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Die Studien sind unter der ehemaligen IWF-Chefin Christine Lagarde erschienen, die neue EZB-Chefin wird.

Währungsreform

Wie der IWF das Bargeld abschaffen möchte

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gibt in mehreren Studien Tipps, wie man das Bargeld abschaffen kann. Dies sei ein längerer Prozess.

Bargeld ist Teil des Alltags. Doch wie lange noch? Nach den Empfehlungen des IWF sollten man die Banknoten Schritt-für-Schritt aus dem täglichen Leben verbannen. In einer bereits im April veröffentlichten Studie befasst sich der IWF mit einer geldpolitischen Kosten-Nutzen-Abwägung im Falle einer Bargeld-Abschaffung. So schlägt der IWF vor, dass Zentralbanken ihre Leitzinsen deutlich unter Null Prozent senken sollten, um die Wirtschaft in Krisenzeiten anzukurbeln. 

Wer Geld auf dem Konto anspart, müsste dann Strafzinsen zahlen, statt von der Bank mit einem positiven Zins belohnt zu werden. Das jedoch hält der IWF nicht für durchsetzbar, solange es Bargeld gibt. Denn Bank-Kunden könnten ihr Erspartes abheben und zuhause aufbewahren, ohne Strafzinsen zu zahlen. 

IWF: Bargeld soll gegenüber Giralgeld abgewertet werden

Daher soll nach Ansicht des IWF das Bargeld bei negativen Zentralbankzinsen gegenüber Giralgeld (Bankengeld) kontinuierlich abgewertet werden. Ein Euro Bargeld hätte dann relativ zu einem Euro Giralgeld einen geringeren Wert. Wer bar zahlt, muss also mehr als per Überweisung oder Karte bezahlen. 

Sämtliche Preise sollen deshalb digital vermerkt werden. Das hätte auch zur Folge, dass bei bereits bestehenden Schuldverhältnissen eine Begleichung mit Giralgeld die Schuld tilgt. Bei einer Barzahlung könnte man einen Aufschlag verlangen. Allerdings sollten die Veränderungen schrittweise erfolgen, damit es keine öffentliche Diskussion über die Abschaffung von Bargeld gibt.

Die Studie reiht sich in die bereits vom IWF im Jahr 2017 veröffentlichte Studie "The Macroeconomics of De-Cashing" ein. Darin empfahl der IWF ebenfalls, bei einer Bargeld-Abschaffung Schritt-für-Schritt vorzugehen. Bürger würden direkte staatliche Eingriff wegen ihrer Bargeld-Treue stärker hinterfragen, wenn sie abrupt erfolgte. So rechnete der IWF damit, dass sich bei einem Bann von Bargeld bei den Menschen ein Gefühl der Überwachung einstellen würde. 

Bargeld-Abschaffung: PR-Programme planen, um die Bürger zu überzeugen

Da Bank-Kunden in ihrem Recht auf Vertragsfreiheit eingeschränkt würden, da sie nicht mehr die Wahl zwischen einer Bargeld-Zahlung oder einer Überweisung hätten, könnten sich soziale Spannungen ergeben, die möglicherweise in einem Streik mündeten. Daher empfiehlt der IWF, gezielte PR-Programme, um die Menschen von dem Bargeld-Bann zu überzeugen. Es sollten zunächst große Geldscheine abgeschafft und eine Obergrenzen für eine Bargeldzahlung eingeführt werden. 

Um die Ziele des IWF umzusetzen, müssten zunächst bestehende Gesetze verändert werden, da Bargeld das einzige, unbeschränkt gültige gesetzliche Zahlungsmittel ist. 

Bargeld-Abschaffung: Kritik am IWF-Vorschlag 

Gunther Schnabl, Wirtschaftsprofessor an der Universität Leipzig, ist über den Vorschlag entsetzt. "Dass ein solcher Vorschlag vom IWF kommt, ist bedenklich." Die Flucht in Sachwerte werde sich beschleunigen. "Immobilien-, Land-, Aktien- und Goldpreise würden noch stärker steigen“, erklärt er. 

Ruf nach dem digitalen Euro: Politiker, Unternehmer und Banker fordern ein innovatives Zahlungssystem

Auch das Hayek-Institut kritisiert die IWF-Pläne. "Diese Idee ist im Grunde nichts anderes als ein weiterer Angriff auf das Vermögen der Bürger. Seit Jahren leiden diese unter stiller Enteignung durch die Entwertung ihres Sparguthabens durch niedrige Zinssätze und Inflation. Am 26. April 2019 wurde zusätzlich der 500-Euro- Schein abgeschafft, ein weiterer Schritt in Richtung Bargeldabschaffung im Namen von Terrorismus- und Steuerbetrugsbekämpfung." Der IWF denke offensichtlich bereits über den nächsten Schritt nach.

Von Moritz Serif 

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