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Eine von Demonstranten zerstörte Tankstelle in Eslamshahr nahe Teheran.

Unruhen im Iran

Warum Iran auf Russland setzt - und umgekehrt

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Russland zeigt Verständnis für Teherans Vorgehen gegen Demonstranten - auch weil beide Länder vielfach kooperieren.

Für die russischen Staatsmedien sind die iranischen Demonstranten alles andere als friedlich: Sie hätten aus Protest über die Benzinpreiserhöhungen Tankstellen und Banken angezündet. Der nationalistische TV-Sender Zargrad zitiert den Bürgermeister einer südiranischen Stadt: Eine mit Messern, Knüppeln und Feuerwerkskörpern bewaffnete Menge hätte versucht, ein Öllager zu stürmen. „Sie haben den Haupteingang zweimal attackiert, aber es gelang uns, sie unschädlich zu machen.“

Das internationale Image des Iran dagegen ist miserabel. Die USA machen die Perser für Drohnenangriffe auf saudische Ölraffinerien verantwortlich, die Internationale Atomenergiebehörde wirft ihnen die Überschreitung der Schwerwasser-Grenzwerte des Atomabkommens vor, und westliche Agenturen melden die gewaltsame Unterdrückung der neuen Straßenproteste.

Samir Kabulow, Direktor der Asien-Abteilung des russischen Außenministeriums, aber verweist gegenüber der Agentur RIA Nowosti auf deren westliche Drahtzieher: „Natürlich hat die Benzinpreiserhöhung Öl ins Feuer gegossen. Aber auch auswärtige Kräfte arbeiten dort aktiv.“ Aschdar Kurtow, Nahostexperte des kremlnahen RISI-Instituts, sagt, in einer Reihe iranischer Städte seien Ausländer festgenommen worden, die die Unruhen offenbar angeheizt hätten. Er zeigt Verständnis für das Vorgehen der Sicherheitsorgane: „Der Iran gehört zu einer politischen Kultur, in der eine Regierung, die Schwäche zeigt, nicht überlebt.“

Die russische Öffentlichkeit sympathisiert mit den iranischen Behörden. Seit dem Arabischen Frühling gelten Straßenrevolutionen als von den USA gelenkte Versuche, ganze Regionen ins Chaos zu stürzen. Außerdem hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zwischen Russland und dem Iran eine enge Partnerschaft entwickelt.

Ayatollah Khomeini, bis 1989 an der Macht, bezeichnete die USA und die Sowjetunion einst als „großen und kleinen Teufel“. Seine Nachfolger aber paktierten eifrig mit dem „kleinen“ gegen den „großen Teufel“: Moskau liefert Teheran Panzer und Kampfjets, vollendete 2010 das erste iranische Kernkraftwerk in Buschehr und war bei den UN-Sanktionen gegen Iran „um ihre Milderung bemüht“, so die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“. Seit 2016 baut Russland zwei neue Reaktorblöcke in Buschehr und hat dem Iran hochmoderne S-300-Flugabwehrsysteme verkauft. Die neuen US-Sanktionen lehnt Russland ab. Auch, weil sie westliche Konkurrenten vom iranischen Technologiemarkt vertreiben.

Moskau und Teheran kämpfen in Syrien zudem gemeinsam. Der schiitische Iran unterstützt aus Konfessionsgründen das alawitische Assad-Regime. Die Russen sahen Assad und die Schiiten schon zu Sowjetzeiten als Gegengewicht zu den US-Verbündeten Israel und Saudi-Aranoem. Im Syrienkrieg ergänzen sich die russische Luftwaffe und die Bodentruppen der iranischen Revolutionsgarde nun. „Und in Russland gibt es kaum schiitische Muslime“, sagt Experte Kurtow, „iranische Prediger werden hier nicht auftauchen.“ Man hat also wenig voneinander zu befürchten.

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