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Was kann Energiepolitik zum Frieden in der Ukraine beitragen?

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Der letzte Frachter mit russischer Kohle in Rostock: Aktuell soll nun Steinkohle aus Kolumbien jene aus Putins Reich ersetzen. dpa
Der letzte Frachter mit russischer Kohle in Rostock: Aktuell soll nun Steinkohle aus Kolumbien jene aus Putins Reich ersetzen. dpa © dpa

Seit 2006 stiegen in Russland die Einnahmen aus dem Export von Kohle, Öl und Gas deutlich. Und zugleich die Militärausgaben. Heute ist es brutal augenscheinlich geworden: Unsere Abhängigkeit von fossiler Energie spielt Putin extrem in die Hände.

Doch es ist nicht das erste Mal, dass Energie und Konflikte so eng verknüpft sind. Fossile und atomare Brennstoffe bergen oft ein hohes Potenzial für Eskalation. Sie sind gewissermaßen toxische Energien. Und in diesem Zusammenhang hat Deutschland bereits zuvor mit hochproblematischen Partnern kooperiert.

In den 1970er Jahren wollte Deutschland mehr Öl und Gas aus dem Iran importieren und stellte im Gegenzug Waffen für die iranische Armee in Aussicht. Konkret geliefert wurde unter anderem Atomtechnologie. Mit dieser vermeintlich „zivilen“ Infrastruktur wurde erst die Voraussetzung dafür geschaffen, dass das Land möglicherweise eine eigene Atombombe entwickeln kann – heute ein großes Problem für die Sicherheitslage in der Region.

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Die Menschen in der Ukraine brauchen Frieden, aber es herrscht Krieg. Welche Wege können zum Frieden führen? Welche Rolle soll Deutschland dabei spielen?

In der Serie #Friedensfragen suchen Expertinnen und Experten nach Antworten auf viele drängende Fragen. Dabei legen wir Wert auf eine große Bandbreite der Positionen – die keineswegs immer der Meinung der FR entsprechen.

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Ein weiteres Beispiel ist Kolumbien. Die dortigen Kohle-Abbauregionen leiden unter Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und der Gewalt durch paramilitärische Gruppen, wie Misereor seit Jahren dokumentiert. Trotzdem schloss die Bundesregierung 2021 ein undurchsichtiges Militärabkommen mit Kolumbien. Aktuell soll russische Kohle ausgerechnet durch kolumbianische ersetzt werden.

Es gibt noch direktere Zusammenhänge: Wie Greenpeace kürzlich aufgedeckt hat, rüstet die EU Militärmissionen aus, um die Importrouten für fossile Energien zu schützen. Und dass die durch fossile Brennstoffe verursachte Klimakrise Konflikte weltweit, auch bewaffnete, verschärfen wird, steht außer Frage. Wann, wenn nicht jetzt, müssen wir daher die Abhängigkeit von diesen toxischen Energien beenden? Doch auch die neue Bundesregierung scheint den Zusammenhang zwischen Energieimporten, Nuklearexporten und militärischer Aufrüstung nicht verstehen zu wollen. Stattdessen fördert sie bei der Suche nach Ersatz für russische Lieferungen in unverantwortlicher Weise Autokratien und Konflikte in anderen Teilen der Welt.

Erneuerbare Energien hingegen haben ein weit weniger großes Potenzial zur Eskalation – dafür aber ein großes für friedliche Entwicklung. Zum einen sind sie weitestgehend emissionsfrei und tragen dazu bei, die Klimakrise abzumildern. Zum anderen helfen sie aufgrund ihrer dezentralen Struktur dabei, Energie auch an Orte zu bringen, die bislang von der Versorgung abgeschnitten sind, insbesondere in den ärmsten Ländern dieser Welt. Sie können damit entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung einer Region und besseren Lebensbedingungen beitragen.

Auch Erneuerbare Energien sind aber in dieser Hinsicht kein Selbstläufer. Westliche Industriestaaten dürfen die dafür benötigten Rohstoffe nicht in derselben ignoranten Weise wie bei fossilen Brennstoffen importieren. Von vornherein muss darauf geachtet werden, dass der Abbau nicht zu Umweltzerstörung, sozialen Verwerfungen und Konflikten in den Ländern des globalen Südens führt. Es muss endlich zu einem Handel auf Augenhöhe kommen, der die Bedürfnisse der Menschen und der Umwelt in den Exportregionen berücksichtigt. Ein wichtiger Schritt dazu wäre ein starkes EU-Lieferkettengesetz.

Dann können fair aufgebaute Erneuerbare Energien zu einem nachhaltigen Frieden beitragen – und die Macht von Autokraten eindämmen, die sich auch aus ihrer Verfügung über fossile Energien oder Atomtechnologie speist. Eine konsequente Energiewende wäre deshalb ein wichtiger Schritt, nicht zuletzt um militärischen Aggressoren wie Putin den Geldhahn abzudrehen.

Thomas Breuer ist bei Greenpeace der Leiter des Bereichs Frieden (Bild: Lucas Wahl/Greenpeace).

Thomas Breuer ist bei Greenpeace der Leiter des Bereichs Frieden (Bild: Lucas Wahl/Greenpeace).
Thomas Breuer ist bei Greenpeace der Leiter des Bereichs Frieden (Bild: Lucas Wahl/Greenpeace). © © Lucas Wahl / Greenpeace

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