungstruppen von vorrückenden ukrainischen Einheiten verdrängt und mit Hilfe von Partisanengruppen in deren Rücken quasi in einen Schraubstock gespannt.

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