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Kleve JVA. Amad A. starb nach einem Brand in seiner Einzelzelle. 

Verbrennungstod in JVA Kleve

Warum wurde der Syrer Amad A. verhaftet?

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Ein Syrer stirbt nach einem Feuer in seiner Einzelzelle. Warum er verhaftet wurde, ist unklar. Recherchen von „Monitor“ und „Westpol“ lassen Zweifel an der offiziellen Version aufkommen. 

Amad A. , ein 26-jähriger Flüchtling aus Syrien, starb am 29. September im Krankenhaus an den Folgen seiner Verbrennungen. Der Mann hatte in einer Einzelzelle der Justizvollzugsanstalt Kleve gesessen, ein Feuer war ausgebrochen und hatte bei ihm die tödlichen Verletzungen verursacht.

 Die Umstände des Feuers sind nach wie vor ungeklärt, die Gründe für seine Verhaftung sind es ebenso. Die offizielle Version des Innenministeriums in Nordrhein-Westfalen lautet, dass es sich um eine Verwechslung gehandelt habe. Amad A. sei von der Polizei im niederrheinischen Geldern kontrolliert worden, angeblich hätten zwei Haftbefehle gegen ihn vorgelegen. 

Angeblich hielt man den jungen Syrer fälschlicherweise für einen von der Staatsanwaltschaft Hamburg per Haftbefehl gesuchten Malier. Beide seien unter dem Namen „Amed Amed“ geführt. 

Inhaftierung von Amad A.: Zweifel an der Darstellung des Innenministeriums 

Doch wie die Recherche der politischen WDR-Magazine „Monitor“ (ARD, 4.4., 21.45 Uhr) und „Westpol“ ergaben, sind Zweifel an dieser Version angebracht. Die monatelange Inhaftierung von Amad A. könnte demnach Folge einer gezielten Manipulation von Datensätzen sein. 

Die Redaktionen zitieren ein Schreiben des LKA Hamburg, wonach es am Tag der Verhaftung des Syrers „keinen Treffer auf den Datensatz“ des gesuchten Maliers hätte „geben dürfen“. Diese Datenüberschneidung habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht existiert. Abfrageprotokolle aus der Polizeidatenbank „Inpol“, die den Redaktionen vorliegen, stimmen mit der Darstellung des Innenministeriums nicht überein. 

Auch das Bundeskriminalamt habe bei seinen Ermittlungen in dem Fall die Abfrageergebnisse zum entsprechenden Datum nachvollzogen und könne keine Verbindung zwischen dem Syrer Amad A. und dem Malier herstellen. Aus den Ermittlungsakten geht vielmehr hervor, dass der Codename „Amed Amed“ dem Malier erst nachträglich zugeordnet wurde, nämlich drei Tage nach der Verhaftung von Amad A. 

Fall Amad A.: Wurden Datensätze gezielt manipuliert? 

Im Auftrag von „Monitor“ analysierte die IT-Expertin Annette Brückner die Dokumente – und stieß auf eine weitere Ungereimtheit: Demnach wurde der Name „Amed Amed“ für den Malier gar nicht neu angelegt, vielmehr soll ein bereits existierender Aliasname gelöscht und ersetzt worden sein. Die Expertin hält einen Systemfehler oder ein Versehen für ausgeschlossen: „Hier sind ganz gezielt mehrere Einzeleinträge verändert worden. Von daher gehe ich davon aus, dass es eine vorsätzliche Veränderung, also vorsätzliche Manipulation dieses Datensatzes war, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen.“ 

Laut Sven Wolf (SPD), Mitglied des NRW-Untersuchungsausschusses zum Fall Amad A., hätten die bisherigen Ermittlungsergebnisse gezeigt, „dass das bisherige Erklärungsmuster des Innenministers in Nordrhein-Westfalen nicht mehr passt. … War das ein ganz dummer Fehler, der gemacht worden ist, oder gab es da in irgendeiner Weise Absicht, ja, war der Wunsch Vater des Gedankens? Wollte man irgendetwas finden?“ 

Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Kleve äußerte sich auf Anfrage der Redaktionen nicht, sondern verwies auf die laufenden Ermittlungen gegen Angehörige des Polizeidienstes wegen des Vorwurfs der vorsätzlichen Freiheitsberaubung.

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