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Ob es solche Kontrollen französischer Streitkräfte in Mali künftig noch gibt?
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Ob es solche Kontrollen französischer Streitkräfte in Mali künftig noch gibt?

Sahelgebiet

Was wird aus Mali?

  • Stefan Brändle
    VonStefan Brändle
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Frankreich beendet nach sieben Jahren seine Militäroperation Barkhane, zieht sich aus der Sahel-Region aber nicht zurück.

Emmanuel Macron erklärte am Mittwochabend, die französische Militäroperation „Barkhane“ (deutsch: Sicheldüne) im Sahelgebiet werde „beendet“. Datum und Umstände des zumindest teilweisen Truppenabzugs nannte er nicht. Die Operation mit heute 5100 Soldat:innen verfolgt seit 2014 das Ziel, den Vormarsch dschihadistischer Gruppen im Sahelgebiet zu stoppen. Die Meinungen über ihren Erfolg gehen auseinander: Die Errichtung eines nordmalischen Staats namens Azawad wurde durch die französischen Truppen zwar vor sieben Jahren gestoppt. Aus Libyen und Algerien gekommene Kämpfer mit ihren Pickup-Einheiten breiten sich trotzdem aus. Am vergangenen Wochenende wurden bei einem einzigen Angriff auf ein Dorf in Burkina Faso 160 Zivilist:innen umgebracht – die bisher größte Gewalttat in Malis Nachbarland.

Macron sagte, auch viele französische Soldat:innen – nach letzter Zählung 55 – seien in der Barkhane-Mission ums Leben gekommen. Dieser Hinweis richtete sich zum einen an die französische Öffentlichkeit, in der die Zustimmung zum Einsatz von ursprünglich fast 80 auf 50 Prozent gesunken ist. An die Adresse der neuen malischen Junta um Oberst Assimi Goïta meinte Macron, Frankreich kämpfe nicht gegen Al-Kaida- und IS-Milizen, wenn die Putschregierung gleichzeitig mit ihnen verhandle.

Seinen Ärger nicht verhehlend, kündigte Macron an, dass „mehrere Hundert“ französische Barkhane-Soldat:innen in der europäischen Taskforce Takuba aufgehen sollten. Diese Mission ist allerdings so wenig einsatzfähig wie der sogenannte G5-Verbund aus Truppen der fünf betroffenen Länder Mali, Niger, Tschad, Burkina Faso und Mauretanien. Deutschland ist in Mali an Takuba, der Uno-Mission Minusma und an der Ausbildung lokaler Streitkräfte mit insgesamt bis zu 1700 Soldat:innen beteiligt.

Macron versucht mit der nicht sehr überraschenden Ankündigung zweifellos, Frankreich aus dem Schussfeld der Kritik zu nehmen, nachdem es in der malischen Hauptstadt Bamako mehrfach zu antifranzösischen Kundgebungen gekommen ist. Französische Generäle beklagen sich bitter, sie versuchten in einem aufreibenden Wüstenkrieg, Westafrika vor einer islamistischen Terrorherrschaft zu bewahren, würden aber von den Menschen in Mali wegen kolonialistischer Absichten gescholten; und auch Europa überließe Frankreich gerne die gefährliche Frontarbeit.

Es gehört indes zu den französischen Widersprüchen, dass Paris das Heft in Westafrika nicht aus der Hand geben will. Wenn Macron erklärt, die Franzosen sollten die Takuba-Mission „stärken“, meint er damit zweifellos: anführen. Dass sich diese EU-Mission neuerdings auf die eigentliche Terrorbekämpfung konzentrieren soll, wie Macron sagte, ist auch kein Novum: Schon Barkhane hatte sich einzig dieser Aufgabe verschrieben. Wichtige französische Barkhane-Garnisonen wie etwa in Gao in Nordmali dürften zudem Bestand haben.

In Paris herrscht die Meinung vor, Frankreich habe gar keine Wahl, als im Sahel militärisch präsent zu bleiben. „Wenn nicht wir, dann die Russen“, sagen Pariser Diplomat:innen ohne Umschweife. Russische „Militärberater“ der angeblich privaten russischen Truppe Wagner haben sich in den vergangenen Monaten in der sehr labilen Zentralafrikanischen Republik festgesetzt. Im nur wenig solideren Vielvölkerstaat Mali haben mehrere Putschoffiziere russische Militärakademien absolviert. Der Einfluss Moskaus ist auch in anderen Sahelländern spürbar. Der russische Präsident Wladimir Putin warte nur darauf, dass Frankreich ganz aus Mali abziehe, hört man in Paris.

Macron will diesen Umstand am G7-Treffen zur Sprache bringen. Er will, dass die USA weiterhin die Luftüberwachung der Region beisteuern werden; Deutschland soll die regionalen Truppen stärker unterstützen. Die Skepsis wächst allerdings in Berlin wie Washington. Auch in Paris meinte der einflussreiche Militärexperte Jean-Dominique Merchet, der französische Truppeneinsatz im Sahel sei „nicht nur nicht gewinnbar, sondern schon verloren“. Falls er recht hat, würde Barkhane als weiteres westliches Debakel nach Afghanistan oder Vietnam in die Geschichte eingehen.

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