Tomasa Gutierrez Choque
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Tomasa Gutierrez Choque.

Mut-Geschichte 1

Wasserkämpferin

Der preisgekrönte Journalist und Entwicklungsexperte Thomas Kruchem porträtiert mutige Menschen in seinem Buch „Wie Menschen weltweit das Klima retten“.

Vom Zentrum der Stadt La Paz aus geht es mit Ingenieur Guillermo Callisaya viele Hundert Stufen hinauf zum Barrio Chulluma. Das Armenviertel liegt an einem Steilhang – so wie fast 70 Prozent der bolivianischen Stadt. La Paz sei geologisch jung, sagt Callisaya. Geröll, Erde und Sand bewegten sich im Untergrund, dazu fast 400 Wasserläufe. Häufiger Starkregen erhöhe die Gefahr von Erdrutschen.

Tomasa Gutierrez Choque, die Präsidentin Chullumas, wartet schon. Eine kleine, energisch wirkende Frau, die mehrere Röcke übereinander trägt – gegen den eisigen Wind, der hier oben auf 3800 Meter Höhe bläst.

Sie erzählt von der Wasserkrise 2016/17, als es monatelang kaum Wasser gab. Eine Folge auch des Klimawandels. Der bringt der Region kürzere, heftigere Regenzeiten und längere Trockenperioden. Die Temperaturen steigen, die Andengletscher schmelzen; in den Flüssen, die sie speisen, schwankt der Wasserspiegel dramatisch. Und so schwebt die Gefahr des Wassermangels kontinuierlich über La Paz und der Schwesterstadt El Alto, wo zusammen fast zwei Millionen Menschen leben.

Zur Person

Menschen, die unter widrigsten Umständen in Mali den Sonnenstrom entdecken, gegen Wassermangel in Bolivien kämpfen oder neue Wälder in Niger wachsen lassen, hat der preisgekrönte Journalist und Entwicklungsexperte Thomas Kruchem in seinem Buch „Wie Menschen weltweit das Klima retten“ porträtiert. „Sie zerstören nicht und klagen nicht, sie hegen und pflegen und machen uns Mut“, schreibt Kruchem. Fünf solcher Initiativen stellt der Autor auf dieser und der folgenden Doppelseite in gekürzter Fassung vor.

Das Buch wird am Donnerstag, 1. Oktober, um 19.30 Uhr im Frankfurter Haus am Dom, Domplatz 3, präsentiert. Eintritt: 5 Euro / 4 Euro. Eine Anmeldung ist nötig: hausamdom@bistum-limburg.de

Thomas Kruchem: Wie Menschen weltweit das Klima retten. Brandes & Apsel, Frankfurt 2020. 168 Seiten, 14,90 Euro

Das Buch.

Viele der indigenen Bewohner der Hochlandstädte haben sich deshalb auf ihre Tradition besonnen, große Probleme gemeinsam anzugehen. Die Bewohner des Barrio Chullumas haben sich dabei von der lokalen Hilfsorganisation Red Habitat beraten lassen, für die Ingenieur Callisaya arbeitet. „Bis vor einigen Jahren“, berichtet Tomasa Gutierrez Choque, „lebten wir hier an einem rutschigen Geröllhang.“ Jetzt stehen die meisten der roten Ziegelhäuschen auf stabilen, tief im Boden verankerten Fundamenten.

An einem steilen Hangstück haben die Bewohner Chullumas einen Betonbehälter gebaut, von dem aus Leitungen in die Siedlung führen: ein Wassertank – gespeist von einer der vielen Grundwasserquellen hier. „Wir haben die früher stark verschmutzte Quelle so erschlossen, dass man das Wasser gefahrlos trinken kann“, erklärt Guillermo Callisaya. „Das Wasser durchläuft mehrere Filterstufen und wird dann so desinfiziert, dass wir es als Trinkwasser in sämtliche Häuser der Siedlung leiten können.“

Die 300 Familien Chullumas besäßen jetzt eine zuverlässige Wasserversorgung, sagt Tomasa Gutierrez Choque stolz. „Und damit auch noch unsere Enkel aus dieser Quelle trinken können, kassiere ich einmal im Monat von jeder Familie zwei Bolivianos für die Wartung der Anlage. Und viermal im Jahr müssen alle bei der Reinigung helfen.“ (trk)

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