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Das Bild täuscht: Frankreichs Präsident Macron ist vom Brexit-Chaos genervt.

Brexit

Warum Macron die harte Tour fährt

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Der Brexit durchkreuzt nicht nur die Europa-Pläne von Frankreichs Staatschef.

Der Geduldsfaden hält noch, aber er wird dünner und dünner. „Wir müssen die Neugründung Europas durchziehen“, twitterte Macron in Brüssel. „Ich glaube fest daran und will nicht, dass uns der Brexit diesbezüglich blockiert.“

Der französische Präsident weiß, dass er den protestierenden „Gelbwesten“ bald neue Geldgeschenke machen muss – was das Haushaltsdefizit seines Landes hochtreiben wird. Dies schwächt die französische Position in der Europäischen Union und gegenüber Deutschland. Macrons Pläne für ein ambitioniertes Budget des Euroraumes schmelzen mehr und mehr dahin. Und die Schuld hat laut Macron das „perfide Albion“, wie England in Paris gerne genannt wird. Die europapolitischen Differenzen zwischen den beiden Ländern gehen tiefer als der Ärmelkanal: Während London den Ausstieg aus der EU probiert, will Macron „mehr Europa“. Immer wieder spricht er einer „europäischen Souveränität“ – mit entsprechendem Kompetenztransfer – das Wort. Seine diplomatischen Berater verhehlen im Gespräch nicht, dass die EU mit den Briten im Westen und Ungarn im Osten zum Scheitern verurteilt sei.

Entsprechend gering war in Paris 2016 die Trauer über die Brexit-Abstimmung. „Sie haben endlich verstanden, dass ihr Platz nicht in der EU ist“, lobte der französische Publizist Jean Quatremer die Briten sarkastisch am Tag nach dem Votum. Besser sei es, wenn die Kernländer Europas allein weitermachten. Schon zwei Jahre zuvor hatte Ex-Premier Michel Rocard den Briten empfohlen: „Bitte verlassen Sie die EU, bevor Sie alles kaputtgemacht haben.“

Briten und Franzosen verbindet eine Hassliebe

Die kompromisslose Haltung der Franzosen ist auch dadurch bedingt, dass Frankreich keine Exportnation wie Deutschland ist und wirtschaftlich kaum unter dem Brexit zu leiden gedenkt. Und selbst wenn: In Frankreich herrscht der Primat der Politik, und dazu gehört auch der Glaube, dass Paris und Berlin die Geschicke der EU besser leiten könnten als zusammen mit London.

Das hindert Macron nicht, verteidigungspolitisch an der Kooperation mit den Briten festzuhalten. Beide Länder verfügen über Atomwaffen und haben von der Libyen- bis zur Syrienkrise gezeigt, dass sie ihre gemeinsamen Interessen auch gemeinsam umsetzen können.

Zugleich aber hält sich in Paris die Überzeugung, dass die Briten bis zu einem gewissen Grad ein „trojanisches Pferd“ der Amerikaner seien. Dahinter steckt ein im Mittelalter erworbenes Misstrauen gegenüber dem einstigen Erzfeind des Hundertjährigen Kriegs (1337 bis 1453). Briten und Franzosen verbindet eine eigentliche Hassliebe: Man ist sich in vielem sehr ähnlich, teilt ein Adelsgeschlecht (die Plantagenêts) und viel Nostalgie für den Verlust des eigenen Imperiums. Deshalb beneidet man sich insgeheim für das Commonwealth und die Frankophonie, für Churchill und Napoleon und hält sich gegenseitig für blasierte Egoisten. Bei den Rugby-Begegnungen zahlt man es sich noch heute heim.

Die „Entente Cordiale“ von 1904 zwischen London und Paris war deshalb eher ein Zweckbündnis als ein Ausbund an Herzlichkeit, und noch in den 1960er Jahren sträubte sich Charles de Gaulle jahrelang gegen den Beitritt Großbritanniens. Vier Jahrzehnte später giftete Jacques Chirac: „Das einzige, was die Briten der europäischen Landwirtschaft gebracht haben, ist der Rinderwahnsinn.“

Hunderttausende Briten und Franzosen leben heute zwar in den jeweiligen Nachbarländern, die seit 1994 sogar durch einen Tunnel unter dem Ärmelkanal verbunden sind. Aber damit hat es sich auch schon. In einer Umfrage von 2016 wünschten 44 Prozent der Franzosen – weit mehr als andere Europäer – den Auszug der Briten aus der EU. Heute schütteln noch mehr Franzosen den Kopf über die „rosbifs“, wie sie die Briten mit relativer Zärtlichkeit nennen. Man darf fast annehmen, dass Frankreich heute mehrheitlich für den Brexit stimmen würde.

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